Jede Woche fahren vier Güterzüge direkt zwischen Tilburg und Chengdu. China hat Nordbrabant als wichtigen Logistikknotenpunkt erkannt. Kann die Provinz verhindern, dass sie in ein politisches Netz verwickelt wird?

Es wird auch als neue Seidenstraße bezeichnet; ein gigantisches Logistikprojekt, das darauf abzielt, die Verbindung Chinas zu Europa, Afrika und dem übrigen Asien zu verbessern. Mehr als 500 Milliarden Euro wurden für bessere Handelsverbindungen zu Lande, zu Wasser und in der Luft bereitgestellt. Natürlich dürfen die Niederlande nicht außen vor gelassen werden, denn unser Land ist einer der größten europäischen Importeure aus China. So entstand eine direkte Zugverbindung zwischen Tilburg und der Metropole Chengdu, die sich letztlich bis nach Rotterdam erstreckt. Laut GVT International, dem Eigentümer des Terminals Tilburg, ist es die schnellste und einzige direkte Zugverbindung zwischen den Niederlanden und China. Ein potenzieller großer Schub für die (lokale) Wirtschaft.

Afbeelding: World Bank

Große Chance

Frans-Paul van der Putten ist Forscher und China-Experte am geopolitischen Clingendael Research Institute. „Es ist eine enorme Chance, die wir nutzen sollten“, sagt Van der Putten. „In erster Linie sind es die großen Unternehmen, die die Zugverbindung für den Gütertransport von und nach China nutzen. Mit dem Aufstieg des E-Commerce haben aber auch kleinere Unternehmen Zugang zum chinesischen Markt. Der Versand dauert zu lange und der Flugverkehr ist immer noch zu teuer, also landet man bei der Eisenbahn.“ GVT betont, dass es aufgrund der direkten Verbindung innerhalb von fünfzehn Tagen liefern kann, während es per Schiff 45 Tage dauert.

Politisches Mittel

„Gleichzeitig müssen wir uns aber ansehen, wo die Eigeninteressen liegen, wo sie zusammenlaufen und wo nicht“, warnt der Forscher. Für Van der Putten ist völlig klar, dass das Projekt auch einen politischen Aspekt hat. Mit der Belt and Road Initiative, wie das Projekt offiziell heißt, will China die internationalen Beziehungen sowohl geopolitisch als auch wirtschaftlich besser in den Griff bekommen. Wie sollte Nord-Brabant an seine chinesischen Kollegen herangehen? Mit dieser Frage machte sich die Provinz nach Clingendael auf. Das führte zur Ausarbeitung von Van der Puttens Bericht Nord-Brabant und China.

Wissen, worauf man sich einlässt

Da in China Wirtschaft und Politik nicht leicht zu trennen sind, können Provinzen und Kommunen durch ihre direkte Zusammenarbeit mit internationalen politischen Fragen konfrontiert werden – „für die sie weder das Mandat noch die Ressourcen haben“, so der Bericht. „Aber das ist sicher kein Grund, es nicht zu tun“, betont Van der Putten. „Als Provinz muss man nur wissen, worauf man sich einlässt und von den nationalen Regierungsbehörden die notwendige Unterstützung bekommen.“

Mangelnde Strategie

Gleichzeitig fehlt es nach Ansicht des Forschers an einer klaren Strategie auf nationaler und EU-Ebene. „Ich glaube, dass die derzeitige EU-Strategie noch zu begrenzt und abstrakt ist. Auch die Niederlande haben keine klare Strategie für die neue Seidenstraße und auf dem Weg zum Umgang mit regionalen Akteuren. Welche Rolle spielen sie? Das sollte auch in eine solche Strategie miteinbezogen werden.“

Ratschläge

Der Bericht schließt mit einer Reihe von Empfehlungen: Die Zusammenarbeit auf die derzeitigen Verbindungen zu den chinesischen Provinzen Jiangsu und Sichuan zu beschränken, um ein klares Verständnis der Interessen zu bekommen, um die es geht. Aufbau eines provinziellen Wissensnetzwerks, damit Provinzen und Gemeinden im Umgang mit chinesischen Investoren Ratschläge geben können. Zusammenarbeit mit ähnlichen EU-Regionen. Und schließlich gibt es auch eine Aufsichtsfunktion für die nationale Regierung.