Was tun Sie? Sie wollen ein Transport-Unternehmen beauftragen, um Ihr Sofa von München nach Berlin zu schicken. Richtig, Sie googeln und senden Ihre Anfrage direkt online. Leichter gesagt als getan. Denn in der Logistik in Deutschland regieren noch immer Telefon und Fax. Ein Start-up aus Leipzig macht die Auftragsvergabe digital..

Start ins Digitalzeitalter

Zwei Freunde und Arbeitskollegen ist genau das altmodische Buchungsprozedere vieler Transport-Unternehmen auf den Nerv gegangen. Felix Wiegand und Seven Quel hatten vor vier Jahren die Vision die Logistikbranche ins digitale Zeitalter zu holen. Was daraus wurde trägt heute den Namen Pamyra und ist eine unabhängige Vergleichs- und Buchungsplattform für Transporte und Logistik.

Einfach aber praktisch

Kommunikation über Telefon und Fax sind im deutschen Logistik-Segment noch Tagesordnung. Dumm nur, wenn ein Kunde abends vom Sofa aus, einen Transport buchen will. Bisher war dies schwierig. Schließlich müssen Öffnungszeiten eingehalten werden. „Das wird sich in den kommenden Jahren ändern, auch wenn die Branche noch am Anfang steht“, erklärt Mitbegründer Steven Qual. „Die Digitalisierung macht auch vor der Logistik keinen Halt. Mit unserer Plattform schaffen wir Transparenz auf dem Markt. Wir sehen uns als Schnittstelle zwischen Versender von Stückgut und Transportunternehmen.“

Schnittstelle zwischen Ware und Logistiker

Genau das ist das Geschäftsmodell von Pamyra. Die Plattform macht es Kunden leicht, auszuwählen, was versendet werden soll. Die Auswahl reicht von Küchen- und Haushaltsgeräten über Motoren, Möbel bis hin zu Paletten, Sperrgut, großen Paketen, Maschinen und Quads. Wer als Sparfuchs lieber preisbewusst agieren will, findet unter dem Button „günstige Speditionen“ das richtige. Und das ganz bequem online.

Die Anfragen werden im Vergleich zu herkömmlichen Transportbörsen nicht an einzelne Speditionen weitergeleitet. Vielmehr berechnet die Leipziger Plattform aus den Angaben zu Fracht und Route automatisiert den Preis. Auch lassen sich Fahrzeugausstattung, Lieferdatum und Preis für direkte Fahrten und Leerfahrten bequem in einer Übersicht vergleichen. Der Auftrag kann somit sofort verbindlich gebucht werden.

Richtiger Zeitpunkt

Offensichtlich hatten die Macher von Pamyra zum richtigen Zeitpunkt die richtige Idee. Im Februar wurde bereits die 5.000-ste Bestellung über die Transportplattform abgewickelt. Das Suchvolumen liegt laut Aussage des Leipziger Start-ups zwischen 20.000 und 30.000 Transporten pro Monat.

Das Angebot von Pamyra gilt aber nicht nur für Verbraucher und Unternehmen die einen Transport beauftragen wollen. Auch Spediteure können von der Plattform als unabhängigen Vertriebskanal profitieren: Dazu stellen sie ihr Angebot, also Strecken und Preise auf der Plattform ein. Dies kann auch dazu beitragen, Leerfahrten zu vermeiden.

Look and Feel

Um es den Kunden bei der Buchung eines Transports möglichst leicht zu machen, setzt Pamyra mit seiner Plattform auf das Look and Feel eines Online-Shops. Das macht es den Interessenten leicht, sich schnell zurechtzufinden. Damit nutzt Pamyra zudem die Shopping-Gewohnheiten von Usern. Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) und der Creditreform Boniversum GmbH gehen deutsche Kunden am liebsten samstags ab 18.00 Uhr online einkaufen. Deswegen ist es vielleicht nicht verwunderlich, wenn Sabstian Kolke, Customer Success Manager erklärt: „Fast ein Drittel der gebuchten Transporte werden außerhalb der regulären Geschäftszeiten getätigt – also nach 18 Uhr oder am Wochenende. Es sieht heutzutage einfach niemand mehr ein, dass er einen Transport nicht auch spätabends oder am Wochenende buchen kann. Und das Buchungsverhalten zeigt: Das gilt für viele KMUs (Anmerkung der Redaktion: Kleine- und Mittlere Unternehmen) genauso wie für Privatkunden.“

Wie geht’s weiter?

Um das Geschäft weiter aufzubauen, kooperiert Pamyra seit Kurzem mit dem Logistikdienstleister Fresh Logistics Systems. Das Ziel: Leerfahrten auf der Strecke von Hamburg nach Berlin zu vermeiden. Der neue Partner transportiert schwerpunktmäßig empfindliche Güter wie Obst, Gemüse, Blumen und Pflanzen. Nicht selten kommt es deshalb vor, dass Transporter leer wieder zum Ausgangspunkt zurückfahren. Für Pamyra die passende Möglichkeit weitere Transportrouten anzubieten, Leerfahrten zu verhindern und somit ein wenig umweltfreundlicher zu agieren.
Damit die Transport-Plattform expandieren kann, sammelten die Gründer erst kürzlich einen siebenstelligen Betrag ein. Das hilft, um das Team aufzustocken und vom einstigen Coworking Space in das erste eigene Headoffice zu ziehen.

Foto: Pamyra