elektrische bussen © ElaadNL
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Jahrgang 1960. Wollte eigentlich nie etwas mit Computern zu tun haben. Studierte zunächst zwei Semester Maschinenbau an der TU München und folgte dann auf Anraten seiner Freunde dem Herzen und sattelte auf Kommunikationsdesign um. Seit 1990 selbstständig und Geschäftsführer der Werbeagentur TWENTYFIRST Communications GmbH. Die Kunden der Werbeagentur rekrutieren sich vorwiegend aus der IT-, Automobil- und Gesundheitsbranche. Mit dem Aufkommen des Apple iPhone verlagerte sich das Geschäft immer mehr in Richtung digitale Medien und Apps. Seit Jahren beobachtet Bernd Maier-Leppla die Elektromobilität (vor allem die Innovationen von Tesla) und entschloss sich Ende 2018 mit e-engine.de ein eigenes Portal zu Elektromobilität, autonomem Fahren und Verkehrswende zu gründen.

Deutschland ist auch für viele Deutsche oft ein Mysterium. Vor allem bei den Weichenstellungen für eine klimafreundliche Zukunft, speziell beim Verkehr und der Energieerzeugung. Zwar steigen die Zulassungen an Elektrofahrzeugen dank des staatlichen Subventionsfüllhorns ständig an, aber die leidigen „Rahmenbedingungen“ wollen einfach nicht in gleicher Weise Schritt halten. Dazu gehören u.a. Ladeinfrastruktur und bezahlbare Preise am HPC.

Eine positive Klimazukunft, sprich CO2-arme Gesellschaft, bekommt man nicht einfach durch Fingerschnippen und schon gar nicht durch Demonstrationen am Ende der Woche. Ein geflügeltes Wort in den sozialen Medien ist derzeit „Machen ist wie wollen, nur geiler!“

Dieser kurze Satz zeigt recht eindrucksvoll, wo es in Deutschland (und auch anderswo) hakt. Eine klimaneutrale Zukunft hängt unmittelbar mit sauberer Energieerzeugung zusammen. Da sind sich alle einig. Und die muss man möglich machen.

Der Strombedarf für eine CO2-arme Gesellschaft wird allerdings ungleich größer sein, als heute. Die Grundlast – die gerne von Ökoaktivisten als überholt angesehen wird – kommt in Deutschland heute aus CO2-freien Atomkraftwerken (die demnächst abgeschaltet werden) und schmutzigen Kohlekraftwerken (die viel zu spät abgeschaltet werden). Zwar will man die Lücke durch Gaskraftwerke schließen, das verlagert die CO2-Problematik aber nur, löst sie aber nicht.

Nimby’s

Das deutsche Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat zu einer seltsamen Begebenheit geführt: dem teuersten Strom in Europa, bei gleichzeitig hohem CO2-Anteil in der Erzeugung. Die regenerative Energieerzeugung wird zwar ausgebaut, der Ausbau scheint aber derzeit ohne Sinn und Verstand und zu langsam gehandhabt zu werden. Legionen von Ökoaktivisten posten regelmäßig in den sozialen Medien einen steigenden (Brutto-)Anteil der Solar- und Windenergie für Deutschland, der allerdings aus verschiedenen Gründen nicht dort ankommt, wo er benötigt wird. Viele dieser Ökoaktivisten demonstrieren nämlich gleichermaßen gegen die geplanten großen Stromtrassen, die beispielsweise die Energie von Off-Shore-Windparks in die süddeutschen Industriekonglomerate bringen sollen. Klassische NIMBYs eben.

Viel wichtiger scheint in Deutschland zu sein, eine ideologisch weiße Weste zu haben. Pragmatismus für das „Große Ganze“ ist verpönt.

Reicht der Strom durch die Abschaltungen zukünftig nicht, kauft Deutschland aus Frankreich (Atomstrom), Anrainerländern oder Polen/Tschechien (Kohlestrom). Der Vorteil: man kann mit sauberer Weste demonstrieren, wie ernst man den ökologischen Umbau nimmt. Das CO2 entsteht ja woanders.

Exkurs: Günstige Strompreise und Stromverfügbarkeit sind für eine Transformation zu einer CO2-armen Wirtschaft unerlässlich. Am Beispiel Chemieindustrie zeigt sich, dass durch Wasserstoff zwar eine weitgehend CO2-neutrale Produktion möglich wäre, der Strombedarf sich aber dadurch verdreifachen würde. Ohne „Hilfe“ aus den europäischen Nachbarländern kaum realisierbar. Die wollen aber auch CO2-neutral werden. Von der Verdreifachung der Stromkosten ganz zu schweigen.

Was das alles mit der Elektromoblilität zu tun hat?

Eine ganze Menge, denn günstiger, sauberer Strom ist auch Grundvoraussetzung für eine CO2-arme Verkehrswende. Diese Verkehrswende muss aber sozial-verträglich sein. Für den Verbraucher muss eine Win-Win-Situation herbeigeführt werden. Verbote führen nur zu Verstocktheit und sind letztlich kontraproduktiv.

Ideologische Ressentiments

Sowohl die (realen) Kosten für Elektroautos als auch für den Strom sind in Deutschland kaum förderlich für eine rasche Umstellung. Ideologische Ressentiments stehen einer ganzheitlichen Lösung im Weg. Regenerative Energieerzeugung muss auch beim Verbraucher ankommen und speicherbar sein. Die Technologien sind vorhanden – aber sie werden zu zaghaft angepackt, wenn überhaupt. Die Energieinfrastruktur hinkt den hehren Zielen nach. Pragmatismus fehlt allerorten.

Und dann ist da noch das Problem mit den Zahlen. Industriebetriebe brauchen eine verlässliche mächtige Stromerzeugung zu wettbewerbsfähigen Preisen. Im Kosten-Wettbewerb sind Solar und Wind bereits recht gut, nur bei der verlässlichen Stromerzeugung im TW-Bereich hapert’s. So besteht für Deutschland inzwischen die Gefahr zum Industriemuseum zu verkommen, weil wichtige Weichenstellungen nicht erfolgen.

Die erfolgen leider auf absehbare Zeit ohnehin nicht. Denn demnächst sind Bundestagswahlen. Da ist noch weniger mit „Machern“ und „Machen“ zu rechnen.

Über diese Kolumne:

In einer wöchentlichen Kolumne, abwechselnd geschrieben von Bert Overlack, Eveline van Zeeland, Eugene Franken, Helen Kardan, Katleen Gabriels, Carina Weijma, Bernd Maier-Leppla und Colinda de Beer versucht Innovation Origins herauszufinden, wie die Zukunft aussehen wird. Diese Kolumnisten, manchmal ergänzt durch Gastblogger, arbeiten alle auf ihre Weise an Lösungen für die Probleme unserer Zeit.

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