©Apicbeam

Vorbei die Zeiten von langweiligen Frontal-Displays – jetzt wird im Kreis gesessen. Denn das Münchener Start-up Apicbeam, eine Ausgründung der TUM, entwickelte eine Displaytechnologie, mit deren Hilfe gemeinsame Ideen im Mittelpunkt schweben. Somit erhält jeder Rezipient die gleiche Perspektive. Einfach genial. Wir sprachen mit dem CEO und Mitgründer von Apicbeam, Christoph Knappe. Er gewährte uns einen Blick hinter die Kulissen. Mit diesem Background freuen wir uns schon auf die spannende Zukunft des jungen Unternehmens aus München.

Christoph Knappe, CEO & Co-Founder Apicbeam ©Apicbeam

Kannst du unseren Lesern bitte kurz erzählen, wie ihr auf die Idee zu der Entwicklung kamt und was die Besonderheit von Apicbeam ist?

Nur kurz zur Klarstellung: Ich bin nicht der Erfinder der Apicbeam Technologie. Vielmehr war es unser Mitgründer Sascha Grusche, der auf die faszinierende Idee von Apicbeam gekommen ist. Er hat ursprünglich an einem bildbasierten Unterrichtskonzept gearbeitet, das Schülern den Zusammenhang zwischen Farben und Wellenlängen erläutern kann. Dabei hat er es geschafft, zweidimensionale Bilder und Videos auf einer quasi eindimensionalen Spaghetti zu verschlüsseln und anschließend im Raum schweben zu lassen. Das Interessante dabei ist, dass die Bilder sich allen Betrachtern gleichzeitig wie von Geisterhand zuwenden. Wenn man das zum ersten Mal gemeinsam erlebt, ist das ein sehr faszinierendes und verbindendes Erlebnis.

Für welche Anwendungsfelder sind eure freischwebenden Hologrammbilder interessant?

Momentan berechnen und simulieren wir, wo die heutigen Grenzen der Technologie liegen. Daraus können wir dann abschätzen, wie groß schwebende Bilder mit unserem patentierten Verfahren dargestellt werden können.

Grundsätzlich sind für neuartige Displaytechnologien wie Apicbeam viele Anwendungsbereiche denkbar. Neben den Bereichen Automotive und Entertainment kommen die meisten Anfragen momentan von Premiummarken und Werbeagenturen, die ihre Produkte und Kunden durch eine neue, aufmerksamkeitsgenerierende Art und Weise in Szene setzen möchten. Sozusagen das schwebende Marketing der Zukunft.

Unsere große Vision ist es allerdings, Menschen wieder an einen runden Tisch zu bringen und dabei faszinierende, verbindende digitale Erlebnisse zu schaffen. Die Technologie von Apicbeam hat das Potenzial solche Erlebnisse auf sehr einfache und günstige Art zu ermöglichen.

So ein Produkt ist sicher technisch sehr aufwändig zu entwickeln – gab es einen Moment, an dem ihr fast aufgegeben hättet?

Man könnte meiner Meinung nach immer Gründe finden, um aufzugeben. Das ist auch ein einfacher Weg. Bei einem Start-up gibt es immer vermeintliche Unsicherheiten, aber mit diesen kann man lernen umzugehen.

So viel mir bekannt ist, hat man allerdings auch nur ein Leben auf diesem wunderschönen Planeten, den wir zu Hause nennen. Dementsprechend sollte man seine Lebenszeit wertschätzen und das Beste daraus machen. Was das für die Einzelne oder den Einzelnen bedeutet, kann ich nicht sagen. Für mich persönlich heißt es, meine Lebenszeit nicht 40 Stunden in einem großen Finanzinstitut abzusitzen, nur weil es gutes Geld bringt. Das würde langfristig einfach nicht zu meiner Abenteuerlust und meinen Werten passen.

