Der Hightech-Gesundheitscluster in der Region Brabant ist ein ausgedehntes und lebendiges Ökosystem, das spezialisierte Forschung, fortschrittliche Produktionskapazitäten und beträchtliches Investitionskapital beherbergt. Der gemeinsame Nenner dabei ist eine offene Innovation, die zwischen den verschiedenen Interessengruppen aus dem öffentlichen Sektor, der Wissenschaft und der Wirtschaft besteht. Diese Zusammenarbeit ist in einer Reihe von Plattformen mit Co-Location und in kollektiven Forschungsinitiativen deutlich sichtbar. Gemessen an der Anzahl der Patentanmeldungen, der Anzahl der wirtschaftlich rentablen Start-ups und der Art und Weise, wie lokale Gesundheitstechnologieunternehmen ihre Branchen auf den Weltmärkten anführen, ist Brabant auf dem besten Weg, den Status eines weltweit anerkannten Medizintechnik-Clusters zu erreichen.

Die Grundlagen des Medizintechnik-Sektors in Brabant sind rund ein Jahrhundert alt und gehen auf die Pionierarbeit von drei Männern aus drei verschiedenen Disziplinen zurück, die Wissenschaft und Unternehmertum miteinander verbinden. Die Produktion der ersten Glühlampe von Gerard Philips im Jahr 1891 in Eindhoven führte schließlich zu einer Reihe medizinisch-technischer Entwicklungen. Dazu gehören MRT-Scanner, Elektronenmikroskope, Halbleitertechnologie und aktive medizinische Implantate, die von Dutzenden von großen, mittleren und kleinen Unternehmen wie Philips Healthcare, Thermo Fischer Scientific, Innoluce und Sapiens Steering Brain Stimulation entwickelt wurden.

„Wir sind schnell gewachsen, dank starker Unternehmen wie Philips und der Bereitschaft, hart zu arbeiten.”

Als Philips seine medizinische Röntgenröhrentechnologie verfeinerte, wurde in Oss eine ganz andere Art von Medizin aufgebaut. Saal van Zwanenberg, Inhaber eines florierenden Fleischverarbeitungsunternehmens, hat gemeinsam mit dem Apotheker Ernst Laqueur eine kommerzielle Anwendung für tierische Nebenprodukte gefunden: 1923 gründeten sie Organon, den ersten europäischen Insulinhersteller, und begannen bald mit der Produktion einer Reihe von Hormonbehandlungsmitteln. Nach mehreren Übernahmen und Abspaltungen im Laufe der Jahrzehnte wurde das ursprüngliche Unternehmen nun in MSD und MSD Animal Health integriert. Heute befindet sich in Oss der Pivot Park, ein biopharmazeutischer Campus mit einem Netzwerk von großen und kleineren Pharmaherstellern und -lieferanten.

Thijs Taminiau_ BOM
Thijs Taminiau (BOM)

Thijs Taminiau, Senior Project Manager Foreign Investments bei der Brabant Development Company (BOM), deren Portfolio sich auf MedTech und Life Sciences & Health konzentriert, stellt fest, dass in Brabant im vergangenen Jahrhundert ein rascher Wandel stattgefunden hat. Die Region hat sich von einer armen landwirtschaftlichen Provinz zur am schnellsten wachsenden Region der Niederlande entwickelt, die auch ein Drittel aller niederländischen Patente generiert. „Wir sind dank starker Unternehmen wie Philips und der Bereitschaft, hart zu arbeiten, schnell gewachsen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Ausmaß, in dem Open Innovation in Zentren wie dem High Tech Campus und dem Pivot Park stattfindet. Wenn wir mit Unternehmen aus anderen Ländern wie den USA sprechen, sind sie immer wieder überrascht, wie offen wir untereinander für Forschung, Entwicklung und Innovation sind.”

Thom Frielink Health Holland
Thom Frielink Health Holland

Thom Frielink ist Innovationsberater bei Health-Holland, dem Vorstandsbüro des niederländischen Top-Sektors Life Sciences & Health. Aus seiner nationalen Perspektive sieht er in der Provinz Brabant neue Spezialisierungsknoten entstehen. „Angesichts der historisch wichtigen Rolle, die Philips in der Region im Bereich der Medizintechnik spielt, hat die Ostseite Brabants eine dominantere Stellung als der Westen der Provinz. Dennoch gibt es auch in West Brabant wichtige Versorgungsinitiativen wie das Care Innovation Center (CIC) in Roosendaal. Dies ist eine Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, einer lokalen Gesundheitsschule und einer Reihe lokaler Innovatoren, die gemeinsam dazu beitragen, den Innovationsprozess ihrer Medizintechnik zu beschleunigen.”

