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In den Labors der Industrie entstehen Ski-Technologien, die Leichtigkeit und Stabilität vereinbaren. Das Ziel? Der Skisport soll noch müheloser werden. Teil 2 unserer Serie über markante technologische Innovationen im Skisport.

Die Ski- und Snowboard-Industrie strebt nach leichten und leistungsfähigen Produkten. Der Skisport soll noch müheloser werden. In avancierten Produktionskonzepten ist dieses Ziel mit Nachhaltigkeit vereinbar. Aber: der intelligente Ski steckt noch in der Pilotphase.

Leichtigkeit und Leistungsfähigkeit sind zwei konträre Konzepte. Diese zu vereinbaren, bedeutet überflüssiges Material zu eliminieren und geeignete Materialien und Konstruktionen einzusetzen. Gutes Material und R&D hat seinen Preis. Das zeigt der Bogner Ski B-Light VT, der im Winter 2017/18 erschien und jetzt in überarbeiteter Version erscheint. Das Modell wiegt weniger als 5 Kilogramm inklusive Bindung und erscheint in einem einzigartigen Design.

Mit der Leichtigkeit und Stabilität von Bambus

Um Leichtigkeit und Stabilität zu vereinbaren, wurde ein Material eingesetzt, das über eben diese Eigenschaften verfügt: Bambus. Diese wurde im sogennanten Kern des Skis mit vertikal verbauten Titanal-Stringern kombiniert. Diese Bauweise lieferte Eigenschaften wie Drehsteifigkeit und optimaler Flex. Um Drehfreudigkeit mit Kantengriff zu kombinieren, wurde die Schaufel mit einem leichten Rocker konzipiert. Durch Phenolwangen, die auch im Rennsport eingesetzt werden, ist der geforderte Kantengriff selbst auf harten und vereisten Pisten gegeben.

“Der intelligente Ski steckt noch in der Pilotphase”

Rocker- vs. Camber-Bauweise

Bogner_Pearl_4
Bogner_Pearl_4

Rocker-Technologie bezeichnet Skier, die eine negative Vorspannung aufweisen. Diese steht im Gegensatz zu Skiern in Camber-Technologie, die eine positive Vorspannung aufweisen. Während Skier in Camber-Bauweise an Schaufel und Skiende auf flachem Untergrund aufliegen, berühren Skier in Rocker-Bauweise den Untergrund in der Skimitte, also unter der Bindung.

In der aktuellen Version erscheint der Ski in edler Jade- und Perloptik. Eine 350 Millionen Jahre alte fossile Oberfläche wurde in die Konstruktion eingebettet. Das Material ist machhaltig, widerstandsfähig und abriebfest.

Bogner_Jade_2
Bogner_Jade_2

Hanf ersetzt nicht erneuerbare Fasern in Skiern

Auch bei der Entwicklung des Freeride-Ski MonViso Hemp Edition aus dem Schweizer Unternehmen Grown Skis galt es zwei Dinge zu vereinbaren: Umweltfreundlichkeit und hochtechnische Bauweise. Zentrales Feature ist die Sandwich-Konstruktion aus einem 100 Prozent Hanffaser-Verbundwerkstoff. Hanf ersetzt herkömmliche nicht erneuerbare Fasern in Skiern. Basierend auf der Lebenszyklus-Analyse reduziert Hanf den ökologischen Fußabdruck um 47%. Grown wurde 2007 als Ökodesign-Labor für Skier gegründet. Mon Viso Hemp wurde in Kooperation mit der ETH Zürich entwickelt.

Das Modell erscheint alternativ in einer leichten Variante. Die Gewichtsreduzierung entsteht durch mehrere Aspekte:
– einem Holzkern aus Balsaholz mit Flachsfaserverstärkung
– einem neuartigen Basaltfaser-Sandwichband und
– leichterem Holz für das Furnier.

Das Gewicht liegt bei einer Länge von 155 cm und ohne Bindung bei 3000 Gramm pro Paar.

