Hans de Neve ist der Gründer von Carbyon. Das Unternehmen extrahiert CO2 aus der Luft, um es unterirdisch zu speichern. Dieses Kohlendioxid kann dann als Rohstoff für die Herstellung von erneuerbarem Kerosin verwendet werden. „Wir hoffen, auf diese Weise einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten zu können.“

Was ist Ihre Vision einer (nachhaltigen) Zukunft?

„Die Zukunft ist natürlich eine kohlenstoffneutrale Zukunft. Ich denke, das ist uns allen klar. Vielleicht müssen wir uns sogar auf eine CO2-negative Zukunft zubewegen, denn um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müssen wir auch CO2 aus der Luft entfernen. Das ist mit unserer Technologie möglich. Auf diese Weise wollen wir zur Eindämmung des Klimawandels beitragen.

Diese Art von Technologie wird bereits entwickelt, ist aber noch teuer. Und solange sie teuer ist, wird sie nicht genutzt. Denken Sie zum Beispiel an Technologien der erneuerbaren Energien. Jetzt, wo Sonnenkollektoren billiger sind, werden sie in großem Umfang eingesetzt. Wenn wir CO2-negativ werden wollen, müssen wir diese Technologie auch kostengünstiger machen. Wir erreichen das, indem wir kleinere Geräte herstellen, die weniger Material benötigen. Wir haben auch eine neue Membran entwickelt, die es uns ermöglicht, CO2 mit weniger Energieaufwand aus der Luft zu gewinnen.“

Wo stehen Sie jetzt und wann erwarten Sie, dass der Erfolg Ihrer Technologie sichtbar wird?

„Wir hoffen, dass wir unser erstes Gerät bis Ende nächsten Jahres gefertigt haben. Bis 2030 erwarten wir, dass wir 50 Millionen Tonnen CO2 aus der Luft entfernen können. Um eine Vorstellung zu vermitteln: Die Niederlande emittieren jährlich 150 Millionen Tonnen. 50 Millionen sind also ein guter Teil der Emissionen. Global gesehen bedeutet das noch nicht viel. Es wird aber erwartet, dass bis 2050 5 Milliarden Tonnen erreicht werden können.

Es gibt eine Reihe von potenziellen Kunden für unsere Technologie. Die ersten sind Unternehmen, die erneuerbare Kraftstoffe und erneuerbare Chemikalien herstellen. So wird beispielsweise viel über den Luftverkehr diskutiert, der aufgrund der verwendeten fossilen Brennstoffe sehr umweltschädlich ist. Der Weg, der nun eingeschlagen wird, besteht darin, erneuerbare Energie aus Wind- und Solarparks als Grundlage für die Produktion von erneuerbaren Kraftstoffen zu nutzen. Dazu braucht man zwei Dinge: grünen Wasserstoff und grünen Kohlenstoff, den man aus der Luft gewinnt. So können in kreisförmiger Produktionsweise Kraftstoffe hergestellt werden. Weitere potenzielle Kunden sind Treibhäuser. Sie verwenden CO2 für das Pflanzenwachstum und suchen nach einer erneuerbaren CO2-Quelle. Eine dritte Gruppe sind Regierungen oder Unternehmen, die durch die unterirdische Speicherung von CO2 wirklich negative Emissionen anstreben.

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Die leeren Gasfelder haben bereits bewiesen, dass sie Gas für Millionen von Jahren speichern können. Hätten wir diese Felder nicht angezapft, wäre das Gas einfach dort geblieben. Daher halte ich sie für sehr geeignete natürliche Standorte zur Speicherung von CO2. In gewisser Weise kann man sagen, dass man CO2 dorthin zurückschickt, wo es herkommt. Dies wird inzwischen als sicherer Weg angesehen. Was beanstandet wird, ist, dass wir weiterhin fossile Brennstoffe verwenden. Ich verstehe diese Einwände, weil man sich dann sozusagen im Kreis dreht. Deshalb sagen wir als Unternehmen, dass die Industrie unsere Technologie nicht als Vorwand benutzen sollte, um weiterhin fossile Brennstoffe zu verwenden. Sie sollten so schnell wie möglich von fossilen Brennstoffen wegkommen, indem sie sich zum Beispiel gleichzeitig auf die Produktion von erneuerbarem Kerosin konzentrieren.“

Inwieweit erfordern diese Zeiten eine andere Art von Führung und wie gehen Sie selbst mit diesem Thema um?

„Wir müssen so schnell wie möglich zu einer Führung kommen, die sich um die Zukunft der Menschheit auf diesem Planeten kümmert. Wenn nötig, auf Kosten kurzfristiger Gewinne. Eine Führungspersönlichkeit muss in der Lage sein, Aktionäre oder potenzielle Investoren davon zu überzeugen, dass sie an dieser Stelle nicht auf Gewinnmaximierung setzen sollten, sondern dass ein nachhaltiger Produktionsprozess Vorrang hat. Wir vermissen diese Art der Führung sehr. Wir könnten schon an einem ganz anderen Punkt sein.

Ich versuche, diese Führungsweise selbst anzuwenden, indem ich potenziellen Investoren sage, dass wir immer den Planeten vor den Profit stellen werden. Wenn sie also in Carbyon investieren, sollten sie wissen, dass wir uns immer für das entscheiden, was das Beste für unseren Planeten ist. Selbst wenn diese Entscheidung auf Kosten des kurzfristigen Gewinns geht. Investoren, die mit uns Geschäfte machen, unterzeichnen eine Ethik-Charta, um zu zeigen, dass sie damit einverstanden sind.“

Dieser Artikel stammt von ChangeInc, einem redaktionellen Partner von Innovation Origins.

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