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Studie der TU Graz zeigt: Innovative Holzbautechnologie kann in Graz wertvolle Bausubstanz retten und bodensparend zusätzlichen Wohnraum für bis zu 36.000 Menschen schaffen. „Faltwerk“-Lösung schützt die Altstadt und sichert Grünraum.

Im Bautechnikzentrum der Technischen Universität Graz präsentierten Wohnbaulandesrat Hans Seitinger und Holzbau-Professor Gerhard Schickhofer am 10. November 2021, Lösungsansätze für sanierungsbedürftige Dachstühle in der Grazer Altstadt. Basis dafür ist eine Studie des Instituts für Holzbau und Holztechnologie der TU Graz, die im Auftrag des Lebensressorts durchgeführt wurde so Tu Graz in einer Pressemeldung.

Lückenlose Bestandserfassung gefordert

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Graz haben im Zuge ihrer Forschungsarbeiten 45 historische Dachkonstruktionen der Landeshauptstadt unter die Lupe genommen und die Ergebnisse sind erschreckend: „Bei 82 Prozent der untersuchten Dachwerke ist innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Instandsetzungsbedarf gegeben. Es wäre daher wünschenswert, den Bestand aller historischen Dachwerke lückenlos zu erfassen, um ein Gesamtbild vom Zustand der Altstadt-Dachlandschaft zu erhalten. Neben den Besitzerinnen und Besitzern der schutzwürdigen Gebäude hat auch die Stadtpolitik eine besondere Verantwortung, um drohende Abrisse zu verhindern“, betont Gerhard Schickhofer.

Vertikale Verdichtung schafft Wohnraum und sichert Grünflächen

„Es besteht dringender Handlungsbedarf, um die historische Dachlandschaft vor dem Verfall zu schützen. Nutzen wir die notwendigen Sanierungen um zusätzlichen Wohnraum sowie mehr Wohnqualität zu schaffen und Bodenverbrauch zu verhindern. Wenn wir nur die geeignetsten Dächer außerhalb der historischen Kernzone heranziehen, können wir bis zu 36.000 Menschen nachhaltige Wohnungen mit bester Infrastruktur bieten. Damit kann der erwartete zusätzliche Wohnbedarf der Landeshauptstadt durch Bevölkerungswachstum für zwölf Jahre gestillt werden“, erläutert Wohnbaulandesrat Hans Seitinger. Gerade in urbanen Räumen, wo man den Erhalt von Grün- und Erholungsflächen anstrebt, gilt es, das Potential von bereits bebauten Flächen, etwa durch Aufstockungen oder Dachbodenausbauten zu nutzen.

Innovativer Holzbau liefert technische Lösung

Auf Basis eines an der TU Graz erstellten Aufstockungskatasters wurden die entsprechenden Blockstrukturen in einem ersten Schritt hinsichtlich ihres Potentials für eine Erweiterung untersucht. Dabei wurde auch die rechtliche Situation geprüft: Wenn die Kontur unverändert bleibt und die Gebäudehülle entsprechend ausgestaltet wird, steht der Nachverdichtung bei nicht erhaltenswerten Dachstühlen nichts entgegen. Damit wird auch das geschützte Erscheinungsbild der Grazer Altstadt erhalten. Ziel der Studie war es in weiterer Folge auch, konkrete Aufstockungsvarianten durch modulare Holzbausysteme zu untersuchen und so konkrete Möglichkeiten für die Schaffung von neuem Wohnraum anzubieten. Am geeignetsten erwies sich die „Faltwerk“-Lösung, ein Verdichtungskonzept durch vorgefertigte Holzelemente, bei dem die ursprüngliche Dachform beibehalten wird. Diese innovative Lösung erlaubt eine stützenfreie und enorm flexible Gestaltung des Dachraumes in Form einer zweigeschossigen Nutzungsmöglichkeit. Darüber hinaus genügt die „Faltwerk“-Lösung sowohl den Anforderungen an Gebäude in ASVK-Schutzzonen als auch allen statisch-konstruktiven und bauphysikalischen Ansprüchen.

Ausblick

Im nächsten Schritt ist die Etablierung der „Faltwerk“-Lösung bei einem Pilotprojekt geplant. Daher wird die TU Graz mit Unterstützung des Lebensressorts auch den Bau eines Prototyps wissenschaftlich begleiten. Interessierte Besitzerinnen und Besitzer können sich beim Institut für Holzbau und Holztechnologie der TU Graz melden. Dachgeschossausbauten zur Neuschaffung von Wohnraum sind zudem im Rahmen der Sanierungsförderung des Landes Steiermark förderbar.

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