Was tun mit nicht benötigtem Strom aus der eigenen Anlage? Ganz einfach: Dem Nachbarn verkaufen. Und wer selbst weder Raum noch Geld für den Bau einer individuellen Ökostrom-Anlage hat, der schließt sich kurzerhand mit Mitstreitern aus der Region zusammen. Gemeinsam wird dann eine regionale Nahversorgung aus regenerativer Energie gebaut. Wie zum Beispiel die Freiflächen-Solaranlage in Sachsen-Anhalt. Was bisher als nicht machbar abgestempelt wurde, hat das Hamburger Start-up Enyway allen Unkenrufen zum Trotz dennoch aus Überzeugung in die Wege geleitet: Eine demokratisierte Stromversorgung – unabhängig von großen Konzernen. Und zwar mit dem Focus, auch auf individuellen Wegen einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele und Einhalten der 2-Grad-Grenze zu leisten. Wir sprachen mit Varena Junge, die gemeinsam mit Heiko von Tschischwitz und Andreas Rieckhoff, den demokratisierten Stromversorger Enyway gründete.

Co-Founder Enyway: Varena Junge @Enyway

Was genau steckt hinter Enyway?

Man kennt uns als innovative Plattform für grüne Energie. Als solche haben wir im sehr trägen deutschen Energiemarkt schon einiges in Bewegung gesetzt. Sei es mit unserer Vermittlungsplattform für privat erzeugten Ökostrom oder mit dem Bau der ersten subventionsfreien und Community-finanzierten Solaranlage Deutschlands.

Wer ist Kunde und wer Anbieter – und wie kann man sich bei euch dafür bewerben?

Kunde kann natürlich jeder sein, der in Deutschland Strom bezieht. Diese können sich dann auf unserem Marktplatz ihren persönlichen Stromverkäufer aussuchen. Die Stromverkäufer sind Privatpersonen, die im Besitz von Anlagen sind, die erneuerbare Energien produzieren wie bspw. Energie aus Wind, Sonne oder Wasser. Auf unserem Marktplatz bekommen sie erstmalig die Möglichkeit an Endkunden direkt zu verkaufen.

@enyway

Ihr seid vor knapp einem Jahr mit einer großen PR-Kampagne gestartet – wie war das Feedback der großen Masse und was steht als nächstes an?

Wir sind damals mit unserem Produkt enyway change gestartet, dessen Ziel es war, möglichst viele Menschen am Bau einer Solaranlage zu beteiligen und aus dieser Anlage ihren Strom zu beziehen. Und das haben wir geschafft ‒ die Anlage steht mittlerweile in Sachsen-Anhalt und speist seit Herbst fleißig Sonnenenergie ins Netz ein.

Neben diesem Projekt haben wir weiterhin viele unkonventionelle Pläne in der Schublade, von denen wir nächstes Jahr den ein oder anderen ausrollen wollen. Alles dreht sich dabei darum, der Klimakrise einfach und effektiv zu begegnen. Es bleibt also spannend.

Inwieweit stehen euch große Stromanbieter im Weg? Oder habt ihr eventuell auch mit ganz anderen Hürden zu kämpfen?

Wir haben mit unserem Marktplatz völlig neue Wege beschritten, von denen die Branche gerne behauptet hat „das geht doch gar nicht“. Dass es aber doch geht, haben wir mit unserem Marktplatz für Strom direkt vom Erzeuger bewiesen. Neue Wege zu beschreiten heißt oft, auch nicht den flachsten und geradesten Weg zu gehen, was nicht immer einfach ist – doch es lohnt sich.

Für uns war es natürlich auch immer eine Herausforderung, Aufmerksamkeit zu schaffen. Unser Marketingbudget ist nur ein Bruchteil von dem eines etablierten Unternehmens. Darum müssen wir viel stärker mit unseren Produkten und kreativer Kommunikation überzeugen.

Welches Ziel habt ihr schon erreicht?

Mit enyway power und change haben wir bewiesen, dass es möglich ist, alte Strukturen von starren Märkten aufzubrechen. Dabei stellen wir immer den Menschen in den Mittelpunkt und befähigen jeden zusammen mit uns große Projekte anzupacken und zu realisieren. Immer frei nach dem Motto: Machen statt reden.

Was plant ihr für die Zukunft von enyway und was ist eure Vision?

Unsere Vision ist der Klimaschutz bzw. das Einhalten der 2-Grad-Grenze. Das muss generationenübergreifend unser wichtigstes Ziel sein. Und wir möchten mit enyway einen entscheidenden Beitrag dazu leisten. Mit smarten Produkten, die möglichst vielen Menschen dabei helfen ihren ökologischen Fußabdruck eigenständig zu verkleinern bzw. zu neutralisieren. Unser Big Picture zeigt eine weltweite Klimaneutralität. Und an dem Bild gibt’s noch viel zu malen. Wir bringen Farbe und Pinsel mit.

Habt Ihr zum Abschluss noch ein paar Tipps für andere Gründer?

Nicht entmutigen lassen, wenn der Weg mal steinig und holprig ist. Nicht den Fokus verlieren, auch wenn man das Gefühl hat, man hat 100 Ideen und lose Fäden. Sich mit einem Team umgeben, auf das man sich verlassen kann und das mit an einem Strang zieht.

 

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