Die deutsche Forschungseinrichtung Fraunhofer bringt seine International Data Space (IDS) Initiative in die Niederlande. Auf dem Brainport Industries Campus (BIC) wurde im Rahmen der Smart Industry Kampagne eine Forschungsstelle eingerichtet, um eine sichere Umgebung für geschäftssensible Daten wie etwa Konstruktionszeichnungen von Produkten zu entwickeln. Ziel ist es, das schon existierende Smart Connected Suppliers Network, welches von Brainport Industries geleitet wird, weiter zu optimieren.

Basis für die Forschungsstelle ist die vom Fraunhofer-Institut in Garching bei München geleitete Initiative International Data Space (IDS). TNO, das niederländische Pendant zu Fraunhofer, konzentriert sich auf die Definition der Architektur und die Standardisierung. „Die Initiative passt perfekt zu der europäischen Idee des freien Personen-, Waren- und Dienstleistungsverkehrs“, sagt TNO-Geschäftsführer Industry Arnold Stokking in seiner Rubrik für Innovation Origins. „Wir ergänzen diese europäischen Werte jetzt um den freien und sicheren Datenverkehr, ohne dass die einzelnen Teilnehmer dabei die Souveränität über ihre eigenen Daten verlieren. Letzteres bedeutet, dass die Person, die die Daten generiert, immer Eigentümer ihrer Daten bleibt. Die EU hat eine gute Größe, um diese Methode anzuwenden, schließlich gibt es zahlreiche Liefervorgänge zwischen den Mitgliedstaaten, die eine Fülle von Daten erzeugen.“

Das System wird einen offenen Charakter haben und kann als „Plug-in“ in unterschiedliche Softwareplattformen – bei Bedarf auch in große Cloud-Lösungen – eingebunden werden. Stokking: „Es ist schlicht nicht vorstellbar, mit der existierenden Informations- und Communications-Technology (ICT) von vorn anzufangen.“ Deshalb müssen die bestehenden, unterschiedlich strukturierten Systeme miteinander verbunden werden.

Die zentrale Komponente in der Referenzarchitektur des Industrial Data Space von Fraunhofer sind deshalb die sogenannten Konnektoren. Sie dienen als Schnittstelle zwischen den Unternehmen und ermöglichen einen souveränen Datenaustausch. Dazu prüfen sie die Identität aller Teilnehmer, checken die Authentizität der Softwarekomponenten, wachen über die Integrität der Datenpakete und managen die Rechtevergabe beim Datenzugriff. Für größtmögliche Kompatibilität unterstützen die Konnektoren bewährte Webstandards und -Protokolle.

„Es ist nicht schwer zu erkennen“, so Stokking weiter, „dass diese Arbeitsweise auch in anderen Anwendungsbereichen, wie z.B. im Gesundheitswesen beim Austausch von Patientenakten, nützlich sein kann. Meiner Meinung nach können unzählige Parteien von diesem Projekt profitieren.“ Damit ist die Forschungsstelle laut Stokking in Europa führend. „Das zeigt, dass wir im Brainport Eindhoven, auch Dank Fraunhofer, an wegweisenden, zukunftssicheren Lösungen arbeiten.“

IDS will insgesamt Lieferketten durch die sichere und intensivere Nutzung von Daten stärken. „Wir müssen uns damit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Die Datenkommunikation ist so unglaublich wichtig, weil sie die Grundlage für viele Entwicklungen der digitalen Revolution ist. Wenn wir keinen guten Datenaustausch ermöglichen, begrenzen wir auch die Möglichkeiten für andere wichtige Entwicklungen wie künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen.“