Wir bei Apicbeam haben ein großartiges Team, mit der TU München und unseren Partnern eine super Zusammenarbeit. Und es macht uns einfach Spaß, gemeinsam was Neuartiges zu erschaffen. Die Welt weiterzudenken, mitzugestalten. Uns ist sehr bewusst, dass jedes Abenteuer auch negative Seiten hat und es irgendwann ein Ende geben wird. Wann das Abenteuer Apicbeam, aus welchen Gründen auch immer, zu Ende sein wird, kann niemand sagen. Auch aufgeben kann da ein wichtiger Schritt sein, wenn es nicht anders geht. Das Einzige was ich sehr sicher sagen kann ist, dass es danach neue Abenteuer geben wird.

An welcher Idee arbeitet ihr gerade und auf welche Displaytechnologie bzw. Entwicklung aus eurem Hause dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Momentan arbeiten wir mit einem Kunden an einem Projekt für die Nürnberger Spielwarenmesse 2020. Mehr kann ich allerdings an dieser Stelle dazu nicht sagen. Es bleibt spannend.

Gründung und Privatleben – wie bekommst du beides in einem guten Verhältnis unter einen Hut?

Bei der ganzen Thematik gibt es sicherlich viele unterschiedliche Ansätze. Ganz persönlich finde ich es sehr wichtig auf seinen Körper und seinen Geist zu hören. Oftmals vergessen wir, dass wir eine innere Stimme haben, die uns sagt, wenn was aus der Bahn läuft. In dem großen Monopolyspiel da draußen haben wir schon früh gelernt, höher, schneller, besser zu sein. Bei mir konkret gab es da einen Punkt, an dem ich in meinem alten Job in der Automobilindustrieindustrie überzogen habe. Ich habe nicht mehr schlafen können, konnte mich immer weniger konzentrieren und schlussendlich hatte ich keinen eigenen Antrieb mehr. Ich habe es einfach nicht geblickt. Vierzig Stunden in einem gutbezahlten „Gefängnis“ mit einschränkenden bürokratischen Prozessen passten einfach nicht zu mir und meinem damaligen Lebensabschnitt. Mein ökonomischer Verstand und ein vermeintliches Sicherheitsversprechen waren es, die mich in diese Situation gebracht haben. Nach ein paar Gesprächen mit Freunden, meiner Familie und einem einmaligen Besuch bei den Profis Rechts der Isar, war eines klar: Ein Gefängnisausbruch muss her.

Gerade im Hinblick auf eine mögliche Familienplanung kann es gut sein, dass ich eines Tages wieder ein stärkeres Sicherheitsbedürfnis suche. Aber momentan überwiegt die Lust nach Abwechslung und Abenteuer.

Wenn du auf deine Erfahrung als Gründer zurückblickst: Welche Tipps hast du zum Abschluss für andere Start-ups parat?

Ausprobieren, hinfallen, aufstehen und weiterprobieren – dann lernt fast jeder das Fahrradfahren. Aja, und: Handy aus und ab in die Berge zum Wandern…

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Über den Autor

Author profile picture Almut Otto ist Autorin und bringt über 30 Jahre Know-how in der Kommunikations-Branche mit. Sie lernte das Journalisten-Handwerk von der Pike auf bei einer Tageszeitung und in einem Special Interest Magazin. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften in München war sie lange Zeit als internationaler PR Manager in der Textil-, Schuh-, Outdoor- und auch IT-Industrie tätig. Seit einigen Jahren konzentriert sie sich wieder mehr auf ihre journalistische Herkunft. Als passionierte Outdoor- und Wassersportlerin ‒ zu ihren Hobbys zählen Windsurfen, Kitesurfen, SUP-Boarden, Segeln und Snowboarden ‒, interessiert sie sich vor allem für die Reinhaltung der Ozeane und die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft. Zudem ist sie stets fasziniert von neuesten Entwicklungen aus den Hard- und Software-Laboren dieser Welt.