Astaxanthin ist das erste Produkt, mit dem das Bielefelder Start-up Bicomer die Futtermittel- und Kosmetikindustrie durch Biotechnologie nachhaltiger gestalten möchte. Denn das hochwertige Karotinoid zeichnet sich nicht nur durch seine rote Farbe aus. Es ist vor allem ein vitaminartiger Inhaltsstoff, der gerne für Fisch- und Geflügelfutter genutzt wird. Sogar Triathleten schwören auf seine Wirkung als Nahrungsergänzungsmittel. Zudem wird es als Antioxidans und UV-Absorber in der Kosmetikindustrie verwandt.

Grund genug also für die Wissenschaftler der Uni Bielefeld ihr Know-how in punkto Biotechnologie in die Herstellung von natürlich produziertem Astaxanthin zu stecken. Und zwar soll dies durch die Fermentierung mit Hilfe des Bakteriums Corynebacterium glutamicum geschehen. Durch diese Art der Vor-Ort-Produktion werden der Energieverbrauch sowie der Anfall toxischer Nebenprodukte verringert. Zudem kann somit auf erdölbasierte Produkte verzichtet werden. Ein wesentlicher Schritt also, um unsere Welt ein bisschen besser zu gestalten.

 

Gründerin Dr. Nadja Alina Henke im Gespräch mit der Innovation Origins

Founder Bicomer: Dr. Nadja Alina Henke @Bicomer

Wie kamen Sie auf die Idee zur Gründung des Start-ups?

Aus den Ergebnissen meiner Doktorarbeit ‒ ich forschte an dem Stoffwechselweg der Karotinoide (Pigmente) ‒, ergab sich zunächst das Potential zur Weiterarbeit. Gleichzeitig lag es auf der Hand, dass meine Erkenntnisse in dem Bereich der Karotinoidproduktion für die Industrie von Nutzen sein könnten. Somit war – insbesondere bei dem von mir durch Fermentation hergestellten Produkt Astaxanthin ‒, klar, dass hieraus ein Geschäftsmodell entstehen würde. Denn normalerweise wird Astaxanthin auf Basis von Erdöl hergestellt, was in unserer heutigen Zeit kritisch betrachtet wird, da es nicht nachhaltig ist.

Wo sehen Sie die speziellen Einsatzbereiche?

Dank der farbgebenden Eigenschaften von Astaxanthin wird es insbesondere in Futtermitteln der Fisch- und Geflügelzucht eingesetzt. Dieser Farbstoff ist verantwortlich für die Farbe des Lachsfleisches oder aber auch die Farbe vom Eigelb. Auch Extrem-Sportler nehmen den Wirkstoff gerne, zum Beispiel zur Immunabwehr und Regeneration nach dem Training, ein. In der Kosmetikindustrie dient Astaxanthin als Antioxidans in Anti-Aging Produkten und als UV-Schutzmittel in Sonnencremes.

Was macht das Produkt im Vergleich zu anderen Produkten besonders?

Unser Produkt wird auf natürliche Art und Weise in einem biotechnologischen Prozess gewonnen. Das heißt, der Vorteil des durch Fermentation hergestellten Produktes ist, dass auf erdölbasierte Herstellung verzichtet werden kann. Das von mir entwickelte Verfahren ist besonders nachhaltig. Es spart nicht nur Zeit, sondern ist besonders umweltschonend. Wir können in unserem Prozess nachhaltige Substrate oder aber auch Abfallstoffe der Agrarindustrie verwerten, um das hochwertige Astaxanthin zu gewinnen.

Die zur Herstellung notwendigen Produktionsprozesse sind übrigens bereits in ähnlicher Form industriell etabliert, beispielsweise in der Millionen-Tonnen-Maßstabs-Produktion von der Aminosäure Lysin. So können wir unsere Entwicklung später auch im sehr großen Maßstab fahren.

Was war die größte Hürde, die Sie anfangs überwinden mussten?

Die Sicherstellung der Finanzierung meines Projektes. Ich habe parallel zu meiner Doktorarbeit an weiteren wissenschaftlichen Publikationen und einem Förderantrag für das Start-up gearbeitet. Das war taff, aber es hat sich ausgezahlt.

Gab es einen Moment, an dem Sie aufgeben wollten?

Nein, aufgeben wollte ich nie. Mir macht die Arbeit Spaß und da ich aus der Wissenschaft komme, weiß ich, dass jedes Projekt Höhen und Tiefen besitzt. Dementsprechend war ich immer zuversichtlich, dass nach jeder Talfahrt auch wieder gute Zeiten kommen werden.

Was war für Sie in Bezug auf die Gründung der beste Moment, was hat Sie besonders stolz gemacht?

Jedes Mal, wenn ich einen Fortschritt erzielte, wenn ich sah, dass meine Visionen mehr und mehr Realität wurden, machte mich das natürlich schon sehr stolz. Aber manchmal sind und waren auch die Gespräche mit Teamkollegen sehr bewegend. Es ist einfach ein unbeschreibliches Erlebnis zu sehen, dass alle an einem Strang ziehen und für das Start-up brennen. 

Worauf dürfen wir uns in den nächsten Jahren freuen, sprich: Was können wir in den kommenden Jahren von Ihnen erwarten?

Unser Team wird sich in der Zukunft noch einmal verdoppeln und so können wir dann neben einem ausgereiften Prozess zur Astaxanthin-Herstellung auch weitere interessante Produkte für die Kosmetikindustrie am Markt anbieten. Ich suche immer nach neuen Herausforderungen um biotechnologisches Wissen in Produkte zu überführen. Wir werden den Erfolg nutzen, um weiter zu wachsen und spannende Forschung in die Anwendung bringen. Wir planen, viele weitere Ergebnisse aus der Biotechnologie für praktische Einsatzbereiche zugänglich zu machen.

Was treibt Sie jeden Morgen an?

Mich treibt an, dass ich mit einem netten Team an einem spannenden Projekt arbeiten kann. Ich sehe das Start-up als Chance an, da ich immer wieder Neues lerne und über mich hinauswachsen kann.

„Wenn die eigene Idee Früchte trägt und andere begeistert, ist das die größte Art des Erfolges für mich.“

Wie ist Ihre Vision: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 5 Jahren und was ist Ihr ultimatives Ziel?

In 5 Jahren sind wir hoffentlich ein anerkannter Produzent von natürlichem Astaxanthin. Mein ultimatives Ziel ist es die Plattformtechnologie – also den Mikroorganismus den wir verwenden – weiterzuentwickeln und mehr und mehr Produkte am Markt zu platzieren.