Ärger über Bauprojekte, die gestoppt werden. Und zusätzlicher Druck auf Bauern, die zu Sündenböcken gemacht werden: Durch ihre Produktion und Verwendung von Gülle wird ein Stickstoffüberschuss im Boden erzeugt. Diese beiden Themen waren in den letzten Wochen sehr häufig in den Nachrichten. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass auf Innovation Origins ein Artikel vom letzten Monat plötzlich zu einem der meistgelesenen Beiträgen in dieser Woche wurde.

In dem Artikel stellt der flämische Biologe Tobias Ceulemans seine Forschungen vor. Sie zeigen, dass nährstoffreiche, nützliche Pilze in Baumwurzeln und im Boden an zu hohen Stickstoffwerten sterben. Er entdeckte auch, dass dies schon bei Werten geschieht, die weit unter der europäischen Stickstoffnorm liegen (zwischen 10 und 15 Kilo pro Hektar, je nach Art der Fläche).

Der Standardwert für Stickstoff muss daher herabgesetzt werden, schlussfolgert Ceulemans. Dabei wird zurzeit noch nicht einmal der aktuelle Standard eingehalten. Ist dies die einzige Möglichkeit, die Bodengesundheit wiederherzustellen? Diese Frage wurde dem Ökologen Roos Loeb gestellt, der sich auf Naturschutz spezialisiert hat und für die Forschungsagentur B-Ware arbeitet?

Gibt es andere Möglichkeiten, den Stickstoffgehalt im Boden zu reduzieren, als die Emission einzustellen?

„Ja, aber sie sind nicht annähernd so effektiv. Eine Möglichkeit besteht darin, die oberste Schicht des Bodens einige Zentimeter umzugraben. Sie enthält den größten Teil des Stickstoffs. Aber das ist nicht gut für die Pflanzen und Tiere, die dort leben. Für sie entsteht eine Art Wüste. Der Boden trocknet aus, so dass Pflanzen, die etwas mehr Feuchtigkeit benötigen, nicht mehr gut gedeihen. Auch viele Tiere werden durch einen trockenen Boden vertrieben. Die Versauerung führt zu einer geringeren Vielfalt in der Vegetation. Man sieht, dass einige Pflanzen aussterben, wie z.B. der Rosenkranz. Sie können auch weniger gelbe Blumen sehen, die zwischen den Heidekrautpflanzen blühen. Um gegenzusteuern kann man Kalk oder mineralreiches Steinmehl auf den Boden streuen. Dadurch wird die Versauerung reduziert. Eine weitere Methode ist das Sähen von Gras, das durch die Stickstoffablagerung schneller wächst. Man kann das Gras regelmäßig mähen. Das Heu kann dann z.B. als Tierfutter verwendet werden. Damit haben Sie den Stickstoff aus dem Ökosystem entfernt. Bei den meisten Pflanzen ist dies allerdings nicht möglich, da man sie nicht oft beschneiden kann.“

Können sich übersäuerte Böden auch auf natürliche Weise erholen?

„Das ist möglich. Aber die Pflanzen und Tiere, die weg sind, kommen nicht ohne Weiteres zurück. Ohne die hohen Stickstoffemissionen, die durch menschliche Aktivitäten in den letzten 50 Jahren verursacht wurden, wäre der Boden durch Stickstoff nur leicht angesäuert worden. Da Mineralien wie Kalium und Magnesium in etwa gleichem Maße aus dem Ton freigesetzt werden, wäre die Zusammensetzung des Bodens dann ausgeglichener geblieben. Aber wir sprechen hier von einem jahrhundertelangen Prozess.“

Die einzige Lösung besteht also darin, weniger Stickstoff auszustoßen. Aber wie?

„Das ist eine schwierige Frage. Der größte Teil des Stickstoffs wird durch Verkehr, Industrie und Landwirtschaft freigesetzt. In der Landwirtschaft werden nicht nur Stickstoffoxide, sondern auch Ammoniak ausgeschieden. Dies hat eine stärkere säurebildende Wirkung auf den Boden. Ich glaube daher, dass es am effektivsten wäre, wenn die Landwirtschaft ihre Gülleproduktion reduziert.“