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Bei dem Versuch, „die Niederlande aus der gegenwärtigen Krise heraus zu erneuern”, lässt sich die niederländische Forschungsorganisation TNO von Deutschland inspirieren. „Deutschland hat seine nationalen Investitionen in Forschung und Innovation gleich nach der Krise von 2008 erhöht”, sagt TNO-Direktor Paul de Krom. „Während es Jahre dauerte, bis die Nachbarländer aus der Krise herauskamen, erlebten unsere östlichen Nachbarn ein ‚goldenes Jahrzehnt’ des rasanten Wirtschaftswachstums”, so Paul de Krom. Auch die niederländischen Investitionen in Forschung und Innovation sollten sich kurzfristig auswirken, schreibt TNO in einem heute veröffentlichten Positionspapier.

Laut TNO kann wirtschaftliches Wachstum auf zwei Arten erzeugt werden: indem mehr Menschen in Arbeit gebracht werden und indem die Arbeitsproduktivität erhöht wird, d.h. indem mehr Wert pro Mitarbeiter geschaffen wird. „Da wir länger leben und weniger Kinder haben, wird die Erwerbsbevölkerung in den kommenden Jahrzehnten schrumpfen. Eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung ist daher keine wirkliche Option.“ Die Erhöhung der Arbeitsproduktivität sei eine, sagt De Krom. „Eine der Möglichkeiten, das zu erreichen, ist durch Forschung und Innovation. Dies ist eine Chance für die Niederlande. Mit neuen oder verbesserten Produkten, Dienstleistungen und Produktionsprozessen schaffen wir Wert und Wachstum. Und stärken die Wettbewerbsposition der niederländischen Unternehmen.”

Wachstumsbrief

Dass Forschung und Innovation tatsächlich zu höherer Produktivität führen, werde im Wachstumsbrief des Kabinetts bestätigt, so De Krom. Jeder zusätzliche Euro führt dem Wachstumsbrief zufolge längerfristig zu zusätzlichen 4,50 Euro für unsere Wirtschaft. „Es hat sich auch in der Praxis gezeigt, dass es funktioniert. Anders als in den Niederlanden und in vielen anderen Ländern sind die Ausgaben für Forschung und Innovation in Deutschland seit der Finanzkrise im Jahr 2008 erhöht worden. Und das mit Erfolg. Das Beispiel ist also offensichtlich.“

Die Niederlande investieren derzeit 2,18% ihres Bruttoinlandsprodukts in F&E (Forschung und Entwicklung), während Deutschland bereits 3% investiert und den Ehrgeiz hat, auf 3,5% zu erhöhen, so das Positionspapier. „Eine Erhöhung der relativ niedrigen niederländischen F&E-Investitionen bietet daher die Chance für ein beschleunigtes Wirtschaftswachstum.“ Gegenwärtig sticht vor allem die Region Brainport Eindhoven mit ihren hohen privaten Investitionen in F&E hervor. Laut TNO sollte das jedoch für das gesamte Land und sicher auch für öffentliche Investitionen in F&E gelten.

Digitale Wirtschaft

Die Niederlande haben im Jahr 2019 „Missionen” als Teil ihrer Innovations- und Spitzensektorpolitik eingerichtet. Diese konzentrieren sich auf Lösungen für soziale Fragen in vier Bereichen: Energiewende und Nachhaltigkeit, Landwirtschaft, Wasser und Nahrungsmittel, Gesundheit und Pflege sowie Sicherheit. Aber auch Schlüsseltechnologien wie KI und Quantentechnologie sind laut TNO für die Lösung gesellschaftlicher Probleme unverzichtbar. „Sie können die Technologiegrenze verschieben und bahnbrechende Innovationen hervorbringen. Schlüsseltechnologien sind auch wichtig für die ‚technologische Souveränität’ Europas und der Niederlande, d.h. um die Abhängigkeit von Technologiegiganten aus Ländern wie den USA und China zu verringern.“

Für die Niederlande gibt es ähnliche Chancen wie für Deutschland, sagt de Krom. „Wir gehören in Europa zu den ersten drei, wenn es um die Macht der digitalen Wirtschaft geht. Schlüsseltechnologien wie KI und Quantencomputing entwickeln sich rasch. Sie verschieben die Grenzen und können in vielen Bereichen zu Durchbrüchen führen. Auch zum Nutzen wichtiger gesellschaftlicher Übergänge, zum Beispiel in den Bereichen Gesundheit, Energie und Klima. Auf diese Weise können wir wirtschaftlich wachsen und Verantwortung übernehmen.“

Empfehlungen

Um die notwendigen Schritte tatsächlich einzuleiten, hat die TNO dem Kabinett in dem Positionspapier eine Reihe von Empfehlungen unterbreitet. Die wichtigsten davon:

  1. Während der Amtszeit des neuen Kabinetts sollten die Investitionen in Forschung und Innovation von 2,5% des BIP auf 3% steigen,
  2. Der Schwerpunkt sollte auf Forschung liegen, die innerhalb von vier Jahren zu neuen wirtschaftlichen Aktivitäten führen kann,
  3. Die Ressourcen sollten vor allem in Schlüsseltechnologien wie KI und Quantentechnologie eingesetzt werden,
  4. All dies muss ohne komplizierte neue bürokratische Hürden geschehen.

Laut TNO-Direktor Paul de Krom ist die Steigerung der Arbeitsproduktivität nach der Corona-Krise durch gezielte Investitionen in Forschung und Entwicklung das Rezept für wirtschaftliches Wachstum. „Natürlich gilt: Eins nach dem anderen. Das erste ist, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern. Aber lasst uns die Dinge dieses Mal für die Zukunft anders machen. Und weiterhin in eine innovative und nachhaltige Zukunft investieren und uns so ‚aus der Krise heraus erneuern’.“

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Über den Autor

Author profile picture Bart Brouwers ist Mitbegründer und Miteigentümer von Media52 BV, dem Herausgeber von innovationorigins.com.