©Mobiele Stroom BV

Es gibt Zeiten, da steigt der Energiebedarf stark an. Etwa auf einem Schiff oder auf einer Baustelle. Jedoch ist das Stromnetz fern. Das ist genau der richtige Moment für die saubere Energie von Mobiele Stroom BV. Die Gründer des Start-ups können mit ihren Anlagen nachhaltigen Strom liefern. Je nach Bedarf kann der Kunde selbst einen bestimmten Brennstoff wählen. Leen Schipper, der Gründer dieses Familienunternehmens aus Maarssen in den Niederlanden, erklärt Innovation Origins, warum das Poly-Energiesystem von Mobiele Stroom so praktisch ist.

Wie entstand die Idee für Mobiele Stroom?

Die Idee kommt eigentlich aus der Schifffahrtsindustrie. Binnenschiffe sollen dort mit Energie versorgt werden können, wo es keine fest Stromversorgung gibt. Die Geräte, mit denen wir arbeiten, sind jedoch auch für andere Anwendungen geeignet. Wir liefern sowohl Kälte als auch Wärme. So sorgen wir dafür, dass das Bier die richtige Temperatur behält, aber wir können auch Festzelte beheizen. Oder nehmen Sie eine Eisbahn. Auch dort brauchen wir Strom, um das Eis zu kühlen und die Räume zu heizen. Die Corona-Krise hat diese Aufträge zwar zum Stillstand gebracht. Aber auch das wird vorbeigehen.

Wie sehen Ihre Aktivitäten genau aus?

Wie bereits erwähnt, liefern unsere Anlagen überall dort Energie, wo vorübergehend eine Nachfrage nach grünem Strom besteht. Unsere Anlagen werden im Prinzip mit sauberem Flüssigerdgas (LNG – Liquefied Natural Gas) betrieben. Dieser Biokraftstoff ist sauberer als gewöhnlicher Diesel. Trotzdem ist er nicht teurer. Wir können eine Vielzahl verschiedener Kraftstoffe in den Anlagen verwenden, ohne den Motor modifizieren zu müssen. Am besten ist es natürlich, den saubersten Brennstoff zu verwenden. Was man nicht hineinsteckt, kommt nicht heraus.

LNG zum Beispiel enthält nur wenige Rückstände, wie etwa Stickstoff. Die Verwendung von Bio-LNG (verflüssigtes Erdgas aus Abfällen und anderen Recyclingquellen) oder Bio-CNG (komprimiertes Erdgas aus denselben Quellen) ist emissionsarm. Der Ausstoß von Nitrogenoixde ist minimal und es entsteht kein CO2. Die Anlagen werden ganz spezifisch für die Kunden hergestellt.

Unsere Anlagen sind nicht nur nachhaltig, sondern auch leise, sicher und haben einen Wirkungsgrad von bis zu 65 Prozent. Die Energie wird durch eine Turbine erzeugt. Der Vorteil dieser Technik besteht darin, dass man sich nicht mit dem Dampf eines Verbrennungsmotors herumschlagen muss. Es gibt auch keinen Methanschlamm, ein Restprodukt der Erdgasverbrennung.

Was unterscheidet Mobiele Stroom von der Konkurrenz?

Da uns verschiedene Biokraftstoffe zur Verfügung stehen, können wir je nach Kundenwunsch einen geeigneten Kraftstoff verwenden. Jeder Typ hat seine Vor- und Nachteile. Bio-LNG hat den Vorteil, dass sowohl Kälte als auch Wärme zurückgewonnen werden kann. Das führt zu einem hohen Maß an Effizienz. Der Nachteil ist, dass sich die Flüssigkeit erwärmt und daher nicht über einen längeren Zeitraum gelagert werden kann. Der Vorteil von Bio-CNG ist, dass es sich um ein Produkt handelt, das unter Druck steht und daher lange gelagert werden kann. Bei Hochdruckkraftstoffen müssen Sie allerdings mit schweren Lagertanks umgehen. Das wiederum bedeutet ein hohes Gewicht für wenig Treibstoff.

