De Dom is het markante middelpunt van de Hansestad Maagdenburg. Foto Maurits Kuypers
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In Deutschland kann man in diesem Sommer für 9 Euro im Monat mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren. Innovation Origins nutzt die Gelegenheit, um eine Reihe von Zukunftsprojekten zu besuchen. In dieser Folge reisen wir nach Magdeburg.

Magdeburg ist nicht gerade ein blühendes Wirtschafts- und Tourismuszentrum. Das Schmuckstück dieser Hansestadt zwischen Berlin und Hannover ist der „Magdeburger Dom“, der mit seinen dunklen Türmen alles überragt. Hier und da in der Stadt stehen ein paar schöne Skulpturen, es gibt viel Grün und die Aussicht auf die Elbe ist wunderschön. Aber das war es dann auch schon.

Die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt ist vor allem für das Grabmal unter dem Dom bekannt. Dort liegt Otto der Große begraben, der erste Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, der 962 von einem Papst (Johannes XII.) gekrönt wurde.

Das Grab zeigt, wie wichtig Magdeburg einst war. Ideal an Elbe und Havel gelegen, war es über Jahrhunderte ein europäisches Handelszentrum. Es war der Geburtsort einiger berühmter Persönlichkeiten wie Adelbert Delbrück (dem Gründer der Deutschen Bank) und des Komponisten Georg Philipp Telemann. Von diesem Reichtum ist jedoch nur noch wenig zu sehen, da die Stadt während des Zweiten Weltkriegs weitgehend zerstört wurde.

Skulptur Heiliger Mauritius
Heilige Mauritius, Foto Maurits Kuypers

Der Dom, das Grabmal, Teile der alten Stadtmauer und eine Statue des schwarzen Heiligen Mauritius aus dem Jahr 1240 sind seltene Zeugnisse der glanzvollen Zeit Magdeburgs.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie die Stadt früher ausgesehen haben muss, ist es heute besser, kleinere Städte in der Umgebung aufzusuchen, wie Brandenburg an der Havel (ebenfalls stark bombardiert, aber eher am Rande) und Naumburg.

Kahlschlag nach der DDR

Dennoch war Magdeburg auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch ein Begriff, nicht wegen seiner Schönheit, sondern wegen des Maschinenbaus, der in der Stadt eine lange Tradition hat. Zu DDR-Zeiten trug Magdeburg nicht umsonst den Beinamen „Stadt des Maschinenbaus“.

Doch nach dem Fall der Mauer im Jahr 1989 kam der große Umbruch. Das Schwermaschinenbau-Kombinat „Ernst-Thälmann (SKET)“ mit 30.000 Beschäftigten konnte sich nicht halten. Es blieben nur einige kleinere Unternehmen übrig. Heute werden in Magdeburg zum Beispiel Teile für Windkraftanlagen hergestellt.

Magdeburg gehört jedoch nicht zu den führenden Industriestädten in Deutschland, was sich auch in der Einwohnerzahl der Stadt widerspiegelt. Im Jahr 1940 hatte die Stadt 346.000 Einwohner. Bis 1989 war diese Zahl auf 290.000 gesunken. Heute sind es nur noch 236.000. Damit liegt Magdeburg außerhalb der deutschen Top 30 und muss sich innerhalb Sachsen-Anhalts mit dem 90 Kilometer südlich gelegenen Halle messen.

Minister Schulze sieht eine neue Ära anbrechen

„Aber es kommen bessere Zeiten“, sagt Wirtschaftsminister Sven Schulze bei einem Besuch in seinem Büro direkt am Hauptbahnhof.

Schulze weist darauf hin, dass der Bevölkerungsrückgang schon vor einigen Jahren gestoppt wurde. Mit der „Otto-von-Guericke-Universität“ und der „Hochschule Magdeburg-Stendal“ (H2) verfügt die Stadt zudem über zwei Bildungseinrichtungen von internationalem Rang.

Universität Magdeburg
Die Universität Magdeburg ist auf technische Fächer spezialisiert. Foto Maurits Kuypers

17 Milliarden von Intel

Aber Schulze hat viel größere Träume als die einer schönen Studentenstadt. Er ist der Überzeugung, dass Magdeburg das Zentrum der europäischen Halbleiterindustrie werden könnte. Es hat bereits einen Namen: Silicon Junction, der sich natürlich auf sein amerikanisches Pendant in Kalifornien bezieht. Der große Katalysator ist der amerikanische Chip-Riese Intel.

