Wer glaubt, dass das selbstfahrende Auto die Zukunft ist, liegt falsch. Zumindest wenn es um das chaotische Durcheinander in Innenstädten wie Amsterdam geht. Diese sind so unübersichtlich und unvorhersehbar, dass es für autonome Fahrzeuge unmöglich wäre, die Verkehrssituation vorherzusagen. Das hat Carlo van de Weijer bei der Eröffnung des AI in Engineering Symposiums vorhergesagt. Er ist Direktor des neuen Eindhoven Artificial Intelligence Systems Institute (EAISI, ausgesprochen “easy” auf Englisch) an der TU Eindhoven in den Niederlanden.

Das Verkehrschaos im Zentrum von Amsterdam ist zu groß für selbstfahrende Autos. Foto: Lucette Mascini

Experiment in den USA

Van de Weijer arbeitete lange Zeit in der Automobilindustrie und wollte die Frage beantworten, warum wir immer noch nicht mit selbstfahrenden Autos durch das Land fahren. Der Grund ist, dass es sehr schwierig ist, automatisierte Fahrzeuge wie einen Menschen funktionieren zu lassen. Van de Weijer nannte ein Beispiel für ein Experiment in den USA, bei dem ein Roboterauto weiter auf der rechten Spur fuhr, während ein sehr langsamer Lastwagen auf der linken Spur neben ihm fuhr. Ein Drängler hinter dem Roboterauto wollte vorbei, konnte es aber nicht.

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Wäre der Roboter ein Mensch gewesen, wäre er wahrscheinlich schneller gefahren und der Drängler hätte vor dem LKW auf die linke Spur fahren können. (In den USA ist das erlaubt.) Aber weil der Roboter die Höchstgeschwindigkeit für die rechte Fahrspur, auf der er fuhr, beibehielt, tat er das nicht. Erst als der LKW Gas gab, ihn überholte und vor ihm einscherte, musste das Roboterauto das Tempo verlangsamen und der Drängler konnte auf die linke Spur und überholen.

Unfall auf der Autobahn

Ein weiteres Beispiel für ein fehlgeschlagenes Manöver war der Unfall eines Roboterautos auf der Autobahn. Der Fahrer kam ums Leben. Gemäß Forschungsergebnissen war der Grund, dass die weiße Linie auf der Fahrbahnoberfläche abgenutzt war, so dass der Sensor des Autopiloten sie nicht sehen konnte. Diese Situation hätte gelöst werden können, indem man die Fahrbahn so eingerichtet und gewartet hätte, dass alle selbstfahrenden Fahrzeuge sicher darauf fahren können. Für Menschen ist eine abgenutzte Fahrbahnmarkierung kein Problem, weil sie sich vorzustellen können, wo die Linien sein sollten, da sie die aus der Richtung fortführen, aus der sie gekommen sind.

In den USA crashte ein Roboterauto, weil die Markierungsline auf der Straße abgenutzt war und der Sensor sie nicht erkennen konnte Foto: Lucette Mascini

In Amsterdam gewinnt der Radfahrer

Für bestimmte Verkehrssituationen werde es nie eine Lösung für Roboterautos geben, erklärte Van de Weijer. Er zeigte ein Bild der Amsterdamer Innenstadt. Der Fotograf Thomas Schlijper hatte schon seit einiger Zeit den Verkehr an einer Kreuzung nahe der Korte Prinsengracht gefilmt. Der Film zeigte, ein Durcheinander von Radfahrern und Fußgängern, und es gab sogar zwei Radfahrer, die miteinander kollidierten.

Autofahrer warteten darauf, sich von links und rechts der Straße durch das Gewirr von Radfahrern und Fußgängern quetschen zu können. „Wenn man will, dass hier mal selbstfahrende Autos fahren, muss man alle in das KI-System der Autos miteinbeziehen“, sagte Van de Weijer. „Und selbst dann wird es nicht gut genug funktionieren. Hunde, Katzen, alles muss da drin sein. Das kann man unmöglich machen.”

An solchen Orten sei ein Auto einfach nicht das beste Transportmittel, so Van de Weijer. Das muss aber kein Problem sein: Da gibt es die Straßenbahn, die U-Bahn, das Fahrrad. Und auch zu Fuß gehen ist eine Option.

Roboterauto fährt auf Kommando vorwärts

Wenn wir selbstfahrende Autos in Zukunft nur noch für längere Strecken auf speziell dafür vorgesehenen Straßen haben, wird das Auto an einigen Stellen irgendwann von der Straße verschwinden. Die Idee ist, dass man dann ein Auto bestellen würde, das einen irgendwo abholt und irgendwo hinführt. Es ist kein Privateigentum mehr, sondern ein Shared Service.

In Zukunft werden wir einen selbstfahrenden Wagen bestellen, wenn wir irgendwo hinfahren müssen, sagt Direktor Carlo van de Weijer von EAISI voraus. Foto: Lucette Mascini

 

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