Industry 4.0, Mitarbeiterkompetenz, Start-ups und Green Economy – das sind die Säulen, auf denen die neue polnische Regierung Innovationen im Land aufbauen will.

Seit fast einem Monat hat Polen eine neue/alte Regierung. Neu, da es das Ergebnis der Parlamentswahlen vom Oktober ist. Alt, weil die Wahl von der regierenden Partei „Recht und Gerechtigkeit“ gewonnen wurde und Mateusz Morawiecki wieder Premierminister wurde.

Jadwiga Emilewicz

Obwohl sich die Zusammensetzung der Regierung leicht verändert hat, sind immer noch dieselben Personen in den für Innovation zuständigen Ministerien vertreten. Jarosław Gowin (der auch stellvertretender Premierminister ist) blieb Minister für Wissenschaft und Hochschulwesen. Jadwiga Emilewicz hat ihre Aufgaben erweitert und ist nun als Entwicklungsministerin auch für Wirtschaft, Innovation sowie für Bau und Tourismus zuständig. Diese Woche haben diese beiden Ministerien dargelegt, welche Pläne der polnischen Regierung zum Thema Innovationen hat. Sie taten dies zusammen mit anderen Ministerien und Regierungsstellen, die den Innovationsrat bilden. Das Land will seine Aktivitäten und seine Förderungen auf vier Hauptbereiche konzentrieren.

Industry 4.0 steht an erster Stelle

Industry 4.0 ist – wie in der industriellen Revolution und der digitalen Transformation – einer der modischsten Begriffe der letzten Jahre. Auch polnische Unternehmen sind sich dessen bewusst. Doch bei der Umsetzung und der Suche nach Mitarbeitern mit den notwendigen Kompetenzen gibt es Probleme. Daher möchte die Regierung Unternehmer ermutigen, in Automatisierungslösungen zu investieren. Wie? Erstens will sie Steuerbefreiungen nutzen. „Im ersten Halbjahr werden wir ein Pro-Investitions-, Pro-Automatisierungs- und Pro-Robotisierungspaket präsentieren. Dies sollte es den Unternehmern erleichtern, teure Investitionen zu tätigen, indem sie im Gegenzug geeignete Anreize erhalten“, sagt Ministerin Jadwiga Emilewicz.

Das Paket soll Lösungen wie eine entwicklungsfördernde CIT-Steuererleichterung im Zusammenhang mit dem Wachstum des Unternehmens beinhalten. Dies ermöglicht es einem Unternehmen, für jeden in Maschinen und Anlagen investierten 1 PLN (ca. 20-25 Eurocent) ca. 2,5 PLN (ca. 50 Eurocent) bei der Steuer wieder einzusparen. Zweitens hat die Regierung eine substantielle Unterstützung für Unternehmen angekündigt, die sich für die Einführung neuer Technologien entscheiden. In Polen wird es im nächsten Jahr mehrere Orte geben, an denen kleine und mittlere Unternehmen ihre Produkte testen können.

Kompetenzen der Mitarbeiter

Andererseits will die Regierung die Unternehmen ermutigen, ihre Mitarbeiter weiterzubilden und deren Kompetenzen zu erhöhen. „Heutzutage haben wir eine Situation, in der ein Absolvent, der die Universität verlässt und in ein großes Unternehmen eintritt, mehr weiß als das Unternehmen“, so Ministerin Emilewicz. Sie fügt hinzu, dass die Regierung die Unternehmen ermutigen wolle, in ihre Mitarbeiter zu investieren. Dies soll ebenfalls mit Steuererleichterungen verknüpft werden. Auch sollen Programme wie die Implementierungspromotion fortgeführt werden. Hierbei erhalten Unternehmen Unterstützung, damit sie Doktoranden einstellen können, die in der Lage sind, ihre spezifischen technischen Probleme zu lösen. Einer der von der Regierung unterstützten Bereiche ist die künstliche Intelligenz. „Im letzten Wettbewerb um Implementierungspromotionen stand eine Menge Geld für künstliche Intelligenz zur Verfügung. Wir wollen in diesem Bereich mit den modernen westeuropäischen Ländern konkurrieren“, so der stellvertretende Ministerpräsident Jarosław Gowin.

Start-ups

Start-ups werden weiterhin das Schoßkind der Regierung sein. Die letzten vier Jahre waren eine Zeit großer Veränderungen im polnischen Start-up-Ecosystem. So sind beispielsweise die staatlichen Programme zur Zusammenarbeit zwischen Start-ups und staatlichen oder privaten Unternehmen sehr beliebt geworden. Gesetzesänderungen wurden vorgenommen, um Gründungen zu erleichtern.

„Heute steht Polen bei der Gesetzgebung an der Spitze Europas. Im polnischen Rechtssystem wird die Registrierung der Aktionäre im Vertriebssystem vermerkt. Wir haben es Business Angels und Investmentfonds erleichtert, in Technologieunternehmen zu investieren. Und wir sind bereit für mehr. Wir werden mit den verschiedenen Fonds und mit Business Angels darüber sprechen, welche steuerlichen Anreize wir ihnen in dieser Hinsicht noch geben können.“ Das sagte Ministerin Jadwiga Emilewicz. Allerdings wird es auch Geld für Start-ups geben. Der Polnische Entwicklungsfonds, der als Fonds für Fonds fungiert, schätzt, dass er in den kommenden Jahren über rund 4 Milliarden PLN (ca. 1 Milliarde Euro) zur Unterstützung junger Unternehmen verfügen wird. Mit diesem Geld werden rund 300-500 Unternehmen gegründet.

Geplant sind auch so genannte Sandboxen. Das sind Testräume, in denen junge Unternehmen aus ausgewählten Branchen ihre Produkte testen können, ohne verpflichtet zu sein, bestimmte gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Wir beginnen mit der Einrichtung einer Sandbox für Fintech- und Biotech-Unternehmen. Ein spezielles Programm wird auch für Unternehmen aus der 4.0-Branche gestartet, die ihre Erfindungen auf den Weltmarkt bringen wollen. Eine weitere Idee ist das „start-up leave“. Mitarbeiter bekommen hier die Möglichkeit, eine eigene Geschäftsidee auszuprobieren. Im Falle des Scheiterns kann der Mitarbeiter dann an seinen Arbeitsplatz zurückkehren.

Die Regierung will weiterhin ausländische Start-ups und Innovatoren nach Polen holen und sie ermutigen, ein Unternehmen im Land zu gründen. Dazu wurde in den vergangenen Jahren das Programm Poland Prize gestartet. „Das Interesse am Programm übertraf unsere Erwartungen. Über zweitausend Anträge wurden eingereicht, und derzeit werden über 100 Unternehmen gegründet. Es lohnt sich für uns, dieses Programm fortzusetzen. Lasst sie hier arbeiten, lasst sie polnische Start-ups werden“, so sagte Małgorzata Oleszczuk, Präsidentin der Polnischen Agentur für Unternehmensentwicklung.

Last but not least – green economy

Laut Ministerin Emilewicz wird für die nächsten vier Jahre eine Zeit solider Investitionen in „Greening the Economy“ erwartet. Die Regierung plant, in diesem Bereich weitere steuerliche Anreize zu schaffen, ebenso wie Präferenzen für grüne Technologien bei öffentlichen Aufträgen und Wettbewerbe zur Entwicklung polnischer grüner Lösungen.