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Abhörmethoden ohne Mikrofone über reine Schallwellen sind nichts Neues. Bisher hatten sie aber alle ihre Nachteile. Sie konnten nicht in Echtzeit angewendet werden, es mussten Geräte mit Malware programmiert werden oder es musste aktiv ein Laserstrahl eingesetzt werden. Wissenschaftler der Ben-Gurion-Universität in Israel haben nun eine neue Methode entwickelt, die keines dieser Hilfsmittel benötigt. Sie braucht lediglich eine ganz normale Lampe. Diese Lampe kann ohne Modifikationen genutzt werden, um Töne abzuhören.

In ihrem Projekt Lamphone nutzen die Forscher die winzigen Vibrationen auf der Glasoberfläche der Lampe, die durch Töne in der Umgebung entstehen. Dieses Flackern des Lichts können sie aus einer gewissen Entfernung aufzeichnen und den Ton in Echtzeit rekonstruieren. Alles, was sie dazu brauchen, ist Sichtkontakt mit der Lampe, auch durch ein geschlossenes Fenster. Dann können sie das für das Auge nicht wahrnehmbare Flackern des Lichts mit einem Teleskop und einem elektrooptischen Sensor aufzeichnen. Mit Hilfe eines Analog-Digital-Wandlers werden die Informationen daraufhin verarbeitet. Ein Computer wandelt sie wiederum in Echtzeit in Töne um. Ist die Lampe allerdings durch einen Lampenschirm verdeckt, funktioniert es nicht.

Lamphone würde zeigen, dass hochauflösende Daten, die ein sichtbares Mikrofon aufnimmt, „nicht erforderlich sind, wenn eine hängende Glühbirne verwendet wird“, schreibt Ben Nassi, einer der Entwickler der Überwachungsmethode, im Fachmagazin Cryptology. „Stattdessen zeigen wir, dass ein elektro-optischer Sensor, der Informationen mit einer geringeren Auflösung ausgibt (ein Ein-Pixel-Muster), ausreicht, um den Ton wiederherzustellen. Dadurch kann Lamphone in Echtzeit-Szenarien eingesetzt werden.“

Abhören aus 25 Meter Entfernung

In einem Experiment haben die Forscher aus 25 Meter Entfernung über eine LED-Lampe (E27/12 Watt) Musik- und Sprache aufgezeichnet. Dabei hat die Musikerkennungs-App Shazam die abgehörten Songs von Coldplay und den Beatles problemlos erkannt. Die Google Spracherkennung wandelte eine Rede des US-Präsidenten Donald Trump in Text um.

„Wir testeten die Leistungsfähigkeit des Lamphone-Angriffs im Hinblick auf seine Fähigkeit, Sprache und Lieder von einem Zielort wiederherzustellen, wenn sich der Lauscher nicht am selben Ort befindet“, so Ben Nassi weiter. „Der Zielort war ein Büro im dritten Stock eines Bürogebäudes. Das gesamte Gebäude hat Vorhangfassaden, die die Lichtmenge, die von den Büros ausgeht, reduzieren. Das Zielbüro enthält eine hängende E27 LED-Birne (12 Watt).“

Der Lauscher befand sich bei dem Experiment auf einer Fußgängerbrücke in 25 Metern Luftlinie vom Zielbüro entfernt. „Die in diesem Abschnitt beschriebenen Experimente wurden mit drei Teleskopen mit unterschiedlichen Linsendurchmessern (10, 20, 35 cm) durchgeführt. Wir montierten einen elektro-optischen Sensor (den Thorlabs PDA100A2, einen verstärkten Lichtsensor mit schaltbarer Verstärkung, der aus einer Fotodiode besteht, die Licht in elektrische Spannung umwandelt) an jeweils einem Teleskop“, beschreibt Nassi die Details des Experiments. „Die Spannung wurde vom elektro-optischen Sensor über eine 16-Bit-ADC-Karte NI-9223 gewonnen und in einem von uns geschriebenen LabVIEW-Skript verarbeitet. Der Ton, der während der Experimente im Büro abgespielt wurde, war am Standort des Lauschers nicht zu hören.“

“Lamphone”

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Über den Autor

Author profile picture Petra Wiesmayer ist seit mehr als 25 Jahren als Journalistin und Autorin tätig. Sie hat bis heute hunderte Interviews mit Prominenten aus Entertainment, Sport und Politik geführt und zahllose Artikel über Entertainment und Motorsport für internationale Medien recherchiert und verfasst. Als großer Science-Fiction-Fan ist sie fasziniert von Technologien, die die Zukunft der Menschheit mitbestimmen könnten und liest und schreibt gerne darüber.