Prototyp eines intelligenten Skis

Neben biologischen und mechanischen Technologien experimentiert die Ski-Industrie auch mit elektronischen Technologien. Der intelligente Ski wurde 2017 vom französischen Unternehmen Rossignol präsentiert, befindet sich allerdings noch in der Pilotphase. Der Skispezialist kooperiert schon seit Jahren mit dem französischen Startup Piq, der auf intelligente Wearables für den Sport spezialisiert ist. Der erste Nano Computer, der entstand, war am Skischuh zu befestigen. Bei Integration in den Ski, kann der Fahrer die Informationen auf der LED-Anzeige in Echtzeit ablesen.

Piq nutzt das System GAIA (Group of Artificial Intelligence Applications), das in Kombination mit integrierten Sensoren funktioniert und einer Smartphone-App funktioniert. Gemessen werden Distanz- und Bewegungsdaten wie Geschwindigkeit, Distanz, Schwungkraft, Beschleunigung und Sprunghöhe.

Eigene Board-Geometrie für Frauen

Interessante Innovationen liefert die Industrie insbesondere im Sektor Damenprodukte. Der slowenische Skihersteller Elan kooperiert mit der ehemaligen Profi-Skifahrerin Melania Šober und launchte 2018 mit der Serie Delight den – nach eigenen Angaben – leichtesten Damenski. Das Gewicht beträgt bei einer Länge von 151 cm inklusive Bindung 3890 Gramm.

Burton ANTI-SOCIAL
Burton ANTI-SOCIAL

Der amerikanische Snowboardhersteller Burton entwickelte eine eigene Geometrie, die in Größe, Gewicht und Fahreigenschaften auf den weiblichen Körper abgestimmt sind. Eines dieser Damenboards ist das Anti Social Splitboard. In Camber-Bauweise ermöglicht dieses einen einfachen Aufstieg und ein leichtes Gleiten in weichem Schnee. Das Board ist leicht und schnell und einfach zu trennen bzw. zu schließen. Dank Split Channel-System ist die Bindung schnell und einfach montiert.

Die Snowboardindustrie ist schnell in der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien. Der Holzkern des Burtons Splitboard ist zum Beispiel aus FSC-zertifiziertem Holz und mit Super Sap gefertigt. Es handelt sich um ein biologisch hergestelltes Harz, das die Kohlenstoffbilanz gegenüber herkömmlichen Epoxidharzen auf Erdölbasis um fünfzig Prozent reduziert.

Umweltbewusste Produktionsmethoden

Der ebenfalls US-stämmige Snowboardhersteller Capita hat im Süden Österreichs eine zu hundert Prozent wasserbetriebene Produktion errichtet. Das Wasser des nahegelegenen Flusses liefert sämtliche Energie für Heizung und Kühlung der Anlage sowie der Produktionsprozesse. Das System basiert auf Salmiak und gibt das Wasser frei von Chemikalien und anderen umweltschädlichen Substanzen wieder an die Natur zurück. Die Heizung und Kühlung erfolgt mit einer NH3-Heizpumpe.

Das Startup Phantom Glide entwickelte eine nachhaltige Basisbeschichtung für Ski- und Snowboard-Beläge. Der Wachs-Ersatz basiert auf Polymer-Technologie und enthält keine für die Umwelt oder den Menschen schädlichen Stoffe. Vor allem aber eliminiert die patentierte Technologie die Prozedur des Wachsens ein für alle mal. Einmal auf den Belag aufgebracht, soll die Gleitleistung permanent sein – so der Hersteller. Auch die Abstimmung von Wachs und Schneetemperatur soll nicht länger notwendig sein.

Bogner Jade
Bogner Jade

Der Aufbau des Bogner Jade VT4. Entscheidend ist der Bambuskern, der in einem Titanal-Sandwicht-Komposit konstruiert wurde.

Phantom Glide

Ein Wachsersatz, der permanent ist und bei jeder Schneesituation funktioniert.

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger ist Schriftstellerin. Sie lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie interessiert sich für neue Trends in Design, Technologie und Wirtschaft. Sie ist besonders gespannt auf interdisziplinäre Tendenzen zu entdecken und Grenzen zwischen verschiedenen Disziplinen zu verwischen. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.