London, Stockholm oder Mailand haben sie schon und viele weitere Städte denken über die Einführung einer City-Maut nach. Plug-in-Hybride haben sich mit ihrer Kombi aus Verbrennungs- und Elektromotor bei einem aktuellen Feldversuch in Englands Hauptstadt in Sachen Umweltschutz bewährt. Das war nicht anders zu erwarten. Doch hat die Technik Zukunft?

Drei Monate nach der Einführung der „Ultra Low Emissions Zone“ in London hat Ford die Ergebnisse eines einjährigen Feldversuchs veröffentlicht. 240.000 Kilometer legten die Ford Transit insgesamt zurück. 75 Prozent der Strecken in Londons Innenstadt absolvierten sie im emissionsfreien Elektromodus.

Überwiegend elektrisch – ganz ohne Ladesäulen

Das wenig überraschende Ergebnis: Mit Hybrid-Plug-ins die Emissionen innerstädtisch deutlich reduzieren – und das ganz ohne eine neue, flächendeckende Ladeinfrastruktur. Der an Bord befindliche Benzinmotor kam in der Praxis vergleichsweise eher wenig zum Einsatz, obwohl die getesteten Fahrzeugmodelle nur bis zu 50 Kilometer rein elektrische Reichweite zur Verfügung stellen. Vorteil der klein-dimensionierten Akkus: der Innenraum und die Ladekapazität des Fahrzeugs werden kaum beeinträchtigt. Der zusätzliche 1-Liter-Benzinmotor sorgt dann für weitere 450 Kilometer Reichweite.

Die bloßen Zahlen: In London werden an einem normalen Wochentag rund 280.000 Fahrten mit Nutzfahrzeugen durchgeführt, dies entspricht 13 Millionen gefahrenen Kilometern. Leichte Nutzfahrzeuge machen 75 Prozent des innerstädtischen Güterverkehrs aus. Wenn diese Fahrzeuge wiederum 75 Prozent der Strecke rein elektrisch zurücklegen würden, blieben von den 13 nur noch runde 6 Millionen Kilometer übrig, die mit Verbrennungsmotor zurückgelegt würden.

Auslaufmodel?

Die Schattenseite der Plug-ins: Sie frissten selbst mehr als 20 Jahre nach der Markteinführung des ersten Großserien Hybrid-Fahrzeugs, des Toyota Prius, ein Schattendasein, zumindest was das Marktsegment der leichten Nutzfahrzeuge anbelangt. Selbst Ford hat die Verfügbarkeit der getesteten Transit-Version erst für Ende 2019 angekündigt. VW verwies zwar schon 2015 darauf, dass man technisch beim T6 durchaus soweit sei, aber der Kunde, gerade im preis-sensitiven Nutzfahrzeugmarkt, zögere. Im aktuellen VW-Konfigurator finden sich denn auch viele rein elektrische Modelle, aber kein einziger Hybrid-Transporter. Den Renault Kangoo gab es mal als Hybrid-Version. Inzwischen promotet auch Renault nur das rein-elektrische Transporter Model. Und der jetzt frisch vorgestellte Opel Zafira Life, der in der Klasse Kleinbus und Transporter antritt, wird zunächst ausschließlich von Dieselmotoren angetrieben. Erst 2021 sollen rein-elektrische Aggregate folgen.

Teurer aber billig?

In der Regel sind Plug-in-Hybride teurer als die reinrassigen Kollegen-Modelle. Klar, der Doppelpack Diesel- und Elektroantrieb hat seinen Preis. Doch wer die Anschaffung gegen die Kosten einer City-Maut aufrechnen muss, kann durchaus ins Grübeln kommen. Wer in London regelmäßig in die Ultra Low Emission Zone einfahren muss, zahlt mit Verbrennungsmotor und bis 3,5 Tonnen schlappe 23 Euro am Tag. Da darf der Hybride schon mal ein-, zweitausend Euro mehr kosten und es kann sich trotzdem rechnen.