Chantal van Spaendonck_CIC
Chantal van Spaendonck (CIC)

CIC-Direktorin Chantal van Spaendonck beschreibt es als einen experimentellen Garten. „Wir motivieren Menschen, mit Innovation und technischer Innovation zu beginnen – Pflegeheime, Heimpflegeorganisationen, Krankenhäuser, Hausärzte und andere Interessengruppen. Wir stellen die Verbindung zwischen ihnen und den Unternehmen her. Es kommt nicht oft vor, dass niederländische Gesundheitsorganisationen viel direkten Kontakt zu kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und zu Unternehmen in anderen Branchen haben; das ist eines der Dinge, die wir fördern.”

Ein Teil der Rolle des CIC besteht darin, diese KMU bei der Entwicklung ihrer Produkte zu unterstützen, unter anderem durch die Unterstützung bei der gemeinsamen Entwicklung und Erprobung von Ideen und Produkten mit Endverbrauchern in der Patientenversorgung. Der CIC hilft diesen Unternehmen auch, „die komplexe Landschaft zur Finanzierung des niederländischen Gesundheitssystems zu durchstreifen.”

„Es geht nicht nur darum, neue Ideen zu entwickeln, sondern auch darum, die Dinge weiter in die Praxis umzusetzen.”

Van Spaendonck sieht die Rolle von West Brabant als Ergänzung zum Medizintechniksektor in der restlichen Provinz. „Hier liegt der Fokus mehr auf der Umsetzung und Skalierung von Ideen. Daraus ergibt sich eine sinnvolle Kombination, die Brabant als Ganzes weiter voranbringt. Es geht nicht nur darum, neue Ideen zu entwickeln, sondern auch darum, die Dinge weiter in die Praxis umzusetzen.”

In Brabant war die branchenübergreifende Zusammenarbeit der Schlüssel, um Ideen zu testen, zu finanzieren und auf den Markt zu bringen. „Obwohl wir in Brabant keine medizinischen Forschungskrankenhäuser haben, arbeiten wir eng mit lokalen Spitzenkliniken zusammen, was es uns ermöglicht, Innovationen und Unternehmen schnell auf den Markt zu bringen”, sagt Frits Hoeve, Projektleiter bei BOM, dessen Portfolio auf High-Tech-Systemen basiert.

Als Beispiel nennt er Bambi Belt Solution, ein medizinisches Start-up-Unternehmen, das mit dem Holst Centre zusammenarbeitet, das Herzmessgurte für Neugeborene herstellt; ein weiteres Beispiel ist Preceyes, das Roboterlösungen für die Augenchirurgie anbietet.

Das Holst Centre ist ein F&E-Institut (Forschungs-und Innovationsinstitut), dessen Forschungsanwendungen überwiegend in der medizinischen Welt liegen und das in Zusammenarbeit mit Industrie und Wissenschaft auf der Grundlage offener Innovationen forscht. Die Arbeit ergänzt die der Technischen Universität Eindhoven, die die Gesundheit als einen ihrer drei strategischen Schwerpunkte identifiziert hat und neun Fakultäten mit einem Gesundheitsthema hat. Tilburg, Breda und Eindhoven haben auch Hochschulen – Avans und Fontys, die Forschung und Lehre im Bereich der Gesundheit anbieten.

„Wir verfügen über gute F&E-Einrichtungen in der Region, die sich auf die Produktion konzentrieren, und wir verfügen über Produktionskapazitäten für kleine und große Optionen. Es ist wirklich ein pragmatischer Ansatz”, sagt Hoeve.

„Die Logistikkapazitäten in der Region werden auch weiterhin die gesamte Medizinbranche unterstützen.”

Er sieht, dass sich die zukünftige Entwicklung der Medizintechnik in Brabant entlang von vier Kernthemen bewegt. Das erste Thema sind die Daten: Große etablierte Unternehmen wie Philips entwickeln sich nun zu einem gezielteren Ansatz für die medizinische Datenverarbeitung, einschließlich aller Aspekte der medizinischen Bildgebung. Datenwissenschaften und künstliche Intelligenz werden eine wichtige Rolle bei der Steuerung dieser Entwicklungen spielen.

Zweitens gibt es einen Trend zur Verwendung von Präzisionsrobotern und aktiven Implantaten für medizinische Zwecke, was eine große Veränderung in der Art und Weise bedeutet, wie das Gesundheitswesen mit dem Endverbraucher – dem Patienten – umgeht. Ein drittes Thema ist ein florierender Pharmasektor, der intensiv an neuen Entwicklungen in der Biotechnologie arbeitet, einschließlich Innovationen in der Immuntherapie. Ein vierter Aspekt sind die Logistikkapazitäten in der Region, die laut Hoeve die gesamte Branche bei ihrem Streben nach globaler Wettbewerbsfähigkeit weiterhin unterstützen werden.

 

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