Bei einem selbstfahrenden Bus, der im Berliner Stadtteil Tegel seit einem Monat von der U-Bahn zum Tegeler See und zurück fährt, waren bereits 3000 Passagiere an Bord. „Zu wenig.“, reagierten kritische deutsche Twitterer. „Denn wie teuer ist der Test und was kostet eine Fahrt im Durchschnitt pro Person?“

Gut, dass sie nicht wissen, dass ein ähnlicher Bus-Test in Drimmelen, in der niederländischen Provinz Brabant, in den letzten zwei Monaten bisher „nur“ 500 Passagiere aufweisen konnte. Nach Medienberichten hat die Studie 200.000 Euro gekostet. Das sind etwa 400 Euro pro Fahrt.

Touristische Attraktion

Laut dem Sprecher der Gemeinde Drimmelen, Anouk van Bragt, handelte es sich bei den Fahrgästen vor allem um Menschen, die durch die Medien herausfanden, dass ein Bus ohne Fahrer im sommerlich überfüllten Yachthafengebiet fährt. Sie nutzten das Angebot hauptsächlich aus Neugierde oder weil sie selbst im Bereich des selbstfahrenden Verkehrs tätig sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fahrgäste den Bus aus Notwendigkeit nutzten, um die Entfernung von maximal 3 Kilometern zurückzulegen, ist eher gering. Es stellt sich die Frage, ob es die Absicht des Tests war, das herauszufinden.

Forschung durch die RDW

Das selbstfahrende Fahrzeug der Spedition Arriva sollte nachweisen, dass es auf öffentlichen Straßen unfallfrei fahren kann. Durch Sensoren auf dem Dach und an den Seiten musste der Bus andere Objekte auf der Straße rechtzeitig bemerken, um sicher auf der Straße zu fahren. Dies scheint vorerst erfolgreich gewesen zu sein. Der einzige Unfall, der sich ereignete, wurde von einem Parkplatznutzer verursacht. Der Fahrer hatte den Bus nicht gesehen und schoss plötzlich zurück. Infolgedessen musste der Bus für eine Woche stillgelegt werden. Er wurde repariert und die RDW – die niederländische Kraftfahrzeugbehörde – untersuchte, ob der Unfall auch passiert wäre, wenn es sich nicht um ein selbstfahrendes Auto gehandelt hätte. Das erwies sich als irrelevant.

Lücken im öffentlichen Verkehrsnetz

Der Grund für den Versuch, den die Gemeinde Drimmelen unternommen hat, ist, dass ihre Bevölkerung altert und das Gehen für viele schwieriger wird. Gleichzeitig reduzieren die Verkehrsunternehmen die Busverbindungen, indem sie Haltestellen und Buslinien, an denen nur wenige Menschen zusteigen, abschaffen. Ein selbstfahrender Kleinbus könnte z.B. von einer wenig genutzten zu einer verkehrsreichen Haltestelle fahren. Oder er transportiert eine kleine Gruppen von Menschen von einer Haltestelle zum Eingang eines Krankenhauses. So könnten günstig kleine Lücken im öffentlichen Nahverkehr geschlossen werden. Am 29. September fährt der selbstfahrende Kleinbus in Drimmelen zum letzten Mal. Anschließend werden alle Erfahrungen ausgewertet. Dann wird sich zeigen, ob die Studie fortgesetzt wird oder nicht.

Ein Auto, das plötzlich von einem Parkplatz zurückschoss, rammte in diesem Sommer den selbstfahrenden Kleinbus. Foto: Lucette Mascini