Im kommenden Jahr will das Rotterdamer Unternehmen Energy Floors intelligente Böden für öffentliche Außenbereiche verkaufen, die Daten generieren wie die Anzahl der vorbeifahrenden Autos, Fußgänger und Radfahrer. Diese können z.B. zur Regelung des Verkehrs und der Straßenbeleuchtung eingesetzt werden. Die Smart Energy Floors erzeugen durch die integrierten Solarzellen auch Energie. Derzeit ist die Gemeinde Rotterdam auf der Suche nach einem geeigneten Standort, wo sie dieser Art Energieboden auf einem öffentlichen Platz einsetzen kann, sagt Michel Smit, CEO von Energy Floors. Für 2010 ist ein Versuch in Zusammenarbeit mit dem Energieunternehmen Engie geplant.

Was hat dich motiviert, Energy Floors zu gründen und welches Problem hat das gelöst?

Unsere erste Idee war, eine nachhaltige Tanzfläche zu schaffen, auf der Menschen tanzen können, um Energie zu erzeugen, etwas, das man tatsächlich sehen kann, weil die Fliesen leuchten. (Indem die vertikalen Bewegungen der Tänzer auf dem Boden durch einen Mechanismus unter den flexiblen Bodenfliesen zur Energiegewinnung in Rotation umgewandelt werden, d.Red.) Ursprünglich kam das von zwei Unternehmen: Enviu und Döll. Im Jahr 2017 holten sie mich als Hands-on-Experten aus der Clubszene ins Boot. Ich hatte vier Jahre lang einen großen Nachtclub in Rotterdam betrieben, Off-Corso. Sie wollten Nachhaltigkeit in das Bewusstsein junger Menschen bringen und dachten, dass der Sustainable Dance Floor dabei helfen könnte. Im Gegensatz zu heute war es damals schwierig, junge Menschen für nachhaltige Energie zu begeistern. Sie hatte ein spießiges Image. Als wir die erste Version dieser Tanzfläche hatten, haben wir sie auf der Rotterdamer Popbühne Watt (die 2010 in Konkurs ging, d.Red.) ausprobiert, was sie zum ersten nachhaltigen Club der Welt machte. Um diesen ersten Sustainable Dance Floor herum begannen wir dann, unser Geschäft aufzubauen.

Was war das größte Hindernis, das du überwinden musstest?

Dass wir Kunden für den Sustainable Dance Floor hatten, bevor wir das eigentliche Produkt hatten. Wir hatten nur eine Zeichnung des Bodens, eine Ideenskizze. Wir haben das Konzept und die Technologie mit der TU Delft und der TU/e in Eindhoven erarbeitet. Gemeinsam mit Daan Roosegaarde konnten wir den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Technologie weiterentwickeln. Insofern ist unser Sustainable Dance Floor einzigartig: die Interaktion zwischen Menschen und nachhaltig erzeugter Energie. Wenn sie stärker tanzen, erzeugen sie mehr Energie.

In allen unseren Angeboten wollen wir den Menschen folgendes geben: dass sie selbst einen Einfluss darauf haben, die Nachhaltigkeit der Energie zu verbessern. Wir wollen Engagement. Darauf konzentrieren wir uns besonders. Das zweite Hindernis war, wie wir den Umfang, in dem dieses Produkt angewendet werden kann, erweitern können. Damit es eine echte Wirkung hat. Deshalb wollten wir einen Boden, der für große Festinstallationen im Außenbereich geeignet ist. Wir mussten unser erstes Alleinstellungsmerkmal „menschliche Energie“ für diese Art von Bodenbelag aufgeben. Stattdessen haben wir uns unseren Smart Energy Floor ausgedacht. Wir nutzen Sonnenenergie anstelle von kinetischer Energie. Andernfalls wäre das Projekt nicht realisierbar. Das System muss kostengünstig, robust und verschleißfest sein.

Was war der bisher größte Durchbruch?

Dass wir im vergangenen Jahr 25 dieser Smart Energy Floors an Schulen verkauft haben, drei davon in Deutschland, die restlichen in den Niederlanden. Als Unternehmen haben wir drei Business Pläne: zum Beispiel den Dancer für Vereine und Diskotheken, den Gamer für Schulhöfe und den Walker für große Außenanlagen. Der erste Walker in den Niederlanden befindet sich in Utrecht, nahe Croeselaan, an einer Kreuzung gegenüber dem Hauptsitz der Rabobank. Sie hat diese Boden zum Teil mitfinanziert. Es gibt auch einen im Palastgarten des Präsidenten von Malta. Er hatte uns über Google gefunden. Es ist ein öffentlicher Garten mit einem Gamer und einem Walker. Ein Gamer kostet inklusive der Installation 13.000 Euro. Ein Walker ist ab 25.000 Euro erhältlich.

Wir sind nicht überrascht, dass wir Menschen auf der ganzen Welt ansprechen. Unser erster unterschriebener Vertrag war mit dem Produzenten von Absolute Vodka. Er wollte 2009 eine Roadshow mit unserer Tanzfläche durch New York machen. Und das haben wir getan. Wir bekommen pro Tag zwei bis drei Anfragen. Unsere Herausforderung besteht darin, damit richtig umzugehen. Weil wir auch innovativ sein wollen. Als Beispiel könnte man den Smart Energy Floor auch auf Autobahnen verwenden, wenn man die Software entwickelt hat.

Was können wir im kommenden Jahr von Energy Floors erwarten?

Wir wollen anfangen, mehr Walker zu verkaufen. Dies ist ein neuer Markt für uns, der Potenzial hat. Die Smart City-Projekte, für die man sie nutzen kann, sind umfangreicher als das, was wir bisher gemacht haben. Man könnte Fahrradwege mit der Technologie ausstatten, damit man sie in Laufstege verwandeln kann. Nächstes Jahr werden wir zusammen mit Engie und der Gemeinde Rotterdam einen Smart Parking-Test durchführen. Zu diesem Zweck werden wir einen Walker einrichten. Die von den Solarzellen im Boden erzeugte Energie geht in das Stromnetz und kann anschließend zum Laden von Autos genutzt werden. Jetzt sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Standort.

Wir werden auch in den deutschen Markt einsteigen. Das passt gut zu unserem Produkt und unserem Unternehmen. Es gibt genügend Kapital und den Fokus auf Nachhaltigkeit. Und die deutsche Art, Geschäfte zu machen, unterscheidet sich nicht so sehr von der niederländischen Art, Geschäfte zu machen.

Was ist dein ultimatives Ziel?

Letztendlich wollen wir, dass unsere Smart Energy Floors in allen Großstädten der Welt eingesetzt und die Daten miteinander verbunden werden. Man kann gegenseitig viel aus den Erfahrungen lernen. Man könnte das Verhalten der Nutzer unserer Oberflächen auf öffentlichen Straßen überwachen und beeinflussen. Zum Beispiel, um verkehrsreiche Situationen an bestimmten Orten zu regeln. Man könnte die Technologie auf intelligente Weise anwenden. Wenn nur sehr wenige Menschen auf der Straße fahren oder gehen, könnte man abends die Laternen ausschalten.

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