Wenn ein Arzt die Diagnose Alzheimer stellt, ist es oft schon zu spät. Die Krankheit ist zu weit fortgeschritten, um behandelt werden zu können. Die Wissenschaftler Dr. Philip Scheltens vom Amsterdamer University Medical Center (UMC) in den Niederlanden und Dr. Klaus Gerwert von der Ruhr-Universität Bochum (RUB) arbeiten an einem Bluttest, der eine frühe Diagnose ermöglichen soll. Unter anderem dank der Unterstützung der Alzheimer Netherlands Foundation können sie nun für weitere zwei Jahre an diesem Projekt arbeiten. Es geht um den Nachweis von Biomarker-Proteinen, die für die Alzheimer-Krankheit typisch sind. Im Durchschnitt können Bluttests bereits acht Jahre vor der klinischen Diagnose auf Alzheimer hinweisen.

„Unser einfacher und kostengünstiger Bluttest kann die Krankheit in einem noch symptomfreien Stadium erkennen und Menschen identifizieren, die besonders gefährdet sind, an Alzheimer zu erkranken”, sagt Gerwert.

Die Diagnose Alzheimer kommt oft zu spät

„Derzeit scheitern vielversprechende Medikamente zur Behandlung von Alzheimer in klinischen Studien. Die Alzheimer-Krankheit wird in der Regel in einem späteren Stadium entdeckt, wenn die Therapie in den meisten Fällen zu spät kommt”, sagt Gerwert.

Bei Alzheimer gibt es eine Deformierung des Amyloid-Beta-Proteins, die 15 bis 20 Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome beginnt. Die falsch gefalteten Proteine verklumpen und lagern sich als Amyloid-Plaques im Gehirn ab. Dass im Gehirn etwas nicht stimmt, zeigt sich in vielen Fällen erst, wenn jemand die typischen Symptome der Alzheimer-Krankheit wie Vergesslichkeit zu entwickeln beginnt.

Der Test besteht aus einer Kombination von Verfahren. Die Deformation des Amyloid-Beta-Proteins im Blut kann mit einem Immun-Infrarotsensor gemessen werden. Mit der so genannten Simoa-Technologie kann das Verhältnis verschiedener Amyloid-beta-Varianten zueinander bestimmt werden. Die beiden Wissenschaftler haben herausgefunden, welches Verhältnis auf die Alzheimer-Krankheit hinweist.

Prof. Dr. Klaus Gerwert ©RUB, Kramer

In 70 Prozent der Fälle wurden bei den Bluttests Personen identifiziert, die später tatsächlich an Alzheimer-Demenz erkrankten. In neun Prozent der Fälle ergab der Test ein positives Ergebnis, aber die Probanden blieben gesund.

Das Team der beiden Wissenschaftler untersucht derzeit Blutproben aus einer Amsterdamer Studie mit 200 Probanden. Nach der aktuellen Standard-Diagnose sind diese Testpersonen noch nicht klinisch krank, sondern fühlen sich bereits subjektiv kognitiv eingeschränkt. Mit Hilfe des Tests wollen die Forscher nun anhand der Blutwerte vorhersagen, welche Testpersonen Alzheimer entwickeln werden.

Blutuntersuchungen als Routine-Screening

„Wenn das Alzheimer-Medikament Aducanumab oder ein anderes vielversprechendes Medikament wie Gantenerumab rechtzeitig die erwartete Zulassung erhält, besteht dringender Bedarf an einem Bluttest als Routine-Screening, um die Risikogruppen zu identifizieren”, sagt Klaus Gerwert.

Medikamente, die derzeit in klinischen Studien getestet werden, könnten das Fortschreiten der Krankheit stoppen, wenn sie in diesem frühen Stadium angewendet würden. Der Test ermöglicht auch die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze.

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