Gründer Leon Schipper von Mobile Stroom
Leen Schipper ©Mobiele Stroom BV

Wir können auch Biomethanol verwenden. Dieser Treibstoff steht nicht unter Druck. Deswegen spielt die Art des Tanks keine große Rolle. Der Nachteil ist, dass er wenig Energie pro verbrauchtem Liter produziert. Sie müssen also viel von diesem Produkt haben. Es gibt auch Bio-Ethanol. Auch dieser Treibstoff steht nicht unter Druck und hat einen Energiegehalt, der dem von LNG entspricht. Leider entstehen bei der Verbrennung jedoch Aldehyde wie Formaldehyd (krebserregend, Anm. d. Red.). Dies gilt auch für Methanol. Oder nehmen Sie Wasserstoff. Das ist sauber. Aber es wird unter einem noch höheren Druck als CNG gespeichert, so dass man noch schwerere Tanks benötigt.

Dies sind einige der Brennstoffe, die wir anbieten. Welcher Brennstoff am besten geeignet ist, ergibt sich aus der Situation des Kunden. Die Konkurrenz stützt sich viel mehr auf einen einzigen Energieträger, wie etwa die Solarenergie. Die Kundennachfrage passt sich dem mehr oder weniger an. Bei einem Musikfestival können Sie Solarenergie nur dann nutzen, wenn für den Abend Batterien zur zur Verfügung stehen, die die Energie während des Tages speichern. Ich glaube aber, dass man ein solches System in Situationen, in denen der Energieträger optimal funktioniert, direkt einsetzen sollte.

Welche Reaktionen haben Sie bisher erhalten?

Im Allgemeinen sehr positiv. Die Menschen verstehen die Vorteile gut. Bauunternehmen sehen eine Chance, auf diese Weise umweltfreundlich zu sein. Neulich sprachen wir beispielsweise mit einer Delegation aus Amsterdam, die seufzte: “Wenn wir das gewusst hätten…”

Was war die größte Herausforderung seit Existenz des Unternehmens?

Das wird der nächste Schritt sein. Aus den positiven Reaktionen der Interessenten echte Kunden zu machen. Wir arbeiten nun schon seit einigen Jahren daran, aber es erweist sich als schwierig, potenzielle Kunden tatsächlich für unser Produkt zu gewinnen. Sie wollen kein Risiko eingehen. Als Unternehmen muss man technisch und organisatorisch sehr gut aufgestellt. Man muss sein Marketing am Laufen halten und ‘tiefe Taschen’ haben, um durchhalten zu können, bis sich der Erfolg einstellt. Wir sind zum Beispiel im Marketing noch nicht erfolgreich. Als Start-up fehlt uns da die Schlagkraft.

Welche Erfolge wurden schon erzielt?

Wir haben jetzt zwei Anlagen, 30 kW und 65 kW, mit denen bereits an verschiedenen Standorten Energie geliefert wurde. Darüber hinaus haben wir im Rahmen eines Pilotprojekts in Rotterdam den ganzen Februar über Strom geliefert. Wir waren eines der fünf Unternehmen, die darum gebeten wurden. Wir, unter allen großen Konkurrenten.

Was ist in der nächsten Zeit in der Pipeline?

Jetzt, während der Corona-Krise, stellen wir auf einer Baustelle sechs Ladestationen für Elektroautos zur Verfügung. Und auch Container mit mobilem Strom für Energie an Bord eines Schiffes.

Wo wird Mobiele Stroom in fünf Jahren stehen?

Die Chancen stehen gut, dass wir für ein großes Unternehmend so interessant geworden sind, dass wir übernommen werden. Oder wir könnten ein relevantes Unternehmen auf dem Markt für Stromerzeuger sein und etwa zehn Prozent des Bedarfs liefern.

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Über den Autor

Author profile picture Paul Smits ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Journalist. Die meiste Zeit arbeitete Paul als Reporter für eine Zeitung (Rotterdams Dagblad, AD). Heute arbeitet er als Freiberufler aus Südamerika (Ecuador).