Schnarchen beeinträchtigt den Schlaf – hauptsächlich den des Partners. Das stimmt zwar, wenn Schnarcher allerdings immer wieder Atemaussetzer hat, kann es für ihn selbst nicht nur störend sondern sogar gefährlich werden. Diese Obstruktive Schlafapnoe (OSA) können auf Dauer nämlich schädliche Auswirkungen auf verschiedenste Organe des Körpers haben. Diese Atemstillstände dauern in der Regel zwischen zehn Sekunden und einer Minute. Sie beeinträchtigen nicht nur den Stoffwechsel, sonder schädigen auch das Gehirn und führen zu Herz-Kreislauf-Problemen wie Bluthochdruck, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Diabetes, Niereninsuffizienz und sogar Herzinfarkten. Statistiken zufolge haben Schnarcher, die unter Atemaussetzern leiden, ein um drei- bis vierfach höheres Risiko, vorzeitig zu sterben.

Forscher um Matthew Butler von der Oregon Health and Science University haben in einer Studie mit 5.712 Patienten mit Schlafapnoe herausgefunden, dass kurze Atemaussetzer dabei noch gefährlicher sind als längere. Die Gruppe mit den kürzesten Atemaussetzern hatte in den folgenden elf Jahren eine um 31 bis 59 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit zu sterben als als die mit langen Aussetzern. Als Grund sahen die Forscher, dass die Menschen durch die Atempausen aufwachen, diese ständigen Schlafunterbrechungen die Gesundheit aber langfristig schädigen. Außerdem würde sich der Körper bei diesen Atemaussetzern im Flucht- oder Kampfmodus befinden, bei dem sowohl der Herzschlag als auch der Blutdruck ansteigt. Am häufigsten betroffen sind Männer, Ältere Personen, Übergewichtige und Menschen, die rauchen, Alkohol oder Beruhigungsmittel konsumieren.

© Inspire Medical Systems, Inc.

Zungenschrittmacher anstatt Atemmasken oder Unterkieferschienen

Um diese Atemaussetzer zu verhindern, d.h., zu vermeiden, dass die Muskulatur der oberen Atemwege erschlafft und so den Atemstillstand auslöst, griff man bisher auf Atemmasken oder Unterkieferschienen zurück. Diese Maßnahmen helfen aber nicht bei allen Patienten und nicht alle vertragen sie. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg haben nun einen Zungenschrittmacher entwickelt – ein kleines Gerät, das den Zungenmuskel stimuliert und so die Atemluft wieder fließen lässt. Die Atemaussetzer werden so eindämmt oder ganz verhindert.

Implantiert werden diese Zungenschrittmacher in der Hals-Nasen-Ohren-Klinik – Kopf- und Halschirurgie des Universitätsklinikums Erlangen, wo die Patienten eine Komplettversorgung aus einer Hand bekommen: von der Diagnose über die OP bis hin zur Nachsorge.

„Die OSA ist die häufigste nächtliche Atmungsstörung“, erklärt der geschäftsführende Oberarzt PD Dr. Maximilian Traxdorf von der Erlanger HNO-Klinik. „Manchmal kann es schon helfen, die Schlafposition zu ändern, sein Gewicht zu reduzieren und vor dem Schlafen keinen Alkohol zu trinken. Bei leichten bis mittelgradigen Fällen können zum Beispiel Unterkieferprotrusionsschienen zum Einsatz kommen – sie verlagern den Unterkiefer nach vorn und halten so den Atemweg offen. Der Goldstandard in der Therapie der OSA sind aber spezielle Atemmasken.“ Diese CPAP-Masken (continous positive airway pressure) erzeugen einen kontinuierlichen leichten Überdruck und halten so die Atemwege frei. „Sie werden aber nicht von jedem Patienten vertragen, eignen sich nicht für jede Anatomie und bringen auch nicht immer den gewünschten Erfolg“, schränkt PD Dr. Traxdorf ein.

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Zungenschrittmacher hält den Atemweg frei

Bei einer mittelgradigen bis schweren OSA mit 15 bis 65 Atemaussetzern pro Stunde käme eine Atemwegsstimulation durch einen Zungenschrittmacher infrage: „Nur drei kleine Schnitte an Hals und Brustkorb sind nötig, um einen Impulsgenerator (Schrittmacher) in einer kleinen Hauttasche unterhalb des Schlüsselbeins zu implantieren.“ Das Prinzip sei mit dem eines Herzschrittmachers vergleichbar. Ein Atemsensor im Zungenschrittmacher misst den Atemrhythmus und gibt ein entsprechendes Signal an den Impulsgenerator weiter. Dieser aktiviert die Stimulationselektrode am Zungennerv, die dann wiederum den Zungenmuskel stimuliert und so verhindert, dass die Zunge und das umliegende Muskelgewebe in den oberen Atemweg zurückfallen und diesen blockieren. Der Atemweg bleibt frei und die Luft kann ohne Unterbrechungen ungehindert ein- und ausströmen.

Der Zungenschrittmacher kommt natürlich nur nachts zum Einsatz, nachdem der Patient ihn vor dem Schlafengehen mit einer kleinen Fernbedienung eingeschaltet hat. Nach dem Aufstehen schaltet er ihn wieder aus. Die Batterie hat eine Lebensdauer von acht bis elf Jahren, dann muss sie im Rahmen einer kleinen OP ausgetauscht werden. „Der Zungenschrittmacher reduziert Atemaussetzer oder verhindert sie sogar. Das führt zu weniger Schnarchen, weniger nächtlichen Wachphasen und weniger Müdigkeit am nächsten Tag, und auch andere Begleiterscheinungen der OSA werden minimiert – etwa Bluthochdruck, Kopfschmerzen oder depressive Verstimmtheit“, erklärt Maximilian Traxdorf. „In unserem Schlaflabor beraten wir Patientinnen und Patienten zu möglichen Therapien und dazu, ob ein Zungenschrittmacher aus schlafmedizinischer Sicht eventuell infrage käme.“