Heute und morgen ist München Gastgeber der Augmented World Expo (AWE), ein Treffen, das ganz im Zeichen von drei neuen und vielversprechenden Techniken steht: Augmented, Virtual und Mixed Reality (zusammen bekannt als XR). Zu Gast sind sowohl Entwickler als auch Vertreter interessierter Unternehmen; gemeinsam nehmen sie an Workshops teil, besuchen Vorträge und diskutieren miteinander über die Anwendungen. Einer dieser Vertreter ist Chris Koomen, VR-Pionier bei KLM. Innovation Origins sprach mit ihm über seinen Hintergrund in der VR-Welt, den Einsatz von VR in der Wirtschaft und seine Rolle als Panelmitglied während der AWE.

Es war 1996, als Chris Koomen zum ersten Mal die Virtual Reality kennenlernte, eine Technik, die damals noch große, schwere Brillen und eine unglaubliche Menge an Rechenleistung erforderte. „Als fanatischer Flugsimulator-Pilot wollte ich durch die Brille in mein Cockpit treten können. Das erschien mir wirklich faszinierend. Irgendwann brachte ich es zum Laufen, aber es war kein Headtracking eingebaut und die Aktualisierungsrate war völlig falsch – man wurde sehr schnell krank. Darüber hinaus sorgte die Kommunikation zwischen Auge und Hand – alles wurde mit der Maus gesteuert – für große Verwirrung. Es war nicht ideal, aber ich sah das Potenzial der Technik“, sagt Koomen. „Die Zeit war einfach noch nicht reif für VR. Die Computer waren zu umständlich und die Technologie war noch nicht ausreichend entwickelt.“

Koomen, der Virtual Reality jahrelang nur als Hobby betrachtete, hat eine bemerkenswerte Karriere: „Von klein auf wollte ich Pilot werden. Allerdings wurde ich wegen eines Unfalls abgelehnt, woraufhin ich lange Zeit in der Landwirtschaft und etwa sechs Monate lang als CV-Mechaniker arbeitete. Im Jahr 2007 kam ich zu KLM und wurde als Mechaniker eingestellt, wo ich die Möglichkeit hatte, an drei verschiedenen Flugzeugtypen zu arbeiten.“ Nach acht Jahren Arbeit im Hangar war es Zeit für etwas Neues. Koomen entschied sich, eine andere, neue Funktion in der Firma zu übernehmen: „Von diesem Moment an, im Jahr 2015, habe ich eigentlich komplett neu mit VR angefangen.“ Er untersuchte die Möglichkeiten und erhielt die Gelegenheit, mit einer Technik zu experimentieren, die heute bei der niederländisch-französischen Fluggesellschaft weit verbreitet ist.

Proof of Concept

Als Proof of Concept beschloss Koomen, sich einem wesentlichen Teil des Mechanikerberufs zu widmen: dem Sicherheitstraining. „In meiner Zeit im Hangar fand ich es immer seltsam, dass wir das gesamte Gebäude Jahr für Jahr evakuieren mussten. Immer mal wieder wurde es im Winter gemacht, und man wartete in der Kälte, bis man das Gebäude wieder betreten konnte; dies erschien mir nicht der richtige Weg zu sein. Deshalb habe ich gemeinsam mit Bildungsexperten eine VR-Erfahrung entwickelt, in der Mitarbeiter eine Reihe von Sicherheitsszenarien selbst erleben können. Was wir sehr schnell herausgefunden haben, ist, dass das Hangarpersonal es als eine sehr unterhaltsame Art zu lernen erlebt und, dass es am Ende viel mehr daraus gelernt wird. Wenn Mitarbeiter im VR-Umfeld eine bestimmte Wahl treffen, hat das direkte Auswirkungen auf das, was sie sehen. Wenn man zum Beispiel in den Aufzug tritt, sieht man tatsächlich, dass der Aufzug beginnt, sich mit Rauch zu füllen“, sagt Koomen. „Was man bemerkt ist, dass Benutzer es so realistisch erleben, dass sie schneller atmen und sich emotional einbringen“, fährt er fort.

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„Die letzten zwei Jahre waren eine sehr turbulente Zeit. Regelmäßig frage ich mich, was tatsächlich passiert ist. Von Grund auf habe ich alles eingerichtet, und jetzt arbeiten neun sehr enthusiastische Leute an verschiedenen Arten von VR-Programmen“, sagt Koomen. Die Tools, die aus dem KLM Digital Studio heraus entwickelt werden, kommen in den unterschiedlichsten Abteilungen des Unternehmens zum Einsatz. Das Cityhopper-Team, die Gastronomie sowie der Bereich Technik und Instandhaltung haben Newcomer mit Hilfe von VR-Apps geschult, die von Koomen und seinem Team entwickelt wurden. Seine Bemühungen führten dazu, dass Koomen einen renommierten Preis erhielt: Von den 32.000 Mitarbeitern, die KLM beschäftigt, wurde er zum „Pionier des Jahres“ gewählt.

Augmented World Expo

„Die Augmented World Expo ist eine Veranstaltung, bei der sich Spezialisten auf dem Gebiet der Augmented, Virtual (und Mixed Reality, Hrsg.) treffen“, erklärt Koomen. Mehr als 100 verschiedene Unternehmen wie Microsoft, Disney und Volkswagen zeigen ihre Ideen, und Experten und Pioniere sind auf fünf Bühnen verteilt. „Während der AWE werde ich zusammen mit einer Reihe anderer Experten auf dem Gebiet der Virtual Reality an einem Diskussionsforum teilnehmen. Einer dieser Kollegen ist Ewout van Dort, VR-Experte für Verteidigung. Als ich vor zwei Jahren bei der AWE in Amerika zu Gast war, traf ich ihn. Die Tatsache, dass ich jetzt mit ihm auf die Bühne gehen kann, schließt den Kreis. Ich bin wirklich sehr stolz darauf, dass ich dort jetzt nicht nur Gast bin, sondern auch meine Geschichte erzählen kann. Es ist ein wunderbares Ereignis, und ich bin sehr stolz darauf, meine Visionen teilen zu können.“