Bereits im März stieß die erste Präsentation des Alexander Dennis Enviro200-Busses auf großes Interesse. Mehrere Videos dieses autonomen Busses wurden im Internet verbreitet. Er ist nicht zu vergleichen mit einem langsam fahrenden Kleinbus, sondern entspricht einem Stadtbus in voller Größe. Der Bus lässt sich auf bis zu 80 km/h beschleunigen. Dennoch war das noch ein Versuch in einer sicheren Umgebung, ohne Hindernisse, auf dem Weg zur Straße, auf der sich Autowaschanlagen befinden.

Das Projekt hat sich inzwischen ein Stück weiterentwickelt. In Birmingham zeigte das Fahrzeug, dass es echten Hindernisse und Menschen ausweichen kann. Der Bus wurde als „fit für den Einsatz“ eingestuft. In der Gemeinde Edinburgh wird der Bus – (tatsächlich gibt es fünf davon) – im nächsten Jahr von der schottischen Hauptstadt nach Fife, auf der anderen Seite des Flusses Forth, fahren. Es war die meistgelesene Geschichte auf unserer Website diese Woche.

Das ist nicht allzu überraschend. Selbstfahrende Busse sind angesagt. Projekte mit dieser Art von Verkehrsmitteln, die meist elektrisch betrieben werden, verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Die USA und Singapur sind hier die Vorreiter, so ein aktueller KPMG-Bericht. Aber Europa holt auf: Berlin, Frankfurt, Hamburg, Tallinn, Helsinki, Drimmelen. Dies sind alles Orte, an denen in diesem Jahr Versuche gestartet wurden.

Autonomous bus in Birmingham maneuvers around real-life road obstacles – including a cyclist https://t.co/6IR9lEWzHf via @InnoOrigins

— Adi Gaskell (@AdiGaskell) October 16, 2019

Gleichzeitig wird aber auch viel über die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit dieser mehrere Millionen teuren Busse diskutiert. Das Projekt in Schottland beispielsweise erhält 4,35 Millionen Pfund an Finanzmitteln. Ein Projekt in Berlin, das im August auf einer Strecke von rund einem halben Kilometer gestartet wurde, kostet zusammen mit ein paar anderen Projekten mehr als 4 Millionen Euro. Sind sie das wert?

Ein Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe BVG wertet das Projekt „Seemeile“ als großen Erfolg. „Mehr als 7.000 Passagiere sind bereits damit gereist und die Bewohner der Region sind damit zufrieden“, sagt Markus Falkner. Das Problem ist, dass die 7.000 Passagiere meist Schaulustige waren – Touristen, die genauso gut die ganze Strecke bis zum Tegeler See hätten laufen können.

Wir haben bereits erwähnt, dass dies auch auf ein ähnliches Projekt in Drimmelen zutrifft, das 200.000 € kostete. Dabei haben rund 500 Passagiere mitgemacht, von denen die meisten Touristen waren. Ein Projekt in Paris, das 2017 mit viel Aufwand gestartet wurde, wurde aus genau diesem Grund eingestellt. In den ersten sechs Monaten gab es rund 30.000 Menschen, die bereit waren, eine Fahrt zu unternehmen. Danach – nachdem die anfängliche Aufregung vorbei war – fiel die Zahl auf weniger als tausend pro Monat. Dieses Jahr im August haben sie den Stecker gezogen.

Bus des Unternehmens Navya

Und die Kosten sind nicht das einzige Problem. Ein Projekt in Wien hat das gezeigt. Wie andere selbstfahrende Busse fuhren auch hier die Fahrzeuge des französischen Unternehmens Navya im Schneckentempo mit nicht mehr als 12 km/h. Trotzdem war es immer noch möglich, in jemanden reinzufahren. Zugegebenermaßen war diese Person völlig unverantwortlich. Sie trug Kopfhörer und schaute auf ihr Handy und fuhr selbst in den Bus. Doch es reichte aus, das Projekt zu stoppen.

Ein weiterer Versuch in Schaffhausen in der Schweiz, wurde wegen Hard- und Softwareproblemen eingestellt. Das zeigt den langen Weg, der noch vor uns liegt, bis bezahlbare und sichere autonome Busse auf öffentlichen Straßen fahren, und auch für Menschen, die einfach nur von A nach B reisen müssen, von echtem praktischen Nutzen ist.

Ist das ein Grund, die Arbeit an diesen Projekten ganz einzustellen? Natürlich nicht. Es wird wahrscheinlich Jahre dauern, bis selbstfahrende Busse etwas Alltägliches werden. Aber bei jedem Projekt wird etwas gelernt. Der große Fortschritt bei den Bussen, die in Schottland fahren werden, ist, dass sie groß und schnell sind. Es gibt auch viele Pendler auf der Straße zwischen Fife und Edinburgh. Daher haben sie das Potenzial, sich auch wirklich nützlich zu machen.

Ob dies in der Praxis funktioniert, bleibt abzuwarten. Es ist eine Frage des Ausprobierens für alle beteiligten Wissenschaftler, Unternehmen und Regierungen, sagt der CEO von Stagecoach, der Eigentümer der Busse in Schottland. CEO Martin Griffiths bezeichnet es als großartigen Lernprozess. Er betont, dass es sich um ein Pilot-Projekt handelt. Auf lange Sicht werden selbstfahrende Busse eine wichtige Rolle spielen. Daran besteht kein Zweifel. Für unsere älteren Leser: Barrie Stevens würde zu den Kandidaten der Dutch Soundmix Show sagen: „Vooral doorgaan!“ („Weiter so!“)