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Na, heute mal wieder Stress gehabt? – Dann sollten Sie trotzdem lieber nicht zu einem Squishy greifen. Noch viel weniger sollten Sie diese bunten Schaumstoffpüppchen Ihren Kleinen zum Spielen geben. Denn bei den lustig verformbaren Spielzeugen können sich nicht nur Kleinteile lösen, sie können auch ziemlich gefährlich stinken.

Zwar riechen manche von diesen Softbällen durchaus angenehm. Doch das täuscht: Forschende des Fraunhofer IVV gehen nach eingehender Untersuchung davon aus, dass ein ursprünglich vorhandener Störgeruch mit angenehmen Geruchsstoffen gezielt übertüncht werden soll.

Analysemethoden aus der Aromaforschung

Für ihre Arbeit griffen die Wissenschaftler Prof. Andrea Büttner und Christoph Wiedmer auf neue Analysemethoden aus der Aromaforschung zurück. So konnten sie die Stoffe gezielt nachweisen und auch identifizieren. Ihr Ergebnis: Der Geruch der untersuchten Squishys wies verschiedene lösungsmittelartige Noten auf. Gleichzeitig fanden die Wissenschaftler auch angenehme Gerüche, wie Kokos oder Karamell.

„Wir konnten im Produkt die Lösungsmittel 2-Butoxyethanol und Cyclohexanon nachweisen. Dies korreliert mit den lösungsmittelartigen Fehlgerüchen. Außerdem haben wir gamma-Nonalacton und Ethylmaltol gefunden, die kokos- und karamellartig riechen“, fasst Lebensmittelchemiker Christoph Wiedmer, der die Studie federführend leitete, die Ergebnisse zusammen. Und er ergänzt:

Aufgrund unserer Daten nehmen wir an, dass diese durch den Hersteller gezielt zugesetzt wurden, um den Fehlgeruch zu überdecken.“

Und das scheint zum Teil gelungen. Denn die Wissenschaftler machten gemeinsam mit ihrem Team einen persönlichen Sensoriktest. Sie rochen also selbst. Und bei der individuellen Bewertung empfanden zwei von sieben Prüfpersonen den Geruch des Squishys als angenehm.

© Fraunhofer IVV

Doch Wiedmer warnt:

Die nachgewiesenen Lösungsmittel sind als gesundheitsschädlich beim Einatmen eingestuft und sollten daher vermieden statt überdeckt werden.“

Weiterführende Untersuchungen notwendig

Inwiefern die gefundenen Substanzen allerdings genau auf den Menschen wirken, muss noch in weiterführenden Untersuchungen geklärt werden. Die Ergebnisse liefern dennoch wertvolle Anhaltspunkte für Hersteller und Überwachungsbehörden, wie Prof. Büttner erläutert:

„Den Kontrollbehörden erleichtern die gewonnenen Erkenntnisse, die Sicherheit von Produkten aus dem internationalen Warenverkehr zu untersuchen. Insbesondere sollte man prüfen, welche Rolle bei dem Problem die Herkunftsländer der Produkte und der Internethandel spielen.“ Büttner weist auch darauf hin, dass die globalen Warenströme immer komplexer und undurchsichtiger werden. Somit würden die Herausforderungen für den Verbraucherschutz heutzutage enorm. Deshalb ist Büttner davon überzeugt:

Den in der Qualitätssicherung tätigen Analytikern bieten unsere Erkenntnisse neue Möglichkeiten zur Entwicklung von zielgerichteten Detektionsmethoden. Sie sind die Basis zur Entwicklung von Vermeidungsstrategien und von Konzepten zur Verbesserung der Produktsicherheit.“

Die Ergebnisse wurden kürzlich im renommierten Fachjournal Analytical and Bioanalytical Chemistry veröffentlicht.

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Über den Autor

Author profile picture Almut Otto ist Autorin und bringt über 30 Jahre Know-how in der Kommunikations-Branche mit. Sie lernte das Journalisten-Handwerk von der Pike auf bei einer Tageszeitung und in einem Special Interest Magazin. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaften in München war sie lange Zeit als internationaler PR Manager in der Textil-, Schuh-, Outdoor- und auch IT-Industrie tätig. Seit einigen Jahren konzentriert sie sich wieder mehr auf ihre journalistische Herkunft. Als passionierte Outdoor- und Wassersportlerin ‒ zu ihren Hobbys zählen Windsurfen, Kitesurfen, SUP-Boarden, Segeln und Snowboarden ‒, interessiert sie sich vor allem für die Reinhaltung der Ozeane und die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft. Zudem ist sie stets fasziniert von neuesten Entwicklungen aus den Hard- und Software-Laboren dieser Welt.