Mit Hilfe des amerikanischen Videostreaming-Dienstes Netflix ist es dem Spanier Sergio Pablos gelungen, den handgezeichneten Animationsfilm mit einer innovativen Technik wieder zum Erfolg zu führen. Sein Weihnachtsfilm Klaus wurde nach Netflix-Angaben innerhalb weniger Wochen von mehr als dreißig Millionen Menschen gesehen und am 2. Februar für den British Academy Film Award für den besten Animationsfilm nominiert. Für Pablos geht ein Traum in Erfüllung.

Was ist also das Besondere an diesem neuen Zeichentrickfilm? In Klaus verwandelt der Trickfilmzeichner Pablos nicht nur eine abgelegene Insel, er gibt auch Impulse in der 2D-Animation. Die handgezeichnete Figur von Klaus erscheint in 3D, ist es aber in Wirklichkeit nicht. Durch den besonderen Einsatz von Licht und Farbe erhalten die Figuren Tiefe und Volumen wie in einem 3D-Film, wobei die Nostalgie eines handgezeichneten Films erhalten bleibt.

Pablos begann seine Karriere bei Walt Disney, bevor er 2004 die Sergio Pablos Animation Studios (SPA) in Madrid gründete, uns dann seinen Durchbruch als einer der Drehbuchautoren von Despicable Me hatte. Mehr als fünfzehn Jahre später feiert er mit Klaus einen neuen internationalen Erfolg. Die Entstehung des Films hat viel Mühe gekostet. Lange Zeit hegte Pablos die Hoffnung, dass Big Players wie Walt Disney oder Pixar den handgezeichneten Animationsfilm wieder zum Leben erwecken würden. Vergeblich. Eines Tages beschloss er, es selbst zu tun.

Pablos hat sich bei dem Projekt, an dem insgesamt mehr als dreihundert Menschen beteiligt waren, sehr viel Mühe gegeben. Er ging bewusst an die Grenzen des traditionellen 2D-Mediums, um neue Techniken zu entwickeln. Die genauen technischen Details bleiben geheim, aber was er entwickelte, ist eine Mischung aus altmodischer Zeichnung und modernsten computergesteuerten Werkzeugen. Davor arbeitete er mit den Machern der Toon Boom Harmony Software zusammen.

Mit Klaus ist es Pablos gelungen, einen handgezeichneten Animationsfilm zu erstellen, in dem sich Schatten und Licht ständig an ihre Umgebung anpassen und Tiefe und Dynamik erzeugen. Dadurch werden Charaktere wie der Weihnachtsmann, der Postbote Jesper und das Schulmädchen Alva im Film mehr zum Leben erweckt als in traditionellen 2D-Animationen. Die verschiedenen Handlungsstränge sind oft vor bewegten Hintergründen angesiedelt und wechseln ständig die Farbe. Das Licht spielt ein psychologisches Spiel: Düstere Teile der Geschichte spielen sich im Schatten ab und positive Szenen werden buchstäblich mit Licht hervorgehoben.

Für die Herstellung von Klaus wurden Zeichner aus 22 verschiedenen Ländern – von Norwegen bis zur chilenischen Osterinsel – engagiert. Nicht jeder glaubte an die neuen, aufwendigen Techniken. Als 2015 anderen Studios die ersten Tests gezeigt wurden, sahen viele das Projekt als zu riskant an. Netflix hatte jedoch Vertrauen in das Projekt und investierte vor zwei Jahren in Pablos‘ Projekt. Klaus wurde am 15. November als erster von Netflix selbst gedrehter Animationsfilm präsentiert. Zur Freude von Pablos nahmen zig Millionen Zuschauer den altmodischen Zeichentrickfilm wieder mit offenen Armen auf.

Nun stellt sich die nächste große Frage, ob 2D-Klaus die 3D-Konkurrenten Frozen 2 und Toy Story 4 bei den British Film Awards schlagen kann.