Ein Konsortium von KMUs aus der niederländischen Provinz Limburg und Unternehmen des Brightlands Chemelot Campus entwickeln ein unzerbrechliches, leichtes Rennrad, das ganz nach den Wünschen des einzelnen Nutzers hergestellt wird. Der erste Prototyp soll in etwa einem halben Jahr fertig sein. Aber wie viel ein Radfahrer für dieses innovative Limburger Produkt bezahlen muss, ist noch unklar: Das wird erst nach dem Bau des Prototyps festgelegt.

Obwohl das Fahrrad die gleichen Charakteristika hat wie viele hundert Variationen auf der ganzen Welt, nennen die Erfinder des 100% Limburg Bike ihr Produkt immer gerne „typisch Limburg”. Sie sagen nämlich, dass es aus einem Bedarf des lokalen Markts heraus entwickelt wurde, aber vor allem das innovative Wissen und die Fähigkeiten der Limburger nutzt. Das Konsortium (bestehend aus CeraCarbon, Mullens Sports & Health Innovations, Belgian Cycling Factory, Eurocarbon, Kembit, Brightlands Materials Center und Chemelot Innovation and Learning Labs) ist zwar noch kein offizielles ein Start-up, könnte es aber durchaus sein. Wir sprachen mit dem Mann, der sich vorerst lieber als Projektleiter denn als CEO bezeichnet, Menno Smeelen. „Dias wird bald ein ganz besonderes Fahrrad sein, das die Anforderungen der UCI und aller ISO-Normen erfüllt. Und wir bringen es aus Limburg auf den Markt.”

Wie bist du auf die Idee für das Limburger Fahrrad gekommen?

Wir suchten auf dem Brightlands Chemelot Campus nach einer Möglichkeit, Wissensinstitute in die Lage zu versetzen, mit produzierenden Unternehmen auf dem Gebiet der Innovation zusammenzuarbeiten und so die regionale Wirtschaft zu stärken. Darüber hinaus haben wir einen gewissen Bedarf auf dem Markt festgestellt, wenn es um spezielle Rennräder geht. Die Zahlen zeigen einen Anstieg der Anzahl der Radsportler. Sport ist ein wichtiges Mittel, um an der Gesundheit zu arbeiten. Darüber hinaus hat Limburg ein großes Herz für den Radsport, was natürlich ein Bonus ist. Aus dieser Perspektive haben wir über ein innovatives Rennrad als Produkt und als Vorzeigeprojekt nachgedacht.

100% Limburg Bike

Was ist so innovativ an diesem Fahrrad?

Das hat u.a. mit den Materialien und speziellen 3D-Drucktechnologien zu tun. CeraCarbon, eines unserer Brightlands-Start-ups, wird bald eine zentrale Rolle in der Produktion spielen. Diese ist auf die exakten Maße des Radfahrers auf jedem Rennrad abgestimmt. Präzisionsarbeit, denn das bestimmt die Abmessungen des Rahmens. Die verwendeten Materialien sind Titan, versiegeltes Magnesium und Karbonfaser. Eine Kombination aus Karbon- und Dyneema-Fasern sorgt für optimale Festigkeit und Steifigkeit und macht die Vorderradgabel absolut unzerbrechlich. Eine weitere Besonderheit ist, dass Rahmen und Gelenke miteinander verklebt sind. Dazu wird noch ein nachhaltiger biobasierter Klebstoff entwickelt. Die Entwicklung von thermoplastischem Harz wird dafür sorgen, dass das Karbon recycelbar wird. Das sind Techniken, die auch in der Flugzeug- und Automobilindustrie relevant sind, so dass unsere Innovationen möglicherweise schon bald den Weg in diese Bereiche finden werden. Eine spezielle Flechttechnik sorgt für die richtige Dichte und Richtung der Fasern. All das macht das Rennrad sicher. Darauf sind wir sehr stolz. Und es gibt noch etwas Besonderes an diesem Rennrad, das die Sicherheit erhöht: die Sensorik.

Sensorik?

Unser Sensorsystem überprüft die Kräfte, denen das Fahrrad ausgesetzt ist. Wenn man bei einem so leichten Fahrrad gegen etwas stößt, kann man von außen nicht immer erkennen, ob etwas beschädigt wurde. Die Sensorik erkennt auch unsichtbare Schäden. Das kann viel Kummer verhindern. Das Fiber Sensing ist eigentlich eine Entwicklung, bei der die Karbonfasern selbst eine Sensorfunktion erhalten. Man kann dann sozusagen den Widerstand messen und damit auch, ob es Schäden an Harz- oder Kohlefasern gibt. Diese Sensorfunktionalität wird vom Brightlands Materials Center entwickelt, die Umsetzung der Daten in eine funktionierende Anwendung geschieht durch Kembit.

Aber wegen der verwendeten Materialien sagst du, dass das Fahrrad ohnehin unzerbrechlich ist. Wie nützlich ist es also, einen zusätzlichen Sensor einzubauen, um das zu beweisen?

Die Dyneema-Fasern verhindern in der Tat, dass der Rahmens oder die Gabel bricht, was die Sicherheit deutlich erhöht. Wenn man sich zum Beispiel an den Sturz von Dylan Groenewegen im letzten Jahr bei der Tour de France erinnert, wäre das mit unserem Material nicht passiert. Dennoch können Karbon und Harz ohne sichtbare Anzeichen beschädigt werden, was die Leistung des Materials reduziert und einen Radwechsel oder eine Reparatur erfordert, auch wenn man die Fahrt sicher beenden kann. Diese Sensorfunktion kann einem das mitteilen. Das Rad ist auch ein Vorzeigeobjekt für Innovationen, und man kann die Sensorfunktion auch separat nutzen, so dass sie in Kombination mit Karbon in einem breiteren Spektrum eingesetzt werden kann. Bei unsichtbaren Schäden, die zu einem Bruch führen können, kann der Benutzer gewarnt werden, ob die Weiterfahrt sicher ist oder nicht. Aber ich sehe vor allem den Spin-off zur Automobil- und Luftfahrt, das ist der eigentliche Wachstumsmarkt für diese Anwendung.

Was ist dein Ziel mit dem 100% Limburg Bike?

Wir wollen den Prototypen in sechs Monaten fertig haben. Dann können wir auch mehr über den Preis sagen, den ein Nutzer für das Fahrrad zahlen muss. Letztendlich soll das Fahrrad auch ein Symbol für Limburg als Innovations- und Fahrradregion werden.

Sie interessieren sich für Start-ups? Lesen Sie hier alle Artikel aus unserer Serie.