Jan Jongert ©PulsUp

Würden Unternehmen, ansässig in Gewerbegebieten, zusammenarbeiten, könnte der Umgang mit Abfällen und Reststoffen wesentlich nachhaltiger gestaltet werden. Diese Art der Kreislaufwirtschaft wäre ein Beitrag für mehr Nachhaltigkeit. Das Start-up PulsUp hat sich genau das  zur Aufgabe gemacht. Es ermöglicht über eine Online-Plattform und einen Makler, dass der Abfall eines Unternehmens als Rohstoff für ein anderes Unternehmen verwendet wird. Reststoffe erhalten somit einen neuen Wert.

Im Namen von PulsUp erzählt uns Gesellschafter Jan Jongert mehr über die Wiederverwendung von Abfallströmen in Gewerbegebieten.

Wie ist die Idee für PulsUp entstanden?

Als Architekturbüro beschäftigen wir uns schon seit einiger Zeit mit Reststoffen und Kreislaufwirtschaft. Für die Realisierung unserer Entwürfe verwendeten wir hauptsächlich ausrangierte Materialien aus der unmittelbaren Umgebung. Diese stammen aus abgerissenen Gebäuden oder sind Produktionsrückstände aus der Industrie. Mit dieser Erfahrung wollten wir die Wiederverwendung in größerem Maßstab auch für die Industrie nutzbar machen. Wie können Unternehmen Reststoffe miteinander teilen? Was ist vor Ort möglich? Mit der Unterstützung des Stimuleringsfonds voor architectuur konnten wir diese Idee 2015 weiterentwickeln.

Können Sie die Aktivitäten in Punkto Kreislaufwirtschaft näher erläutern?

Wir arbeiten mit einem Stufenkonzept. Zunächst erläutern wir Unternehmern das Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Wir erklären die Vorteile, die durch den Austausch von Reststoffen entstehen. In der Regel wissen die Unternehmen nicht, dass sie über Materialien verfügen, die ihr Nachbar gut gebrauchen kann.

In der Praxis ist es uns das bereits gelungen. So konnten wir Getreide als Nebenprodukt aus einer Bäckerei nutzbar machen.  Für eine Bierbrauerei ist das ein idealer Rohstoff. Von letzterem ist bereits CO2 in den Produktionsprozess einer Algenfarm gelangt. Es zeigt sich, dass Rohstoffe ihren Wert behalten können.

Als nächstes kommt der Puls-Scout ins Spiel. Er spricht mit den Unternehmen, die im Bereich des Gewerbeparks angesiedelt sind. So werden Möglichkeiten für die Kreislaufwirtschaft ergründet und die Bedürfnisse erforscht. Anschließend wird versucht, Zahlen über das Volumen, über die Qualität und über den Wert von Stoff- und Energieströmen zu finden.

Wie geht es dann weiter?

Schließlich wird Rohstoffmakler wird hinzugezogen. Er unterstützt Unternehmen bei der Suche nach praktischen Lösungen für den Austausch und die Wiederverwendung bestehender Abfallströme. Ein wichtiges Instrument ist dabei die Pulsapp. Es handelt sich um eine digitale, von Maklern verwaltete Online-Rohstoffplattform. Sie bietet einen Einblick in die verfügbaren Reststoffe von Unternehmen in einem Gebiet. Im Idealfall arbeitet diese App mit aktuellen Daten von Antragstellern und Reststofflieferanten. Die Pulsapp gibt Einblick in die Materialflüsse pro Gewerbegebiet, pro Reststoffart und pro Produktionskette.

Schließlich werden Ergebnisse präsentiert, Vereinbarungen für die Zukunft getroffen und Verantwortlichkeiten übertragen.

Gründer von PulsUp, ein Start-up, das auf Kreislaufwirtschaft setzt
Jan Jongert ©PulsUp

Wie unterscheidet sich PulsUp von ähnlichen Projekten?

