Nachdem der Valentinstag näher rückt, macht das Unternehmen Aleia Roses in der Avenida de las Rosa 1 in der Nähe der Stadt Garray in Spanien in den letzten Wochen wieder Überstunden. Denn möchte ein geliebter Mensch am 14. Februar nicht gerne das schönste Präsent seiner Art – die Rote Naomi – verschenken? Die besten roten Rosen der Welt werden unter der spanischen Sonne gezüchtet, allerdings mit niederländischer Technologie.

Vor zehn Jahren traten Spanien und die Niederlande bei der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika gegeneinander an, jetzt ist aus den beiden Ländernin der Provinz Soria ein goldenes Duo geworden. Der Spanier Luis Corella ist der Gründer des außergewöhnlichen, innovativen Projekts, bei dem die Königin der Blumen bereits seit einigen Jahren in einem futuristischen, 14 Hektar großen, Gewächshaus gezüchtet wird.

Tomaten in Mexiko

Corellas Traum vom Rosenanbau wurde eines Tages wahr, nachdem ein Abenteuer, in Mexiko Tomaten anzubauen, zu Ende war. Corella: „Der Anbau von Obst und Gemüse war in Spanien ganz normal, aber kaum jemand machte etwas mit Blumen. Ich fragte mich also ‚Warum nicht?’. Ich sah darin ein großes Potenzial. Aber es war eine Zeitverschwendung, sich an spanische Banken zu wenden. Blumen in einem Gewächshaus? Sie fanden diese Idee nicht sehr gut.”

Corella war auf die Hilfe der Niederlande – dem Land der Blumen – angewiesen. Doch der Spanier hatte etwas zu bieten, was in den Niederlanden recht knapp ist: Viele Stunden Sonnenschein. In einem verlassenen Industriegebiet in Soria fand Corella alles, was er brauchte. Sonnige Tage, kalte Nächte und ein Fluss mit sauberem Wasser. Mit Unterstützung des niederländischen Gartenbauunternehmens Dalsem aus Den Hoorn und der Forschungs- und Entwicklungsabteilung für Pflanzen und Blumen der Universität Wageningen wurde das größte und modernste Rosengewächshaus Europas gebaut.

Foto Koen Greven

Und das mit großem Erfolg. Von den etwa hundert Millionen Rosen, die nächste Woche um den Valentinstag herum von FloraHolland verkauft werden, kommen mehr als eine Million aus Spanien. Das Kronjuwel ist eine volle Rose mit bis zu achtzig Blütenblättern. Der Stiel variiert in der Länge von siebzig bis neunzig Zentimetern. Die rund vierzig Millionen Rosen, die Aleia Roses jährlich produziert, werden größtenteils direkt per Lkw an niederländische Blumenmärkte verschickt. Auch Rosen, die in Spanien verkauft werden, gehen in der Regel zuerst in die Niederlande.

Mit Wageningen verbunden

Das Gewächshaus im Norden Spaniens ist in mehrfacher Hinsicht ein Labor. Die Computer sind über ein Hightech-System ständig mit denen der Experten in Wageningen verbunden. So behalten sie jeden Schritt des Prozesses im Auge. Während des gesamten Anbauprozesses läuft ein spezielles Pflanzenschutzsystem, um Schädlinge möglichst biologisch zu bekämpfen. Der CO2-Gehalt im Gewächshaus, der für das Wachstum der Rosen unerlässlich ist, wird mit CO2 aus der Verbrennung von Biomasse im nahe gelegenen Kraftwerk erhöht.

Corella hat ein Auge für Innovation und Nachhaltigkeit. Vor allem aber hofft er, seine Leidenschaft für Rosen vermitteln zu können. Blumen werden in dem südeuropäischen Land als „lahm” und vor allem als „teurer Luxus” angesehen. Dennoch gibt es drei Ereignisse im Jahr, wenn auch ein Spanier sie nicht ignorieren kann. Nämlich Muttertag, Allerseelen und Valentinstag. Denn dann will plötzlich jeder die schönste Rose der Welt verschenken. Oder noch besser, sie von einem heimlichen Verehrer oder einem nicht so geheimen Verehrer zu bekommen.

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