Vor einigen Monaten wurden die Papiere für die bisher größte ausländische Investition in Deutschland unterzeichnet. Intel wird die bescheidene Summe von 17 Milliarden Euro in Produktionsanlagen am Rande der Stadt investieren. Zum Vergleich: Die „Gigafactory“ des Autoherstellers Tesla in Grünheide bei Berlin kostete rund 4 Milliarden Euro.

Feld, auf dem die Chip-Anlage errichtet werden soll
Das Gebiet, auf dem die Intel-Anlage errichtet werden soll, wird derzeit von Landwirten genutzt. Foto Maurits Kuypers

Auf dem 450 Hektar großen Gelände (675 Fußballfelder) gibt es noch nicht viel zu sehen. „Noch ist der Eulenberg ein Hügel“, sagt Schulze, „aber wir können sicher sein, dass er sich zu einem der modernsten Gewerbeparks in Deutschland entwickeln wird, in dem nicht nur Intel, sondern auch andere Technologieunternehmen angesiedelt sind.“

Dublin

Das beste Beispiel ist Leixlip, ein Dorf vor den Toren Dublins, wo sich Intel 1989 niederließ. Damals lockte die irische Regierung Intel mit Millionen von irischen Pfund, erhielt dafür aber auch eine Menge Gegenleistungen. Seitdem haben die Amerikaner 18 Milliarden Euro in mehrere Fabriken investiert, und weitere 12 Milliarden sind geplant.

Die nächste Fabrik ist bereits im „Collinstown Industrial Park“ im Bau, wo Intel 4.500 Mitarbeiter beschäftigt. Die ehemals von Armut geplagte Bauerngemeinde Leixlip kann heute bei den Hauspreisen mit den besten Vierteln von Paris oder London mithalten.

Baubeginn im nächsten Jahr

So wünscht es sich Schulze auch für Magdeburg. Mit dem Bau der Fabrik wird nächstes Jahr begonnen, und die ersten ‚Wafer‘ (die Platten, auf denen die Chips platziert werden) sollen 2026 oder 2027 vom Band laufen.

Auch Maschinen des niederländischen Unternehmens ASML werden voraussichtlich bei Intel vertreten sein. Es wird erwartet, dass in Magdeburg die neueste Generation der so genannten Ultraviolett-Lithographie-Technologie (High-NA EUV) zum Einsatz kommt, für die Maschinen von ASML benötigt werden.

Eine ASML-Maschine kostet etwa 270 Millionen Dollar. Es ist eine Technologie, die Intel bisher vernachlässigt hat, aber die Amerikaner wollen das in den kommenden Jahren nachholen. Magdeburg und Irland werden dabei eine Schlüsselrolle spielen, aber auch in Frankreich, Italien, Spanien und Polen sind Investitionen geplant.

Wirtschaftsminister Sven Schulze und Ministerpräsident Reiner Haseloff  bei einem Arbeitsbesuch in Leixlip.
Wirtschaftsminister Sven Schulze (Mitte) bei einem Arbeitsbesuch in Leixlip. Rechts Oberbürgermeister Lutz Trümper Foto MWL

Milliardensubvention

All dies geschieht nicht ohne Subventionen. Schulze will keine Zahl nennen, aber deutsche Medien berichten, dass sich die Summe in Magdeburg auf fast 7 Milliarden Euro beläuft.

Grünes Licht aus Brüssel fehlt noch, aber das ist laut Schulze eine Formalität, denn auch die Europäische Kommission ist an einem Wachstum der Chipindustrie interessiert und hat zu diesem Zweck den so genannten „European Chips Act“ ins Leben gerufen.

Ziel dieser Regulierung ist es, Europa mit Hilfe von staatlichen Beihilfen in zweistelliger Milliardenhöhe unabhängiger von asiatischen und amerikanischen Chipkonzernen zu machen.

Engpässe auf dem Arbeitsmarkt

Schulze ist sich darüber im Klaren, dass es noch viel zu tun gibt. Die Lage Magdeburgs ist an sich schon hervorragend, im Herzen Deutschlands, direkt an der A2 von Oberhausen nach Berlin. Aber die Infrastruktur könnte besser sein.

Stadtbild mit Haus von Hundertwasser
Magdeburg hat zwar ein paar moderne Gebäude, aber die Straßenbahn ist immer noch authentisch. Foto Maurits Kuypers

Dies gilt nicht nur für Straßen, Zug-, Straßenbahn- und Busverbindungen. Es müsste auch mehr und modernere Wohnungen geben. Magdeburg hat in den letzten Jahren einige schöne neue Wohnsiedlungen bekommen, zum Beispiel entlang der Elbe, aber das ist noch nicht genug.