Es entehen immer mehr Marktplätze zur Stimulierung der Kreislaufwirtschaft. Das bedeutet, das Angebot an ausgedienten Rohstoffen mit der Nachfrage nach Reststoffen, die noch einen wirtschaftlichen Wert haben, in Einklang zu bringen. Das Besondere ist, dass wir dies auf Gebietsebene tun, also für Gewerbegebiete.

In Zukunft glauben wir, dass auch die Auswahlpolitik für einen Gewerbepark darauf basieren sollte, wie Unternehmen sich zirkulär ergänzen können. Also, ob ein Unternehmen für ein anderes in Bezug auf die Reststoffe von Wert sein kann und umgekehrt. Zusammen mit PulsUp konnten wir dem Rijnmond Environmental Service und der Gemeinde Den Haag im Jahr 2016 unsere erste Beratung anbieten.

Was ist der bisher größte Erfolg?

Das ist ein Pilotprojekt in China. Ein Mega-Businesspark hat die erste Lizenz auf unserer Plattform gekauft. Das Budget war ausreichend und eine Provinz mit 130 Gewerbegebieten war interessiert. Es sah vielversprechend aus. In den Niederlanden zeigen seit kurzem auch die Provinz Süd-Holland und die Umweltdienste Interesse an dem Konzept.

Und was waren die Rückschläge?

Dies steht im Zusammenhang mit dem Erfolg in China. Dort hat eine neue Anforderung, innerhalb von drei Jahren überall mit proprietärer Software zu arbeiten, unserer Plattform einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Lösung besteht nun darin, dort zusammen mit unserer Schwestergesellschaft in China, in Hongkong, ein neues Unternehmen zu gründen, um das Pilotprojekt weiterführen zu können.

Ein weiteres Problem, auf das wir stoßen, ist die gemeinsame Nutzung von Daten durch Unternehmen, um Einblick in die Reststoffströme zu gewinnen und ihren Wert zu bestimmen. Dazu muss der Rohstoffmakler Vertrauen aufbauen. Aber das funktioniert schon recht gut.

Welche Reaktionen gibt es auf die Initiative von PulsUp, die Gewerbegebiete zirkulär zu gestalten?

Es ist für viele Unternehmen immer noch eine komplexe Geschichte, die es zu erklären gilt. Aber Provinzen und Behörden reagieren gut. Das passt zu dem erklärten Ziel, auf Gebietsebene zirkulär zu arbeiten.

Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen den Niederlanden und China, wo alle Prozesse viel schneller ablaufen können. Es gibt dort viel Geld, und die Unternehmen wagen es, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und unerwartete Kooperationen einzugehen. Glücklicherweise treffen wir seit den Klimaplänen des Kabinetts auch in den Niederlanden immer mehr Unternehmen dieser Art.

Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen mit Aktionären, die eher kurzfristig orientiert sind. Dann wird es schwieriger. Sie haben vor allem die nahe Zukunft im Blick.

Was hat PulsUp für das nächste Jahr geplant?

Die Coronakrise macht deutlich, wie wichtig der Informationsaustausch ist. Wenn Unternehmen voneinander wissen, welche Rohstoffe und Abfallprodukte sie verwenden, wird es viel einfacher sein, voneinander einzukaufen und sich auszutauschen, wenn die internationale Logistik unterbrochen wird. Konkret bereiten wir uns darauf vor, unseren Ansatz in Gewerbegebieten in Süd-Holland zu starten und zu testen. Und wir werden ein neues Unternehmen in Hongkong gründen.

Wo wird PulsUp in fünf Jahren stehen?

“Wir hoffen, fünf bis zehn Prozent der niederländischen Gewerbegebiete mit unserer Methode bedienen zu können.”

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Über den Autor

Author profile picture Paul Smits ist Politikwissenschaftler und arbeitet als Journalist. Die meiste Zeit arbeitete Paul als Reporter für eine Zeitung (Rotterdams Dagblad, AD). Heute arbeitet er als Freiberufler aus Südamerika (Ecuador).