Der am meisten gelesene Artikel dieser Woche bei Innovations Origins war der Artikel über die Maßnahme der TU Eindhoven, in den kommenden achtzehn Monate nur Wissenschaftlerinnen einzustellen.

Deshalb haben wir das Thema genauer betrachtet und nach der Meinung eines Experten gefragt: Associate Professor Inge Bleijenbergh, Methodikerin an der Radboud University Nijmegen. Sie ist spezialisiert auf die Rolle der Geschlechter in Organisationen. Was hält sie von dieser Maßnahme der Technischen Universität Eindhoven? Gute Idee, oder nicht?

Was halten Sie von der Entscheidung der TU Eindhoven, in den nächsten anderthalb Jahren nur Frauen einzustellen?

Das ist eine ziemlich radikale Maßnahme des Vorstands der Technischen Universität Eindhoven. Aber wenn man bedenkt, dass sie in den letzten acht Jahren nicht in der Lage waren, eine größere Anzahl von Frauen anzuziehen und zu halten, ist das gerechtfertigt. Andernfalls geht der Organisation strukturell das wissenschaftliche Talent verloren, das im Pool der Frauen von Absolventen und Doktoranden vorhanden ist.

Auf Twitter kritisierten Menschen die Entscheidung, weil sie der Meinung waren, dass junge Männer diskriminiert werden.

Positive Diskriminierung gibt es vorübergehend innerhalb einer bestimmten Zielgruppe. In diesem Fall ist dies aber nach europäischem Recht zulässig, da die Frauengruppe innerhalb der TU-Organisation seit langem extrem unterrepräsentiert ist. Ziel der Maßnahme ist es, die Kultur der Organisation durch ein besseres Gleichgewicht von männlichen und weiblichen Werten zu verbessern. Davon werden auch die jungen Männer profitieren, wenn sie sich nach Ablauf der achtzehn Monate, in denen nur Frauen eingestellt werden, um einen Job an der TU bewerben. Sie werden dann in ein angenehmeres Umfeld kommen.”

Warum hat die TU Eindhoven in den letzten acht Jahren nicht genügend Frauen für wissenschaftliche Stellenangebote gewonnen?

Die Forschung hat gezeigt, dass es die Technischen Universitäten überwiegend maskulin bestimmt sind. Diese Kultur konzentriert sich mehr auf „Dinge” als auf „Beziehungen”. Dies ist oft in Organisationen der Fall, in denen viele STEMs arbeiten. Frauen fühlen sich dort oft weniger wohl. Das Problem der TU besteht daher nicht nur darin, dass zu wenig Frauen für wissenschaftliche Stellen eingestellt werden, sondern auch darin, dass die Frauen, die dort arbeiten, eher ausscheiden, um beispielsweise in der Wirtschaft zu arbeiten. Um sie zu behalten, muss man diese einseitige Kultur durchbrechen.”

Glauben Sie, dass diese Maßnahme einer alleinigen Einstellung von Frauen für eineinhalb Jahre funktioniert?

Ja, an der Technischen Universität Delft gab es über mehrere Jahre hinweg zehn reguläre Stellen pro Jahr nur für Frauen. Infolgedessen bekamen sie weitaus mehr Bewerbungen von Frauen als sonst. Weil sie wussten, dass sie ein ernsthafter Kandidat sein würden, bewarben sich sehr viele Frauen. Die TU Delft bekam so einen großen Pool an bisher unentdeckten Talenten. So konnten sie Stellen besetzen, die bisher nicht zu besetzen schienen. Also auch in dieser Hinsicht hat sich die Organisation verbessert.”

Der Ansatz der TU Eindhoven ist radikaler als der der TU Delft, weil sie anderthalb Jahre lang keine Männer, sondern nur Frauen einstellen werden. Warum?

Indem du eineinhalb Jahre lang nur Frauen einstellst, änderst du in kurzer Zeit die Zusammensetzung der Gruppe drastisch. Die Wirkung ist daher größer als bei einer schrittweisen Vorgehensweise.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Männer, die dort arbeiten und damit nicht einverstanden sind, Widerstand leisten?

Es ist wichtig, dass das Management erklärt, warum die Maßnahme durchgeführt wird: Damit die Organisation besser funktioniert und man alle verfügbaren technischen Talente besser nutzen kann. Davon werden auch Männer profitieren, wenn die Organisation vielfältiger zusammengesetzt ist. So schafft man Support.

Inwiefern wird die Organisation verbessert, wenn mehr Frauen als bisher arbeiten?

Je vielfältiger die Gruppe ist, desto mehr müssen sich die Mitarbeiter gegenseitig erklären, was sie meinen. Für die Entwicklung innovativer Produkte bedeutet das beispielsweise, dass sie besser durchdacht werden. Weil verschiedene Leute verschiedene Arten von Fragen stellen.