Dubrovnik, Kroatië. Foto: Pixabay
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Eine Krise wie die Corona-Pandemie verlangt nach rigorosen Maßnahmen. Die EU hat 723,8 Milliarden Euro für den Corona-Aufbaufonds (Recovery and Resilience Facility, RRF) zur Verfügung gestellt, um die europäische Wirtschaft aus der durch Corona verursachten Rezession herauszuholen. Um einen Anteil an diesem großen Geldtopf beanspruchen zu können, müssen die Mitgliedstaaten der Europäischen Kommission einen Plan vorlegen. In der Serie Decarbonizing Europe nehmen wir diese Pläne unter die Lupe. Diese Woche: Kroatien.

Nicht nur die Pandemie hat in Kroatien in den letzten Jahren große Schäden hinterlassen. Zwei verheerende Erdbeben richteten ebenfalls große Schäden an und kommen das Land teuer zu stehen. Kroatien wird mit 6,3 Milliarden Euro an Zuschüssen aus dem europäischen Corona-Aufbauplan unterstützt. Ein großer Teil davon, nämlich 40,3 Prozent, ist für das Klima bestimmt. Der Plan zielt vor allem darauf ab, die nach den Erdbeben stark reparaturbedürftigen Gebäude nachhaltiger zu gestalten. Darüber hinaus steht die nachhaltige Mobilität im Mittelpunkt. 20,4 Prozent des Plans fördern den digitalen Wandel.

Energieeffiziente Gebäude

789 Millionen Euro sind für den Wiederaufbau der vom Erdbeben betroffenen Gebäude vorgesehen, wobei die Energieeffizienz einen Schwerpunkt bildet. Sie werden nicht nur erdbebensicherer, sondern sparen auch mindestens 30 Prozent Energie im Vergleich zum Zustand vor der Sanierung. Dies wird einen wesentlichen Beitrag zu einer saubereren Umwelt leisten.

Neven Duic ist Professor an der Universität Zagreb und arbeitet in der Abteilung für Energie, Energietechnik und Umwelt. Eine der größten Herausforderungen, denen sich das Land in den kommenden Jahren im Hinblick auf die Nachhaltigkeit stellen wird, ist seiner Meinung nach der Ersatz der Gaskessel in den Gebäuden. „Nach den Erdbeben wurden viele Gaskessel erneuert, während wir uns eigentlich viel stärker auf Alternativen zu Gas wie Wärmepumpen und Fernwärme konzentrieren müssen, wenn wir schneller vorankommen wollen.“ 

Doch wie sieht eine solche nachhaltige Alternative aus? Kroatien liegt an der Adria und profitiert von dieser Lage. Duic beschreibt, wie Wärmepumpen, die mit Meerwasser betrieben werden, dazu beitragen können, Gebäude nachhaltiger zu machen. Diese Wärme kann im Falle von Hotels und Krankenhäusern direkt oder über Fernwärme geliefert werden. „Kroatien arbeitet schon seit langem an der Meerwasserheizung. Wir könnten ganz Nordkroatien damit beheizen. Wir könnten auch erneuerbare Energiequellen wie Erdwärme und Abwärme viel stärker nutzen. Sie hat wirklich viel Potenzial. Daher befürchte ich, dass die Gaskessel in renovierten Gebäuden schon bald durch nachhaltigere Alternativen ersetzt werden müssen.“

Eisenbahnen und Elektroautos

728 Millionen Euro werden für eine nachhaltigere Mobilität bereitgestellt, die in Kroatien noch weit von der Klimaneutralität entfernt ist. Das kroatische Eisenbahnnetz zum Beispiel könnte viel besser sein. „Bislang haben wir hauptsächlich in Straßen investiert. Es ist an der Zeit, auf eine sauberere Art des Reisens umzusteigen. Das Eisenbahnnetz ist ein wichtiger Teil davon.“

Und für diejenigen, die trotzdem auf der Straße unterwegs sein wollen: Es wird Geld für Elektrofahrzeuge freigegeben. Unter anderem wird es landesweit etwa 1.300 Ladestationen geben. „In Kroatien beträgt der Marktanteil von Elektrofahrzeugen nur 2 Prozent. Wir empfangen viele Touristen, die mit Elektroautos zu uns kommen. Deshalb müssen wir eine Struktur für Ladestationen entwickeln. Dies ist nicht nur für das Klima, sondern auch für die Wirtschaft wichtig. Es ist also ein sehr wichtiger Teil des Plans.“

Wasserstoff und Biokraftstoffe

Kroatien hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 mehr als 36 Prozent erneuerbare Energiequellen zu nutzen. 658 Millionen Euro werden für die Energiewende und die Modernisierung der Energieinfrastruktur bereitgestellt. Dabei spielen unter anderem grüner Wasserstoff und fortschrittliche Biokraftstoffe eine zentrale Rolle.

