Das innovative Wasserunternehmen Nelen & Schuurmans aus Utrecht, Niederlande, wird in diesem Jahr ein Büro
in Taiwan eröffnen. In Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen und Wissensinstituten werden sie Lösungen für die schweren Hochwasser im Land erarbeiten. Ende März werden sie Teil einer niederländischen Handelsmission unter der Leitung von Bürgermeister Van Zanen von der Gemeinde Utrecht nach Taiwan sein, um die Kooperationen zu konkretisieren.

Nelen & Schuurmans ist ein Unternehmen, das vor zwanzig Jahren als Beratungsunternehmen für die Wasserwirtschaft gegründet wurde, sich aber im Laufe der Jahre zu einem IT-Unternehmen entwickelt hat. Aus ehemaligen Wettbewerbern sind inzwischen Kunden geworden, wie z.B. das Beratungsunternehmen Royal HasKoningDHV. Das hat alles mit der innovativen Art und Weise zu tun, wie Nelen & Schuurmans Daten zur Klärung von Wasserproblemen verwendet. Eines ihrer Produkte ist zum Beispiel die Software „3Di„, mit der Visualisierungen von Hochwasser in einer bestimmten Region erstellt werden können. Möglich wird dies, weil das Unternehmen alle verfügbaren Daten nutzt – vom Grundwasserstand, über die Schwellenhöhe, bis hin zur Anzahl der Bäume und Bodenarten. Mit diesen Daten führen sie alle Arten von mathematischen Berechnungen durch, mit denen sie im Detail vorhersagen können, welche Häuser, Straßen oder Stadtteile am stärksten von Überschwemmungen betroffen sein werden.

Smart City

Die Geschäftsführung von Nelen & Schuurmans. Zweiter von Links: Gründer und Direktor Fons Nelen.

Taiwan, ein Land, das sich regelmäßig mit Taifunen und den damit verbundenen Überschwemmungen beschäftigt, ist daher besonders an der Software von Nelen & Schuurmans interessiert. „In Taiwan sind sie oft an solchen „Smart City“-Lösungen beteiligt“, sagt Fons Nelen, einer der Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens.  „Es besteht großes Vertrauen in diese Technologie und es wird viel Geld für Hochwasserlösungen ausgegeben. Für uns ist es der ideale Bereich, um zu sehen, ob wir wirklich lokale Lösungen finden können.“

Das Land bringt für das niederländische Wasserunternehmen eine Reihe von technologischen Herausforderungen mit sich. „In den Niederlanden diskutieren wir über die Definition einer Klimadusche, ob sie nun siebzig oder achtzig Millimeter beträgt“, erklärt Nelen. „Das sind fünfhundert Millimeter Niederschlag an einem Tag. Das ist eine ganz andere Größenordnung. Es gibt auch einen großen Unterschied zwischen der taiwanesischen und der niederländischen Datenkultur.

„In den Niederlanden haben wir eine „offene Datenkultur“, in der Daten leicht erhältlich sind. Das ist sehr gut für die Innovation in unserem Land, und darauf können wir stolz sein. In Taiwan ist alles geheim.“

Der lokale Ansatz erfordert daher einen etwas anderen Ansatz als den Normalen. „Wir haben auch Kunden in England und Australien, aber die Engländer haben nichts dagegen, wenn unsere Software ihre Daten auf einem Server in Amsterdam ausführt. In Taiwan dürfen Daten das Land nicht verlassen“, sagt Nelen. Deshalb wird das Unternehmen mit lokalen Unternehmen zusammenarbeiten. Der Server wird sich in Taiwan befinden, sodass die Daten das Land nicht verlassen müssen. Darüber hinaus werden die Taiwanesen selbst mit den konkreten Lösungen arbeiten. Nelen & Schuurmans liefert die Software und berät.

International

Der Schritt nach Taiwan ist ein Beispiel für die internationale Ausrichtung von Nelen & Schuurmans. Nelen erklärt: „Wir hören oft, dass die Niederlande ein Wissensland sind, aber ich denke nicht, dass wir sehr gut darin sind, dieses Wissen zu vermarkten. Niederländische Wasserexperten gehen ins Ausland, um eine Studie durchzuführen oder einen Bericht zu erstellen, aber danach ist er auch fertig. Ich denke, wir haben hier ein gutes Modell gefunden, mit dem das Wissen verkauft werden kann.“

So wie es vor zwanzig Jahren ein Traum war, mit der eigenen Software zu arbeiten, hat der Traum heute einen internationalen Vorteil. Nelen: „Ich hoffe, dass die Niederlande als Wasserland und Wissensland zum Silicon Valley der Wasserwirtschaft werden, damit wir hier jedes Wasserproblem lösen können.“