Ein- und ausparken, die Geschwindigkeit halten oder auch abbremsen, all das und mehr schaffen moderne Autos schon seit einiger Zeit ohne Zutun des Fahrers. Bis sich die Fahrzeuge komplett selbständig auf den Straßen bewegen, werden aber noch ein paar Jahre ins Land gehen, auch wenn autonomes Fahren schon heute auf immer mehr Strecken getestet wird. Ein Beispiel ist der Test mit einem autonomen Bus auf der Straße des 17. Juni in Berlin.

Während an der Technik und auch der Infrastruktur noch gearbeitet werden muss, bis selbstfahrende Autos zum alltäglichen Straßenbild gehören, muss sich sicher auch an der Akzeptanz der Autofahrer noch einiges ändern. Der Trend ist jedoch positiv, dass die Menschen die Kontrolle abgeben und sich auf Technik und Technologie verlassen werden. In einer 2018 vom ADAC in Auftrag gegebenen Studie sprachen sich noch 45 Prozent der Befragten gegen selbstfahrende Autos aus. Der Hauptgrund war mangelndes Vertrauen in die Verlässlichkeit der Fahrzeugtechnologie oder Angst vor Hackern.

Mehr Artikel zum Thema autonomes Fahren finden Sie hier.

Mittlerweile haben sich diese Zahlen etwas geändert, wie eine aktuelle Studie im Auftrag des des Softwareunternehmens ANSYS zeigt, das Simulationssoftware zum Testen von autonomen Fahrzeugen herstellt. Im Rahmen der Studie wurden weltweit (Benelux, China, Frankreich, Deutschland, Indien, Italien, Japan, Spanien, Schweden, Großbritannien, USA) 22.000 Menschen zu ihren Einstellungen und Erwartungen bezüglich autonomen Fahrens und Fliegens befragt. Die Ergebnisse der Studie wurden im Oktober 2019 im ANSYS Global Autonomous Vehicle Report veröffentlicht und zeigen auch detailliert die unterschiedlichen Meinungen zwischen Altersgruppen und Märkten.

© ANSYS

Jüngere Menschen offener für autonome Autos als ältere

Insgesamt gaben 77% der Befragten an, sie würden gerne in einem autonomen Auto (mit)fahren – allerdings noch nicht jetzt. Dazu wären nur 14% aller Befragten breit, 50% innerhalb der nächsten fünf Jahre. 23 % können sich mit dem Gedanken überhaupt nicht anfreunden, jemals in ein selbstfahrendes Auto einzusteigen. In Deutschland würden 74 % der Menschen ihrem Auto im Laufe des Lebens die Kontrolle überlassen, Spitzenreiter der Befragung waren jedoch die Inder. Dort würden sogar 94 % im Laufe der nächsten Jahre gerne autonom fahren, während die Briten mit gerade mal 57 % das Schlusslicht bildeten.

Beinahe zu erwarten war, dass die jüngere Generation dem autonomen Fahren gegenüber aufgeschlossener ist als ältere Menschen. Unter den 18- bis 24- und 25- bis 34-Jährigen würden 87%, bzw. 88% in den nächsten Jahren mit einem selbstfahrenden Auto fahren. Nur 14%, bzw. 12% lehnten es komplett ab. Ganz anders dagegen die Generation der über 65-Jährigen. Da sprachen sich lediglich 23% für autonomes Fahren aus, 43% gaben an, nie in einem autonomen Auto fahren zu wollen.

© ANSYS

Sicherheitsbedenken

Die Gründe, dass viele Menschen lieber auch weiter selbst die Kontrolle über ihr Auto haben würden, sind ähnlich wie die, die in der ADAC-Umfrage vom 2018 angegeben wurde. 59% der Umfrage-Teilnehmer fürchteten ein Technologieversagen, das zu einem Unfall führen könnte. Die zweitgrößte Sorge war mit 42% die Angst vor Hackern, auf Platz 3 landete mit 35% die Möglichkeit, dass andere Fahrer auf der Straße mit einem autonomen Auto zusammenstoßen. 25 % der Befragten sagten, dass ihnen Autofahren Spaß mache und sie das vermissen würden.

Nachweislich ist bei 90% aller Unfälle im Straßenverkehr menschliches Versagen die Hauptursache, auf die Frage, ob sie glaubten, dass sie bessere Fahrer als autonome Autos seien, bejahten dennoch 67%, der Studienteilnehmer diese Frage. Jedoch gingen 38% davon aus, dass die autonome Technologie sich in den kommenden zehn Jahren soweit verbessern würde, dass sie den Menschen übertrifft. 13 % glaubten, dass autonome Autos schon jetzt bessere Fahrer sind als Menschen. In Japan haben die Menschen offenbar noch etwas mehr Vertrauen in die neue Technologie als im weltweiten Durchschnitt. Dort sehen 62 % im Menschen als den besseren Fahrer, wobei 45% glauben, dass sich das in den kommenden zehn Jahren ändern werde und die autonome Technologie besser sein werde.

© ANSYS

Oberklasseautos vertrauenswürdiger

Aufgrund dieser Ergebnisse schreiben die Forscher in der Studie, dass die Hersteller in der Pflicht seien nachzuweisen, dass die Ängste der Menschen vor autonomen Fahrzeugen unbegründet seien und, dass hier die Simulation eine wichtige Rolle spiele. Übrigens glaubten 24% der Befragten, dass die Hersteller von Luxus- und Oberklasseautos wie Mercedes, Audi, BMW und Porsche die sichersten und zuverlässigsten autonomen Autos liefern würden. 20% glaubten, dass Technologieunternehmen, z.B. Tesla, Google, Uber oder Dyson, eines Tages autonome Autos anbieten würden.

Und wie würden sich die Menschen in ihren autonomen Autos die Zeit vertreiben, wenn sie nur noch Passagiere sind? 32% der Befragten gaben an, dass sie am ehesten ein Buch lesen würden, 30% würden sich Filme ansehen oder Musik hören, 19% würden arbeiten oder Emails schreiben, 15% essen oder trinken.

Autonome Autos waren bei der Umfrage mit 37% die zweitbeliebteste Möglichkeit autonomer Fortbewegung. Platz 1 belegten autonome Züge mit 51%, 9% setzten auf autonome Flugzeuge, nur 3% auf autonome Boote.

Teil zwei der Studie über autonomes Fliegen folgt am 11. Oktober 2019.