„Ich war ziemlich überrascht, als ich hörte, dass wir als Land bereits so viele Anstrengungen für grünen Wasserstoff unternehmen. Wasserstoff passt in eine nachhaltige Zukunft, aber es gibt auch Stolpersteine auf dem Weg dorthin, und es bedarf weiterer Forschung und Investitionen in nachhaltige Quellen, bevor wir Wasserstoff in großem Umfang in unserem Land einsetzen können. Ein Grund dafür ist, dass die Elektrizität noch nicht ausreichend erneuerbar ist. Wasserstoff ist nur dann sinnvoll, wenn er kohlenstoffarm ist, d. h. hauptsächlich aus grünem Strom in den Stunden erzeugt wird, in denen ein Überschuss vorhanden ist, und davon gibt es nur ein paar hundert Stunden im Jahr. Ich persönlich würde mich für eine Technologie entscheiden, die in kürzester Zeit in großem Maßstab eingeführt werden kann. Aber es ist trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung.“

Kroatien war schon immer führend bei der Verwendung von Biokraftstoffen, und auch der Plan konzentriert sich darauf. Duic sieht das positiv: „Ich sage voraus, dass die globale Luftfahrt in Zukunft verstärkt davon Gebrauch machen wird. Obwohl es immer noch ein teurer Brennstoff ist, interessieren sich mehrere Länder zunehmend für ihn.“

CO₂-Abscheidung

Auch Kroatien investiert in die CO₂-Abscheidung. Das Land hat Investitionen in zwei spezifische Projekte vorgesehen. Ein Pilotprojekt wird in der Ammoniakproduktionsanlage von Petrokemija Kutina durchgeführt. Hier wird CO₂ aufgefangen und über eine bestehende Gaspipeline zu erschöpften Öl- und Gasfeldern in Ivanić Grad, Kroatien, transportiert. Das Projekt zielt darauf ab, 190.000 Tonnen CO₂ pro Jahr abzuscheiden. Eine zweite Investition wird in eine CCS-Anlage fließen, die Teil eines Ethanol-Raffinerieprojekts sein wird. Das Projekt soll 55.000 Tonnen CO₂ pro Jahr abscheiden, die zu erschöpften Gasfeldern etwa 40 Kilometer vom Standort entfernt transportiert werden.

Digitaler Wandel: Anbindung der ländlichen Gebiete

Was die Digitalisierung betrifft, so steht Kroatien vor der Herausforderung, abgelegene ländliche Gebiete anzuschließen. Diese Gebiete sind u. a. in Bezug auf Gigabit-Anschlüsse im Rückstand. Geplant ist die Finanzierung von Breitbandinfrastrukturen in Gebieten, in denen kein ausreichendes kommerzielles Interesse besteht. Dies dürfte dazu beitragen, die digitale Kluft in Kroatien zu verringern. Die Investition wird etwa 20 Projekte der lokalen Behörden umfassen. Rund 700.000 Einwohnern soll geholfen werden.

Eine Menge Arbeit

Die größte Herausforderung bei der ganzen Geschichte bleibt laut Duic der Ersatz der Gasheizkessel. „Und die Tatsache, dass sie subventioniert werden, ist sicherlich nicht hilfreich. Viele Heizkessel sind brandneu. Und doch werden sie hoffentlich alle irgendwann durch Wärmepumpen ersetzt werden. Das ist immer noch eine Menge Arbeit.“

Aber alles in allem sieht der Plan gut aus, „wenn die Umsetzung mindestens so gut ist, wie es auf dem Papier steht“, so der Professor. „Manchmal ist unser Land einfach zu bürokratisch. Wir sind sehr gut darin, zu spät zu handeln. Das haben wir schon einmal erlebt. Wir mussten schon früher europäische Mittel zurückgeben, weil wir sie nicht ausgegeben hatten. Hoffen wir, dass wir jetzt wirklich zur Tat schreiten werden.“

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