Fausto Panizzolo ist ein talentierter italienischer Forscher, der sich auf Biomechanik und Bewegungsanalyse spezialisiert hat. Er reiste jahrelang zwischen Kanada, Australien und den Vereinigten Staaten umher, um seinen Traum von der Entwicklung neuer technologischer Lösungen für Menschen mit Mobilitätsproblemen zu planen und zu verwirklichen. Eine nicht enden wollende Suche, die ihn dazu brachte, sich für ein Leben zu entscheiden, in dem er gegen den Strom schwimmt. Nach sieben Jahren kehrte er nach Padua zurück. Eine kleine Stadt in der Region Venetien, in der sich eine der ältesten Universitäten der Welt befindet. Dort gründete er das Start-up-Unternehmen Moveo Walks. Seine Mission ist es, die Mobilität zu verbessern, eine neue Generation von Hilfsmitteln zu entwickeln, die bequem, leicht und komfortabel sind.

Wie war es, wieder in Italien zu leben und zu arbeiten?

Viele Leute stellen mir diese Frage, und um ehrlich zu sein, hatte ich das Gefühl, nie weggewesen zu sein. Als hätte ich in der Zeit dazwischen andere Leben gelebt hätte. Ich bin froh, dass ich zu meinen Wurzeln zurückgekehrt bin. Aber leider war es wirklich schwierig, hier ein Start-up zu gründen. Ich hatte absolut keine Ahnung, dass es so komplex ist.

Was waren Ihre Hauptprobleme?

Ich habe einen wissenschaftlichen und technologischen Hintergrund und begann mit einer klaren Idee, die auf meinen Studien basierte und hatte Vertrauen in die Ergebnisse, die wir schnell erreicht haben. Leider hat uns das bürokratische Ökosystem Italiens nicht unterstützt. Im Gegenteil, es hat uns viel Energie gekostet. Alles war sehr anstrengend. Wir brauchten nicht nur finanzielle Hilfe, sondern auch Personal, eine Infrastruktur und alle Arten von Dienstleistungen. Anfangs bekamen wir Mittel von Business Angels und Leuten, die mich persönlich unterstützten. Aber es wurde bald klar, dass dies nicht ausreichen würde, um es voranzubringen. Dann begannen wir Gespräche mit institutionellen Investoren. Im Laufe der Jahre haben wir die fehlenden Ressourcen mit viel Entschlossenheit und Engagement überwunden.

War es das wert?

Ja, wenn man bedenkt, dass unser Exoband-Gerät vielen Menschen helfen kann, wieder zu gehen. Es ist ein tragbares Exoskelett, das die körperliche Bewegung verbessert und speziell für ältere Menschen entwickelt wurde. Aber auch für Menschen, die an Mobilitätsproblemen oder Krankheiten wie Multiple Sklerose, Rehabilitation nach Schlaganfall, Parkinson oder Arterienverengung leiden.

Ich vermische die wissenschaftliche und die poetische Seite meiner Arbeit, denn neben der Technik dürfen wir die menschlichen Grundbedürfnisse nicht vergessen. Die Tatsache, dass wir helfen zu gehen und sich zu bewegen, hat mich immer fasziniert, und ich bin stolz darauf, wie wir inmitten so vieler Schwierigkeiten arbeiten. Ernsthaft und ohne Kompromisse.

In Italien neigen wir dazu, still zu stehen und uns nicht darauf zu verlassen, Risiken einzugehen, auch wenn es um Investitionen geht. Aber wenn ich daran denke, dass ich vor drei Jahren noch nicht einmal ein Büro hatte und dass ich in den Bars der Stadt gearbeitet habe, kann ich nur lächeln. Heute sind wir zu sechst. Vier in Italien, wo wir mit mehreren Professoren der Universität Padua in der Forschung und Entwicklung tätig sind. Und zwei sind in Boston stationiert, wo die geschäftliche Seite von meinem Partner Livio Valenti koordiniert wird.

Wann hatten Sie zum ersten Mal die Idee für ein weiches Exoskelett?

Nach drei Jahren Forschung an der School of Engineering and Applied Sciences in Harvard, wo ich ein komplexes motorisiertes Exoskelett entwickelt habe, fragte ich mich: Warum gibt es kein passives Gerät? Seltsam, aber wahr, es gab keine solche Vorrichtung, abgesehen von ein paar wissenschaftlichen Artikeln. So entstand das Exoband, aus einer scheinbar sehr einfachen Idee heraus. Ein vereinfachtes Exoskelett ohne Motoren, Sensoren, Batterien und alle Arten von Elektronik. Wir arbeiteten an einer Mischung aus durchlässigen und funktionellen Stoffen, was die Kosten niedrig hielt.^

Wie funktioniert es?

Der Gurt ist durch passive Vorrichtungen mit den Beinschlaufen verbunden, die in der ersten Phase des Laufzyklus Energie speichern und gibt sie dann in der Vorwärtsbewegung wieder zurück. Das hilft der Person, wenn sie ihr Bein für den nächsten Schritt bewegen muss. Auf den ersten Blick mag es sehr einfach erscheinen, aber dahinter stehen die neuesten Studien zur Biomechanik, Routenanalyse und die gründliche Kenntnis der Muskelfunktion.

Wie sehen die nächsten Entwicklungen in den kommenden Jahren aus?

Wir wollen Sensoren zur Überwachung der Qualität und Quantität des Gehens hinzufügen, die diese Informationen in ein Portal einspeisen werden, das es Ärzten und Physiotherapeuten ermöglicht, den Fortschritt eines Patienten auch aus der Ferne zu überwachen.

Titelbild: v.l.n.r..: Maria Luisa Maniero, Laura Di Liddo, Samuel Mazzolin und Fausto Panizzolo.