Audi e-tron © Audi

Autos werden bis zum Jahr 2025 im Durchschnitt um rund 3.000 bis 5.000 Euro teurer werden. Das erklärte Audi-Chef Bram Schot am vergangenen Wochenende im niederländischen Rundfunk. Als Grund gab der 57-Jährige hohe Entwicklungskosten für Verbrennungsmotoren und Investitionen in Elektrofahrzeuge an. „Von den 40 Milliarden Euro, die ich investieren muss, gehen 15 Milliarden Euro an Elektroautos. Ich kann das nicht finanzieren, wenn ich alles selbst bezahlen muss”, sagte Schot. Also werden die Kosten – auch für die Weiterentwicklung der Verbrennungsmotoren – eben auf die Preise umgelegt.

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Audi-Chef Bram Schot © Audi

Schot, der seit Anfang 2019 an der Spitze von Audi steht, nachdem der ehemalige CEO Rupert Stadler wegen des Dieselskandals verhaftetet worden war, will mit Audi zwar eine Vorreiterrolle auf dem Markt der Elektroautos übernehmen, aber: auch der Diesel sei noch nicht tot betonte er. Wer zwei Millionen Autos pro Jahr verkaufen will, müsse verschiedene Antriebsstränge anbieten und nicht nur Elektroantrieb. Der Niederländer glaubt, dass im Jahr 2025 etwa 25 Prozent der Audi Verkäufe auf Elektroautos entfallen werden. Im Umkehrschluss heißt das, dass immer noch 75 Prozent der Neuwagen von einem Verbrennungsmotor angetrieben werden. Und auch diese Autos wollen erst entwickelt werden, was wiederum viel Geld kostet.

Zug verpasst?

Ob diese Aussage ein intelligenter Schritt Schots war, wird sich noch zeigen. Auke Hoekstra von der Technischen Universität Eindhoven und Kolumnist bei Innovation Origins, glaubt eher Nein. „Für mich ergibt das nur Sinn, wenn er damit zum Ausdruck bringen wollte, ja, wir hinken dem Zeitplan bezüglich der Entwicklung für die kommenden Jahre hinterher“, sagt Hoekstra. „Vielleicht gibt er sogar auch zu, ja, wir sind auch bei der Entwicklung von Verbrennungsmotoren hinten. Im Grunde bereitet er seine eigene Firma und seine Marketingabteilung schon mal darauf vor, dass die Autos teurer werden.“

In Zeiten von Dieselfahrverboten stellt sich allerdings sowieso die Frage, wieso man Verbrennungsmotoren überhaupt noch weiterentwickeln muss, wenn der Rest der Welt sich mehr und mehr auf alternative Antriebe wie Elektromotoren konzentriert. Hat die deutsche Automobilindustrie etwa den Zug verpasst? Ganz zu schweigen von der Führungsposition auf dem Weltmarkt. 2020 kommt der chinesische Aiways U5 Ion mit 190 PS und einer Reichweite von 460 Kilometern auf den Markt. Der Preis: rund 25.000 Euro. Im Gegensatz dazu schlägt der Audi e-tron schon in der Basisversion mit 80.900,00 Euro zu Buche. Bei der Reichweite liegt Tesla mit dem Model S und rund 630 Kilometern mit Abstand an der Spitze, während man mit dem VW E-Golf und dem BMW i3 mit einer Batterieladung gerade mal 200 Kilometer weit kommt.

„Ich sage schon seit zehn Jahren, dass ich mir Sorgen um die deutsche Autoindustrie mache. Das ist kein Schlechtreden, ganz und gar nicht“, so Hoekstra. „Ich habe den Ansatz der deutschen Hersteller immer bewundert, Dinge präzise zu erledigen.“ Der Dieselskandal sei jedoch ein „Riesenfehler“ gewesen und auch die Präzision sei nicht mehr so gegeben wie früher. „Ich mag deutsche Autohersteller noch immer und mache mir deshalb Sorgen, denn aktuell sieht es so aus, als sollte sogar China Deutschland überholen.“

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Tesla Model S © Tesla

Das träfe allerdings nicht nur auf die Autoindustrie zu, sondern auf alle Industriezweige, gibt Hoekstra zu. Einer der Gründe könnte eine mangelnde Risikobereitschaft der Deutschen sein, meint er. „Es ist eben nicht einfach, seinen eigenen Mark zu zerstören, indem man etwas Neues probiert, selbst wenn man im tiefsten Inneren weiß, dass es das Richtige wäre. Ich mache mir auf alle Fälle Sorgen, dass sie den Zug verpasst hat.“

Volkswagen im Vorteil

Chancen, den Sprung doch noch zu schaffen, sieht Hoekstra am ehesten für Volkswagen. VW-Chef Herbert Diess appellierte bei der Global Top Management Conference (GTMC) der Wolfsburger erst kürzlich an seine Topmanager, sein Unternehmen brauche mehr Führungsstärke. „Nicht nach Wolfsburg schauen, ob was kommt, sondern selber machen.“ Nach dem Dieselskandal an, der Volkswagen in eine tiefe Krise gestürzt hat und deren volle Auswirkungen noch immer nicht ganz klar sind, sieht er Klimawandel und Umweltschutz als Hauptherausforderungen. Diess will daher für die Zukunft in erster Linie auf Elektroantrieb setzen: „Wir sollten nicht auf Druck von außen warten, sondern voranschreiten bei der vielleicht wichtigsten Aufgabe der Menschheit, seit es sie gibt.“

Genau dieses neue Management in Wolfsburg (Diess leitet das Unternehmen seit April 2018) und in Ingolstadt könnte das Ruder laut Hoekstra noch herumreißen. „Sie können das Momentum der neuen Führung nutzen, um sich Richtung Elektroauto zu orientieren. Dadurch kommen auch BMW und Daimler unter Druck, ebenfalls weitere Schritte in diese Richtung zu machen.“

Elektroautos würden auf Dauer also sicher günstiger als sie aktuell sind, betont der Niederländer und gibt dem Verbrennungsmotor bei Neuwagen vielleicht noch 10 Jahre…

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Über den Autor

Author profile picture Petra Wiesmayer ist seit mehr als 25 Jahren als Journalistin und Autorin tätig. Sie hat bis heute hunderte Interviews mit Prominenten aus Entertainment, Sport und Politik geführt und zahllose Artikel über Entertainment und Motorsport für internationale Medien recherchiert und verfasst. Als großer Science-Fiction-Fan ist sie fasziniert von Technologien, die die Zukunft der Menschheit mitbestimmen könnten und liest und schreibt gerne darüber.