CO2 sparen – aber wie? Zum Beispiel durch intelligente Planung in der Logistik. Derzeit haben die LKWs auf deutschen Straßen nur eine Auslastung von zwei Dritteln ihrer Kapazität. Wenn diese allein 10 % höher wäre, könnten wir sage und schreibe etwa 4,1 Megatonnen CO2 einsparen. Das entspricht dem CO2-Ausstoß einer kompletten Großstadt wie Frankfurt. Und nicht nur das: Wir hätten weniger Staus auf den Autobahnen und letztendlich könnte der Versand auch für alle kostengünstiger werden. Doch derzeit wird das deutsche, etwa 370 Milliarden große Frachtvolumen noch persönlich von Disponenten auf die ca. 6,5 Millionen LKW die zur Verfügung stehen verteilt. Grund genug für das Hamburger Start-up Carrypicker eine künstliche Intelligenz zu entwickeln, die schnell und zuverlässig diese Aufgabe übernimmt. Doch bevor es soweit war, ließ das junge Unternehmen an die 300 Millionen europäische Frachtdaten auswerten, die als Basis für ihren Algorithmus dienen. Heute berechnet die KI von Carrypicker innerhalb von Sekunden aus 50 unterschiedlichen Faktoren Millionen von Variationen für Transportaufträge und schließlich auch die beste Tour. Wir sprachen mit Andreas Karanas, Gründer und Geschäftsführer von Carrypicker, über seine Idee von der Logistik der Zukunft.

@carrypicker
Andreas Karanas, Founder & CEO Carrypicker @Carrypicker

Was steckt hinter der Gründung von Carrypicker?

Carrypicker löst ein Kernproblem der Logistik! Denn was viele nicht wissen ist, dass die LKW, die auf deutschen Straßen unterwegs sind, im Schnitt nur zu 70 Prozent beladen sind. Das heißt: Rein rechnerisch fährt fast jeder dritte LKW leer. Diese ungeheure Verschwendung von Ladekapazitäten entsteht durch die Komplexität, die Waren so zu verteilen, dass die LKW maximal ausgelastet sind. Eine Unmenge an Faktoren sind zu berücksichtigen, z.B.: Wohin soll die Ware transportiert werden? Bis wann muss die Ware abgeliefert werden? Kann sie mit anderen Waren auf einem LKW kombiniert werden? Und so weiter… Der Mensch kann derartig viele Parameter nur schwer überblicken. Selbst die besten Disponenten der besten Speditionen können am Tag nicht mehr als zehn LKW-Transporte sinnvoll planen. Daher hat Carrypicker eine künstliche Intelligenz entwickelt, die alle Szenarien in Sekundenbruchteilen durchspielt und immer die optimale Tour für jeden LKW berechnet.

Und wie funktioniert Euer Angebot?

Unsere Kunden können mit Carrypicker ihre Ware versenden – und zwar immer zu einem fairen, tagesaktuellen Preis, den der Carrypicker-Algorithmus individuell berechnet. Wir sind eine digitale Spedition, das heißt unsere Kunden können online alle Frachtschritte in Echtzeit verfolgen. Und das Beste: Wer mit uns arbeitet, vermeidet automatisch, unnötig Ressourcen zu verschwenden, denn wir entlasten die Umwelt durch unsere effiziente Bündelung von Teilladungen.

@Carrypicker

Gab es eine Hürde, bei der Du fast aufgegeben hättest?

Die größte Herausforderung ist, die immer noch sehr analog ausgerichtete Logistikbranche von einem digitalen Geschäftsmodell zu überzeugen. Carrypicker ist nicht mein erstes Start-up in diesem Umfeld und ich bin entsprechend vorbereitet. Alle Zeichen stehen auf Wachstum.

Und was macht dich in Bezug auf die Gründung besonders stolz?

Besonders glücklich bin ich über die Förderung des Bundesverkehrsministeriums, das uns im Rahmen der Forschungsinitiative mFUND mit 2,4 Millionen Euro unterstützt. Das zeigt, dass wir durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung der Logistik leisten. Auch das äußerst positive Feedback unserer Kunden – und die Tatsache, dass bereits kurz nach dem Start von Carrypicker viele große Unternehmen ein starkes Interesse haben, mit uns zusammen zu arbeiten – erfüllt mich und mein Team mit Stolz.

Was dürfen wir zukünftig von Carrypicker erwarten?

Carrypicker hat sich zum Ziel gesetzt, die Auslastung von LKW von aktuell 70 Prozent auf mindestens 80 Prozent zu erhöhen. Davon profitieren alle: Die Verbraucher von weniger Verkehrsaufkommen und Staus, die Unternehmen von profitablerem und gleichzeitig nachhaltigem Versand ihrer Waren und die Umwelt von einem geringeren CO2-Ausstoß.

Welche Tipps hast Du zum Abschluss für andere Gründer?

Mut, Lernbereitschaft und Beharrlichkeit!

Sie interessieren sich für Start-ups? – Dann finden Sie hier weitere Infos.

 

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Über den Autor

Author profile picture Almut Otto ist Autorin und bringt über 30 Jahre Know-how in der Kommunikations-Branche mit. Sie lernte das Journalisten-Handwerk von der Pike auf bei einer Tageszeitung und in einem Special Interest Magazin. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften in München war sie lange Zeit als internationaler PR Manager in der Textil-, Schuh-, Outdoor- und auch IT-Industrie tätig. Seit einigen Jahren konzentriert sie sich wieder mehr auf ihre journalistische Herkunft. Als passionierte Outdoor- und Wassersportlerin ‒ zu ihren Hobbys zählen Windsurfen, Kitesurfen, SUP-Boarden, Segeln und Snowboarden ‒, interessiert sie sich vor allem für die Reinhaltung der Ozeane und die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft. Zudem ist sie stets fasziniert von neuesten Entwicklungen aus den Hard- und Software-Laboren dieser Welt.