Innovation Origins hat diese Woche eine Meldung über einen Dispersionslack veröffentlicht, der Photosynthese nutzt, um Viren und Bakterien abzutöten. Diesen Artikel basierten wir auf einer Pressemitteilung von Drukwerkdeal.nl. Auf Ersuchen des Lackherstellers, der deutschen Firma Varcotec, nehmen wir diese Geschichte nun teilweise zurück, weil sie angeblich Ungenauigkeiten enthält.

Laut Joachim Frings von Varcotec stehen in der Pressemitteilung Dinge, die nicht wahr sind. Einer der Fehler sei, dass die Farbe mit Sicherheit alle Viren und Bakterien abtöte. In Wahrheit ist die Dispersionsfarbe auf eine Reihe von Viren und Bakterien getestet worden. Diese Tests haben gezeigt, dass die Überlebenschance dieser Bakterien und Viren praktisch gleich null war. Das bedeutet, es besteht eine gute Chance, dass dies auf mehr Viren und Bakterien zutrifft.

Drukwerkdeal, einer der größten Anbieter von Online-Drucksachen in den Niederlanden und Belgien, hat uns informiert, dass die Produkte mit dem Dispersionslack auf der Website vorläufig nicht mehr angeboten werden, und entschuldigt sich für die falschen Angaben.

Es folgt der Originalartikel, wie er ursprünglich erschienen ist:

Von Covid-19 wissen wir inzwischen alle, dass die Gefahr besteht, dass das Virus tagelang auf jeder Art von Oberfläche überleben kann, vom Kühlfach im Supermarkt bis zu einem Geländer im Einkaufszentrum. Leider ist das Coronavirus dabei nicht einzigartig. So ist zum Beispiel auch bekannt, dass die gewöhnliche Haus-Garten-und-Küchen-Grippe tagelang auf einer glatten Oberfläche wie Papier überlebt. E.-coli-Bakterien können sogar monatelang überleben.

Dieses Problem beschäftigt die Universität Regensburg schon seit einiger Zeit. Mitte 2019 veröffentlichten sie im Journal of Hospital Infection eine Studie über einen neuen Lacktyp, der die Photosynthese zur Abtötung von Viren und Bakterien nutzt. Ursprünglich war er nur für den Einsatz in Krankenhäusern gedacht. Der deutsche Farbenhersteller Varcotec möchte diese Technik aber auch für antibakterielle Dispersionslacke in der grafischen Industrie einsetzen. Nun gibt es diesen Lack, genannt “Lock-3”, auch den Niederlanden.

Das Unternehmen Drukwerkdeal.nl gab heute bekannt, dass es die neue Technologie für viren- und bakterienfreie Druckerzeugnisse wie Flyer und Broschüren einsetzen wird. Geschäftsführer Haico Meijerink sagt in einer Pressemitteilung: “Unser europäisches Partnernetzwerk ermöglicht es uns, diese Art von Innovationen blitzschnell auszumachen und unseren Kunden anzubieten. Wir sehen einen Markt vor allem bei Unternehmen, die ein breites Publikum bedienen. Denken Sie z.B. an Supermärkte und (Gastgewerbe-)Unternehmen, die jetzt Produkte an die Kunden nach Hause liefern”. Drukwerkdeal ist der größte Online-Anbieter von Drucksachen und Marketingmaterialien in den Niederlanden und Belgien.

Umgekehrter Sonnenschutz

Laut Sprecherin Lourens Scholing van Drukwerkdeal funktioniert der verwendete Lack so ähnlich wie Sonnencreme, aber genau umgekehrt. Der Lack basiert auf einem photosynthetischen Prozess, der die schädliche Wirkung des Sonnenlichts auf die Zellmembranen von Viren und Bakterien beschleunigt. Keime, die mit der Beschichtung in Kontakt kommen, sterben fast sofort ab.

“Die ‘Geheimsoße’ ist super gewöhnlich und besteht aus zwei Dingen: Sonnenlicht und Sauerstoff. Die meisten Viren und Bakterien mögen das Sonnenlicht nicht besonders. Mehr noch, sie werden abgetötet. Wo Sonnencreme der schädlichen Wirkung von UV-Licht entgegenwirkt, bewirkt dieser neue Dispersionslack genau das Gegenteil”.

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Über den Autor

Author profile picture Maurits Kuypers schloss sein Studium der Makroökonomie an der Universität Amsterdam mit dem Schwerpunkt internationale Arbeit ab. Seit 1997 ist er als Journalist tätig, zunächst 10 Jahre lang in der Redaktion von Het Financieele Dagblad in Amsterdam, dann als freier Korrespondent in Berlin und Mitteleuropa. Wenn es um technologische Innovationen geht, hat er immer ein Auge auf die finanzielle Machbarkeit eines Projekts.