Allein während der Bauphase der Intel-Werke werden voraussichtlich rund 7.000 Arbeiter beschäftigt sein, die alle irgendwo wohnen müssen. Ab 2027 werden rund 3.000 Mitarbeiter bei Intel arbeiten. „Und es könnten in den nächsten Jahren noch mehr werden“, meint Schulze. Darüber hinaus erwartet er, wie bereits erwähnt, dass Intel als Magnet für andere Unternehmen wirken wird, vom Gastgewerbe bis hin zu industriellen Zulieferern. Auch diese Menschen wollen hier leben und sich erholen.

Anspannung auf dem Arbeitsmarkt

Mit anderen Worten: Tausende von zusätzlichen Arbeitsplätzen werden entstehen. Aber woher sollen all diese Menschen kommen?

Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass es schwierig sein wird, genügend Mitarbeiter zu finden. Magdeburg ist auch nicht die einzige ostdeutsche Stadt, in der Milliardenbeträge in technologische Anlagen investiert werden. Man denke an Tesla in der Nähe von Berlin. Bosch hat eine Chipfabrik in Dresden gebaut, und mehrere Batteriefabriken sind geplant, darunter eine sehr große in Erfurt (CATL) und eine für das Recycling (BASF) in Schwarzheide (60 Kilometer von Dresden entfernt).

Schulze konzentriert sich in erster Linie auf Menschen aus der unmittelbaren Umgebung. „70 Prozent der Studierenden an unseren Universitäten und Hochschulen verlassen nach Abschluss ihres Studiums die Stadt. Da müsste sich etwas ändern.“

Skulptur im Freien
Magdeburg ist voll von Skulpturen, meist aus der DDR-Zeit. Foto Maurits Kuypers

Intel setzt auch auf die Anwesenheit einer Reihe von anderen Universitäten und Forschungszentren in der Region. Im Umkreis von 100 Kilometern betrifft das sieben Einrichtungen, wie Christin Eisenschmid, Deutschland-Chefin von Intel, Anfang des Jahres sagte.

Skulptur im Freien
Foto Maurits Kuypers

Das Projektteam hat alle Hände voll zu tun

Nach Angaben von Schulze arbeiten derzeit mehrere Mitarbeiter des Ministeriums Vollzeit an dem Projekt.

Skulptur im Stadtbild
Foto Maurits Kuypers

Chancen

Norbert Doktor, Sprecher der Fachhochschule H2, sieht in der Ansiedlung des Chip-Giganten große Chancen für die regionalen Bildungs- und Forschungseinrichtungen, die aber zweifellos auch mit Herausforderungen verbunden sein werden.

Positiv zu vermerken ist, dass bereits zahlreiche technische Kurse angeboten werden, die den Bedürfnissen von Intel und seinen Zulieferern entsprechen. Es muss jedoch noch mehr getan werden. Doktor: „Intel wird diese Region verändern. Es handelt sich um eine so komplexe Angelegenheit, dass niemand genau abschätzen kann, was das alles bedeuten wird. Das gilt für uns als Hochschule, aber auch für die Stadt, wenn es zum Beispiel um die Verbesserung der Infrastruktur und aller Arten von Einrichtungen wie Schulen geht.“

DATI

Viel verspricht sich Doktor von der in diesem Jahr gegründeten „Deutschen Agentur für Transfer und Innovation (DATI)“, die dafür sorgen soll, dass Bildungseinrichtungen, Forscher, Unternehmen und der Staat auf nationaler und regionaler Ebene stärker zusammenarbeiten. Auch ein neuer technischer Lehrstuhl an der Universität ist angedacht.

Genügend Studentenunterkünfte

Ein Vorteil ist, dass sich hier niemand um eine Studentenunterkunft kümmern muss, wie ein Besuch auf dem Universitätscampus zeigt. Es gibt mindestens 9 Wohnheime für Studenten und reichlich Platz für weitere. Davon kann eine niederländische Studentenstadt nur träumen.

Eine Gruppe von Indern – zwei Männer und eine Frau, die an der Universität einen technischen Masterstudiengang absolvieren – bestätigt den internationalen Charakter der Universität. „Es gibt hier mehr ausländische Studenten als deutsche“, sagt einer von ihnen. Natürlich haben sie von der Ankunft von Intel gehört. „Magdeburg steht eine Metamorphose bevor.“

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