Der Carina-Nebel ist einer der größten und hellsten Nebel am Nachthimmel und wurde jetzt mit dem VISTA-Teleskop der Europäischen Südsternwarte (ESO) am Paranal-Observatorium in Chile in fantastischen Aufnahmen abgebildet. Durch die Beobachtung im Infrarotlicht konnte VISTA durch das heiße Gas und den dunklen Staub blicken, der den Nebel umhüllt. Zu sehen sind unzählige Sterne, sowohl Neugeborene als auch andere in ihrem Todeskampf.

Das Sternbild Carina ist etwa 7.500 Lichtjahre von der Erde entfernt und das Zuhause eines Nebels, in dem sich Sterne nebeneinander bilden und sterben. Die riesigen Sterne im Inneren dieser kosmischen Blase geben intensive Strahlung ab, die das umgebende Gas zum Leuchten bringt. Andere Regionen des Nebels enthalten dagegen dunkle Säulen aus Staub, die neugeborene Sterne verdecken. Im Carina-Nebel tobt ein Kampf zwischen Sternen und Staub – den die neu gebildeten Sterne gewinnen, indem sie hochenergetische Strahlung und stellare Winde erzeugen, die die staubigen „Sternenkindergärten“, in denen sie sich gebildet haben, verdampfen und zerstreuen.

Trotz der großen Entfernung sind die Erkenntnisse aus Aufnahmen eines solchen Nebels für Astronomen von unschätzbarer Bedeutung. „Wir wollen besser verstehen, wie Sterne und Planeten entstehen und in welcher Umgebung sie sich bilden, weshalb das Studium einer relativ nahen Region mit aktiver Sternentstehung so nützlich ist“, erklärt Jim Emerson von der School of Physics & Astronomy, Queen Mary University of London. „Abgesehen vom Gesamtbild der Aufnahme wird die Wissenschaft meist mit Hilfe von Katalogen aller Objekte durchgeführt, die wir aus dem Bild in jeder der einzelnen Farben (Filter)extrahieren, die in den Beobachtungen verwendet werden.“

Zum ersten Mal beobachtet hat Emerson den Carina-Nebel 1973, damals aber „mit einem einzigen Detektor (kein Bild) von einem Ballongetragenen Teleskop bei Wellenlängen, die etwa 100-mal länger sind als das Infrarot des aktuellen Bildes“, sagt er. „Das aktuelle Foto wurde von Bildern gemacht, die 2010 jede Nacht über einen Zeitraum von einer Woche im aufgenommen wurden. VISTA hat es seither im Rahmen seiner Himmelsaufnahmen mehrfach beobachtet.“

Die Schönheit der neuen Bilder habe sogar ihn überrascht, gibt Emerson zu. Sie seien „atemberaubend“, die Klarheit und Schärfe hat allerdings nicht wirklich überrascht. „Dieses Bild wurde mit VISTA, dem Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy, aufgenommen, das mit Nah-Infrarot-Wellenlängen arbeitet und derzeit das weltweit größte spezielle Vermessungsteleskop ist“, erklärt Calum Turner, Pressesprecher der ESO in Garching bei München. „Die empfindlichen Detektoren von VISTA und die erstaunlichen Beobachtungsbedingungen am Paranal-Observatorium der ESO haben in der Vergangenheit viele schöne Bilder wie dieses hervorgebracht, so dass ich von der Klarheit des Bildes nicht überrascht war – obwohl es sicherlich ein Blickfang ist!“

Copyright: ESO/T. Preibisch

Kein direkter Hinweis auf die Geschichte der Erde

Einen direkten Hinweis auf die Geschichte unseres Planeten oder sogar auf die Zukunft der Erde geben diese neuen Bilder jedoch nicht, betont Emerson. „Wir können in diesen Bildern keine Planeten sehen, weil sie viel zu nah an ihren viel helleren Host-Sternen sind.“ Andere Techniken könnten sie jedoch finden. „Astrophysiker vergleichen, was sie finden, mit theoretischen Modellen, wie und wo Sterne entstehen, und dieses Zusammenspiel verbessert Schritt für Schritt die Genauigkeit der Modelle. Die Modelle werden dann auf einen Stern der Masse unserer Sonne angewendet, um Einblicke in ihre Zukunft zu geben.“ Der Sonne werde in sehr ferner Zukunft der Wasserstoff ausgehen, sagt und in in diesem Stadium werde sich ihr Aussehen ändern. Die Leser sollten sich darüber keine Sorgen machen, da dieser Zeitpunkt noh sehr weit weg ist. „Die Erde hat andere Probleme, die viel früher gelöst werden müssen.“

Und wie groß sind die Chancen, dass es in diesem Nebel bewohnbare Planeten gibt? „Nun, Nebel wie Carina sind die Geburtsorte von Sternen, von denen einige auf diesem Bild zu sehen sind“, so Turner. „In den letzten 25 Jahren haben wir entdeckt, dass viele Sterne Planeten haben, die sich in einer Scheibe um den Stern herum bilden, wenn er noch sehr jung ist. Es gibt keinen Grund, dass die Sterne, die sich in Carina bilden, nicht auch Planeten beherbergen können, die sich im Entstehungsprozess befinden. Allerdings wären diese Planeten noch sehr jung, ständig von Asteroiden bombardiert, sehr instabil und wahrscheinlich unbewohnbar. Da würde ich bestimmt nicht wohnen wollen!“

Die Bilder des Carina-Nebels, die wir aktuell sehen, zeigen zwar den Zustand des Nebels, wie er vor 7.500 Jahren war, viel hat sich aber in dieser Zeit nicht geändert, erklärt Turner. „7.500 Jahre mögen nach viel Zeit klingen – es ist ungefähr so lange, wie die menschliche Zivilisation existiert, aber in astronomischer Hinsicht ist es wie ein Augenzwinkern. Ich würde keine großen Veränderungen erwarten.“

Mit über 300 Lichtjahren ist der Carina-Nebel eine der größten sternbildenden Regionen der Milchstraße und auch für das bloße Auge unter dunklem Himmel gut sichtbar; leider aber nur von der südlichen Hemisphäre aus, da er im Norden 60 Grad unter dem Himmelsäquator liegt.

In diesem faszinierenden Nebel ist Eta Carinae das auffälligste Sternensystem. Dieser stellare Riese ist das energetischste Sternensystem in dieser Region und war in den 1830er Jahren eines der hellsten Objekte am Himmel. Seitdem ist er zwar dramatisch verblasst und geht dem Ende seines Lebens entgegen, trotzdem bleibt er eines der gewaltigsten und strahlendsten Sternensysteme der Milchstraße.

Im Titelbild dieses Artikels ist Eta Carinae ist als Teil des hellen Lichtflecks knapp über dem Punkt der „V“-Form der Staubwolken zu sehen. Direkt rechts von Eta Carinae befindet sich der relativ kleine Keyhole Nebula – eine kleine, dichte Wolke aus kalten Molekülen und Gas innerhalb des Carina-Nebels – der mehrere riesige Sterne beherbergt und dessen Erscheinungsbild sich in den letzten Jahrhunderten ebenfalls drastisch verändert hat.

Der Carina-Nebel wurde in den 1750er Jahren von Nicolas Louis de Lacaille am Kap der Guten Hoffnung entdeckt und seither unzählige Male fotografiert. Aber VISTA – das Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy – zeigt dank Infrarot-Technik eine noch nie dagewesene Detailansicht über ein großes Gebiet.

Titelbild Copyright: ESO/J. Emerson/M. Irwin/J. Lewis