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Klauenerkrankungen von Kühen sind nicht isoliert zu betrachten, sondern weisen auf Mängel bei der Haltung, Fütterung und Hygiene hin. Diese multifaktoriellen Ursachen will man im Projekt Klauen-Q-Wohl mit der systematischen Erfassung und Auswertung von Daten aufzeigen.

Die Erkrankung von Klauen- und Gliedmaßen zählt zu den häufigsten Abgangsursachen von Milchkühen. 2018 waren rund acht Prozent der Rasse Fleckvieh und Holstein Friesian in Österreich davon betroffen. Zwanzig Prozent der Kühe sind mindestens einmal im Leben mittelgradig lahm. Das belegt die Forschung der Zentralen Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter (ZAR) in Wien. Der Dienstleister für die heimischen Rinderzüchter bringt seine Kompetenz in Datenerfassung, Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung ein.

Standardisierte Dokumentation

Die ZAR möchte ein Bewusstsein für Klauenerkrankungen schaffen und rief das Projekt Klauen-Q-Wohl ins Leben. Ziel des Projektes ist der Aufbau einer österreichweiten EDV-Infrastruktur für die standardisierte Dokumentation von Klauenerkrankungen. Mit der elektronischen Dokumentation soll eine wichtige Lücke in der Datenaufzeichnung für Gesundheitsmerkmale beim Rind geschlossen werden. Eine Lücke, die auch den Züchtern bewusst ist. In einer 2012 durchgeführten Befragung gaben fünfundsiebzig Prozent der Züchter an, dass die Klauengesundheit eine mittlere bis hohe Bedeutung habe. Einen ähnlich hohen Stellenwert hatte lediglich die Stoffwechselstabilität (Quelle: Zuchtdata).

„Eine lahme Kuh bewegt sich weniger, frisst weniger und zeigt sinkende Milchleistung und Fruchtbarkeit. Die Klauenveränderungen und – erkrankungen, die überwiegend zu Lahmheit führen, werden in der Klauenpflege entdeckt und eine regelmäßige und vollständige Dokumentation der Klauenpflege ist unerlässlich.“ Projektmitabeiterin Marlene Suntinger

Die beste Präventions-Maßnahme ist die Klauenpflege. Einmal jährlich durchgeführt, kann diese die Anzahl an Klauendefekten deutlich verringern. Im Kuh-Klauen-Score von klauenmanager.eu sank die Rate an Klauendefekten innerhalb von fünf Jahren von fünfundsechzig Prozent in den einstelligen Bereich.

Mehr als bloß präventiv soll Klauen-Q-Wohl auch nachhaltig wirken und die Steuerung von Herdenmanagement und Züchtung ermöglichen.

Multifaktorielle Ursachen

Neu am Ansatz der ZAR ist die Konzentration auf das Tierwohl. Klauenerkrankungen sind nicht isoliert zu betrachten, sondern weisen auf Mängel bei der Haltung, Fütterung und Hygiene hin. Diese multifaktoriellen Ursachen der Klauenerkrankungen will man mit der systematischen Erfassung und Auswertung von Daten aufzeigen. Die Entwicklung des Systems basiert auf Maßnahmen zur Verbesserung der Klauengesundheit und einer Checkliste zur Erfassung von potenziellen Einfluss- beziehungsweise Risikofaktoren auf das Tierwohl und Empfehlungen für Verbesserungsmaßnahmen. Den Referenzrahmen bilden die Standards, welche die internationale Nichtregierungs-Organisation ICAR 2015 im Atlas der Klauengesundheit festhielt.

Klauenpflege

Die Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Klauenpfleger (AÖK) ist ein wichtiger Kooperationspartner im Projekt Klauen-Q-Wohl. Die Klauenpfleger sind es, die im Zuge ihrer Arbeit die Daten eingeben sollen und – bei Zustimmung des Landwirts – an die zentrale Rinderdatenbank übermitteln.

Dem Klauenpfleger dient das Klauenpflegeprotokoll vor Ort als Grundlage zur Beratung. Sobald der Klauenpfleger die Daten übermittelt hat, kann der Landwirt diese jederzeit am Smartphone oder Personal Computer einsehen.

Die Datenerhebung wird zunächst in fünf landwirtschaftlichen Betrieben getestet. Später erfolgt ein Test auf Praxistauglichkeit in circa zwanzig landwirtschaftlichen Betrieben.

Herdenmanagement

Dem Landwirt bieten die Daten einen Überblick über die Klauengesundheit seiner Herde. Ersichtlich sind die Klauendefekte, die im Betrieb vorkommen, wie viele Tiere jeweils davon betroffen sind und wie sich die Klauengesundheit über einen längeren Zeitraum entwickelt. Jeder Klauenbefund lässt – verbunden mit externen Faktoren – Rückschlüsse auf die Ursache der Entstehung zu.

Züchterische Strategien

Für eine nachhaltige Verbesserung der Klauengesundheit müssen die im Rahmen der Klauenpflege gewonnenen Daten auch in der Zucht berücksichtigt werden. Eine entsprechende Datengrundlage soll im Projekt aufgebaut werden. Auf Basis von Klauengesundheits-Zuchtwerten können Stiere, deren Töchter vermehr Klauenprobleme aufweisen, gezielt aus der Zucht ausgeschlossen werden.

In Dänemark werden Klauenpflegedaten bereits für die Zucht genutzt.

Projektpartner

Operationelle Partner sind die AÖK, die Zertifizierungsstelle LKV Austria GmbH, die Landeskontrollverbände Kärnten und Vorarlberg, die SEG Informationstechnik, die Landwirtschaftskammer Österreich und der Tiergesundheitsdienst (TDG). Forschungspartner sind die Veterinärmedizinische Universität Wien, Universität für Bodenkultur.

Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und LE 14-20 Entwicklung für den ländlichen Raum. Die Leiterin des Konsortiums ist Dr. Christa-Egger-Danner, die übrigens auch das ICAR-Projekt Atlas der Klauengesundheit leitete.

Über die Zentrale Arbeitsgemeinschaft österreichischer Rinderzüchter (ZAR)

Der Dienstleister für die heimischen Rinderbauern bringt seine Kompetenz in der Datenerfassung, Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung ein. Die Umsetzung der Forschung erfolgt durch Landeskontrollverbände und Zuchtverbände – die Koordination durch die ZAR-Tochter ZuchtData. Seit 2008 engagiert sich die ZAR auch im Bildungsbereich. Zielgruppen sind die arrivierten Funktionäre und die breite Züchterschaft sowie Jungzüchter und Tierzuchtlehrerinnen in den landwirtschaftlichen Fach- und Mittelschulen.

 

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie verfolgt neue Trends in Gesellschaft, Design, Technologie und Wirtschaft findet es spannend, interdisziplinäre Tendenzen zwischen den verschiedenen Bereichen zu beobachten. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.