Die Eltern um drei Uhr Morgens aus dem Bett holen? In einer Zeit des Smartphone ist Elterntaxi nicht die coolste Option. Die Gründer von Triply waren selbst noch in dieser Situation, als sie eine Lösung für das Problem fanden: sie entwickelten ein smartes Verkehrskonzept für die An- und Abfahrt zu Festivals und anderen Events.

Die Locations von großen Events sind meistens ziemlich abgelegen. Das stellt besonders Jugendliche am Land vor ein Problem. Wenn es keinen direkten Bahnanschluss und keine Busverbindung gibt, ist die Teilnahme oft schwer möglich.

Pendelbusse in einer App

Mit Triply können Veranstalter mit dem Ticket gleich die An- und Abfahrt zum Event anbieten. Die Software ermöglicht ein smartes Verkehrskonzept – mit Pendelbussen von der nächsten Bahnstation und der Planung von Busrouten auf Anfrage. Nebeneffekt der smarten Lösung: sie ist umweltfreundlich.

Co-Gründer, Sebastian Tanzer, erklärt das Konzept im Interview mit Innovation Origins:

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Die Triply Gründer Sebastian Tanzer und Christopher Stelzmüller (c) Triply

Wie ist die Idee zu Triply entstanden?

Wir haben die Arbeit an dem Thema vor fünf Jahren in einem Schulprojekt an der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) Leonding begonnen. Erst war es nur ein kleines Projekt, das wir dann aber für die Diplomarbeit wieder aufgenommen haben. Der Titel der Arbeit war Public Move – intelligente Sammeltaxis für den ländlichen Bereich. Wir bekamen sehr positive Reaktionen. Die Arbeit wurde in einem schulübergreifenden Projekt Award prämiert.In der Zusammenarbeit mit Kommunen zeigte sich, dass unsere Problemlösung relevant ist. Allerdings waren die Menschen am Land noch nicht bereit für unser Sharing-Konzept. Sie wollten ihre Fahrzeuge noch nicht teilen.

Das smarte Verkehrskonzept für Events war hingegen schon umsetzbar, weil wir damit Jugendliche ansprechen, die darin einen großen Nutzen sehen. Die Arbeit war im April 2017 abgeschlossen und gleich darauf gründeten wir Triply.

Wie lief dann die Umsetzung?

Wir haben unsere privaten Ersparnisse verwendet, um eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) zu gründen und haben dann bei kleineren Acceleratoren mitgemacht. Unser erstes Investment bekamen wir von einem Business Angel, der an der Universität Salzburg Geoinformatik unterrichtet. Bei Start-up300 lernten wir ihn kennen. Das ist ein börsennotiertes Start-up Ökosystem mit Sitz in Linz, das von mehreren Investoren aufgebaut wurde.

Wie ist die Entwicklung des Verkehrskonzepts verlaufen?

Wir planen Shuttle-Service-Konzepte und haben Algorithmen entwickelt, die die Planung unterstützen. Die Software war erst vor ein paar Monaten fertig. Bis es soweit war, haben wir Mobilitätskonzepte für 17 Events entwickelt. Das waren die Tests für unsere Software und das Konzept. Unser erster Test war ein Schüler-Clubbing in einer Diskothek mit 3000 Besuchern. Jetzt widmen wir uns anderen Themen unseres ursprünglichen Konzepts und entwickeln eine Software für on-demand, eine Mobilitätsanalyse.

Welches Problem löst ihr und warum ist das wichtig?

Wir sind Mobility Enabler und wollen den Menschen mit unseren Produkten  ein sinnvolles Verkehrskonzept anbieten. In unserem ersten Projekt haben wir ein System entwickelt, das Jugendliche für die An- und Abfahrt zu Events nutzen können. Jetzt wollen wir smarte Verkehrskonzepte am Land generell zugänglich machen. In der Regel sind es dort ältere Menschen und Jugendliche, die einen Shuttle-Service benötigen, um mobiler zu sein.

Was sind die belohnenden Momente?

Das Bewusstsein, es in jungen Jahren geschafft zu haben und im Team an einer gemeinsamen Idee arbeiten zu können. Momentan sieht es so aus, als würde es funktionieren.

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(c) Triply

Wie schwer war es, eine Finanzierung für euer Mobilitätsservice zu bekommen?

Nicht so schwer. Durch kleine Preise und Förderungen war der Start relativ angenehm. Jetzt machen wir schon begrenzt Umsätze, brauchen aber noch Investment. In der Zwischenzeit haben wir schon mehrere Investoren, die auch an unserem Unternehmen beteiligt sind. Die Mehrheitsanteile liegen immer noch bei uns.

Wo wollt ihr mit Triply in einem Jahr sein?

Wir hoffen, dass unsere Software für die An-und Abfahrt zu großen Events dann schon im größeren Rahmen eingesetzt wird und dass wir schon zusätzliche Mobilitätsbereiche abdecken können.

Was macht Triply besser oder anders als existierende Anbieter?

Viele Entwickler von Mobilitätsservices konzentrieren sich auf den städtischen Raum. Wir konzentrieren uns auf den ländlichen Raum und die Verbindung zwischen ländlichem und städtischem Raum. Wir konzentrieren uns auf das Land und die Verbindung zwischen ländlichem und städtischem Raum. Außerdem ist unsere Software nicht nur für Verkehrsplaner verständlich, sondern auch für Laien, wie etwa Bürgermeister und Veranstalter, die mit Verkehrskonzepten befasst sind.

Hiring?

Durchaus. Wir sind immer auf der Suche nach Mitarbeitern in den Bereichen Geoinformatik, Data Science und Backend-Entwicklung.

Danke für das Gespräch.

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