Thomas Korn ist Gründer und CEO des Startups Keyou, das Wasserstoff-Verbrennungsmotoren für Nutzfahrzeuge entwickelt. Die Firma mit Sitz in Unterschleißheim wurde 2015 gegründet und entwickelt sich rasant. Im Gespräch mit InnovationOrigins verrät Korn, was ihn motiviert, das Unternehmen weiterzuentwickeln.

Zusammen mit Ihrem Geschäftspartner haben Sie Keyou gegründet, um den Wasserstoff-Verbrennungsmotor für Nutzfahrzeuge am Markt zu etablieren. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Die Idee ist ja nicht neu. Dabei geht es aber nicht um den Wasserstoff an sich, sondern um einen emissionsfreien, nachhaltigen Kreislauf mit Hilfe von Wasserstoff. Er kann viele Probleme auf der Welt lösen und ist damit eine echte Alternative zum Dieselmotor. In der Diskussion geht es eigentlich nicht um den Antrieb an sich, sondern vor allem um den Energiespeicher. Wasserstoff ist das Rückgrat der Mobilität, während wir den E-Antrieb eher in kleinen PKWs sehen.

Wenn Sie auf die Anfangsphase Ihres Unternehmens zurückblicken. Was würden Sie jetzt anders machen?

Man muss einen Weg finden, wie das Thema vorwärtsgetrieben werden kann. Wir haben uns bereits mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren beschäftigt, als wir in der BMW-Forschung gearbeitet haben. Dann hat sich der Autobauer aber auf Elektromobilität konzentriert und wir haben zunächst für ein österreichisches Start-up in diesem Bereich gearbeitet. Als das dann aber nicht klappte, gründeten wir Keyou. Das war im September 2015. Inzwischen beschäftigen wir 20 Mitarbeiter. Bis jetzt hat sich alles optimal entwickelt

Was treibt Sie an, um sich auch in Zukunft für die Verbreitung des Wasserstoff-Verbrennungsmotors einzusetzen?

Es ist ein großer Luxus, sich für ein Projekt zu engagieren, das Sinn macht. Wenn wir uns die wirtschaftliche Entwicklung anschauen, gibt es vieles, was nicht gut läuft. Wir wollen etwas verändern und die Welt besser machen. Auch wenn der Wettbewerb extrem ist.

Wasserstoffbetriebener Bus

Dieser Bus fährt mit Wasserstoff – Keyou würde gerne Nutzfahrzeuge mit Wasserstoff-Verbrennungsmotoren ausstatten.

Hatten Sie schon einmal mit dem Gedanken gespielt, aufzugeben und Ihre Arbeit für Keyou zu beenden?

Nein. Zwar gibt es immer wieder Phasen, wo erst einmal keine Lösung möglich scheint. Gerade wenn das Geld knapp wird, etwa in der Gründungsphase oder wenn eben die alltäglichen Rechnungen bezahlt werden müssen. Zum Glück waren diese Phasen bei uns nur kurz. Jetzt sind wir gut aufgestellt, haben einen strategischen Investor, erste Kunden und sind gerade erfolgreich in die zweite Finanzierungsrunde gestartet.

Was hat sich seit der Gründung von Keyou für Sie geändert?

Verändert hat sich natürlich viel, denn die Herausforderungen sind groß. Ein Unternehmen muss in vielen Bereichen agieren. Alle Aspekte sind wichtig und die Verantwortung liegt bei mir. Obwohl ich 13 Jahre bei BMW gearbeitet habe und viel Erfahrung mitbringe, ist es etwas ganz anderes als Unternehmer zu agieren als ein Angestellter.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um? Was würden Sie Start-ups im Falle von Niederlagen raten?

Wir haben es extrem betrieben, alle Ressourcen gebündelt und das ohne ohne Fallnetz. Das muss man aber nicht immer machen. An Niederlagen denken wir nicht, da haben wir im wahrsten Sinne des Wortes gar keine Zeit dazu. Was ich einem Start-up bei einer Niederlage raten würde? Schwer zu sagen, aber auf keinen Fall zu schnell Aufgeben und natürlich an seine Sache glauben. Sollte es dann wirklich schief gehen – dann so schnell wie möglich wieder aufstehen und etwas Neues in Angriff nehmen. Der Rat von Experten ist übrigens auch sehr wichtig und kann in solchen Situationen helfen.

Haben Sie einen Plan B, wenn sich der Erfolg mit Keyou nicht einstellen sollte?

Nein, es gibt keinen Plan B. Momentan brauchen wir den auch nicht. Wir sind auch gerade dabei, ein zweites Unternehmen für Wasserstoffspeicher zu gründen. Wir glauben an Keyou und das Thema Wasserstoff. Aber klar ist, am Ende des Tages muss man natürlich mit dem, was man macht, auch Geld verdienen.

Was tun Sie, wenn Sie Erfolg haben?

Wir haben schon gute Erfolge vorzuweisen und viele Zwischenziele erreicht. Das große Endziel ist die emissionsfreie Technik zu verwirklichen. Und dann gibt’s eine große Party.

Wasser-Abgase bei Wasserstoff-Verbrennungsmotor

Wo Wasserstoff drin ist, kommt auch nur Wasserdampf raus – wie bei diesem mit Wasserstoff betriebenem Bus.

Was ist das Erste, was Sie in der Früh nach dem Aufstehen tun?

In der Regel bereite ich mich am Abend auf meine To Dos und Termine am nächsten Tag vor. Ich nutze gerne den Morgen, dann bin ich produktiv. Manchmal starte ich den Tag im Büro und fahre davor noch bei der Bäckerei meines Vertrauens vorbei. Aber zuerst kümmere ich mich um meine Kinder.

Wann ist der Punkt erreicht, an dem Sie sich in Bezug auf Ihr Unternehmen auf der Zielgerade befinden?

Wir sehen einen Zeithorizont von rund fünf Jahren, bis der Wasserstoffmotor breit in den Nutzfahrzeugsektor Einzug hält und dann zum Selbstläufer wird. Dann wären insgesamt acht Jahre vergangen, die erste große Etappe erfolgreich beendet. Danach ist vieles möglich. Ich könnte mir durchaus vorstellen, neue Projekte in Angriff zu nehmen.

Was würden Sie Unternehmensgründern raten? Worauf sollten sie Ihrer Meinung nach achten oder gibt es Fehler, die sie vermeiden könnten?

Entscheidend sind die Idee und das Konzept. Deswegen ist es besonders wichtig den Business-Plan selbst zu entwickeln. Nur dann setzt sich ein Gründer auch wirklich mit allen Facetten des Start-ups auseinander. Zudem muss das Team passen. Sie müssen versuchen, die Besten der Besten zu bekommen. Als Start-up ist das nicht leicht, denn so viel Geld können Sie nicht bezahlen. Wir bieten Unternehmensanteile und Teilhabe an großen Projekten. Wir möchten gerne, dass sich die Mitarbeiter zu 100 Prozent mit dem Unternehmen identifizieren und langfristig finanziell zu profitieren.

Nach welchen Kriterien suchen Sie Mitarbeiter aus?

Natürlich schauen wir uns Lebenslauf und Zeugnisse an, aber eigentlich achte ich auf mein Bauchgefühl. Denn nur ein guter Hochschulabschluss sagt nichts aus. Am besten ist es, die Leute zu testen. Wir hatten das Glück, dass es von Anfang an gut gepasst hat. Recruiting ist aber ein kontinuierlicher Prozess, der immer wieder angepasst werden muss.

Fotos: Keyou

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