Het solarpark Weesow-Willmersdorf heeft een vaste groep bewakers. Foto Maurits Kuypers
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In Deutschland kann man in diesem Sommer für 9 Euro pro Monat mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren. Innovation Origins nutzt die Gelegenheit, um eine Reihe von Zukunftsprojekten zu besuchen. In dieser Folge reisen wir zum größten Solarpark Deutschlands im Bundesland Brandenburg.

Von Berlin aus gibt es viele Regionalzüge in das Brandenburger Umland. Eine der kürzesten Linien ist die RB25 nach Werneuchen. Sie beginnt in Berlin Ostkreuz und führt über die Bezirke Lichtenberg und Marzahn quer durch Ostberlin, bis am Bahnhof Ahrendsfelde die Häuser den Feldern und Wäldern weichen.

Von hier aus fährt der Zug eingleisig weiter und nach etwa einer Dreiviertelstunde haben wir unser Ziel erreicht und steigen aus. Bei den meisten Fahrgästen handelt es sich um Pendler, die die Stadt verlassen haben, weil sie zu teuer oder zu stressig geworden ist oder weil sie einfach Ruhe und Frieden suchen.

Werneuchen ist für einen kleinen Flugplatz bekannt, auf dem Piloten ihren Pilotenschein machen können. Aber Werneuchen ist auch aus einem anderen Grund wirklich einzigartig. Nur wenige Kilometer mit dem Fahrrad entfernt liegt der größte Solarpark Deutschlands: der EnBW-Solarpark Weesow-Willmersdorf.

Der Solarpark Weesow-Willmersdorf aus der Vogelperspektive
Der Solarpark Weesow-Willmersdorf aus der Vogelperspektive. Foto EnBW

465.000 Solarmodule

Der Weg vom Bahnhof zum Park ist ungefähr so lang wie der Weg durch den Park. Links und rechts des Radwegs befinden sich buchstäblich Tausende von Sonnenkollektoren. Um genau zu sein, gibt es 465.000 davon mit einer Kapazität von 187 Megawattpeak (MW). Zum Vergleich: Der größte Park in den Niederlanden (in Groningen) hat 300.000 Solarpaneele mit einer Kapazität von 120 MW.

Das Gelände ist wirklich riesig: 164 Hektar (fast 250 Fußballfelder) plus weitere 45 Hektar, auf denen die EnBW das Ganze mit Obstbäumen, Sträuchern, Eichen, Ebereschen und Ahornbäumen naturnah gestalten will.

Innerhalb des Geheges sorgt eine Schafherde dafür, dass das Gras schön kurz gehalten wird. Das kann jeder aus nächster Nähe bewundern, denn der Park ist von Rad- und Wanderwegen durchzogen. Besucher können auch einen kleinen künstlichen Hügel besteigen, um einen guten Überblick zu erhalten. EnBW-Sprecherin Ramona Sallein erwartet, dass viele Menschen davon Gebrauch machen werden.

Pilotprojekt

Der Park sei in vielerlei Hinsicht ein Pilotprojekt, sagt sie über eine Videoverbindung. Eine der wichtigsten Neuerungen ist, dass es keine Subventionen gibt. Dabei handelt es sich um so genannte EEG-Förderungen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz, ein Gesetz, das einen festen Preis für den erzeugten Ökostrom garantiert.

Die EEG-Förderung gilt jedoch nur für Anlagen bis zu 20 MW. Darüber hinaus müssen die Energieversorger die Kosten selbst tragen. Hier helfen Größenvorteile. Manchmal, so Sallein, wird eine Zwischenlösung gewählt, indem ein Projekt in mindestens zwei Teile aufgeteilt wird, einer mit 20 MW und der andere ohne Subventionen. Im Fall von Weesow-Willmersdorf wurde jedoch vollständig auf Subventionen verzichtet. Die EnbW hat mit Covestro bereits frühzeitig einen langfristigen Vertrag über die Abnahme von einem Drittel des im Solarpark erzeugten Stroms abgeschlossen.

Solarpaneele
Von einem kleinen künstlichen Hügel in der Mitte des Parks erhalten die Besucher einen guten Eindruck vom Solarpark. Foto Maurits Kuypers

100 Millionen Euro

Eine weitere Innovation betrifft die Finanzierung. Die EnBW hat 100 Millionen Euro in das Projekt investiert. Für solche großen Summen werden oft im Vorfeld Kofinanzierer gesucht. In diesem Park wurde dies aufgrund des experimentellen Charakters des Projekts nicht getan.

Im März dieses Jahres war der Park genau ein Jahr lang an das Stromnetz angeschlossen. Laut Sallein läuft alles nach Plan. Das erste Quartal 2022 lag sogar leicht über den Erwartungen, wozu auch der sehr sonnige Monat März beigetragen hat.

Der Park war nicht nur eine technische Herausforderung. Es war auch wichtig, die Anwohner so weit wie möglich mit ins Boot zu holen. So plant die EnBW zum Beispiel Besuchertage, bei denen die Natur eine wichtige Rolle spielt. Innerhalb der Zäune gibt es, wie erwähnt, Schafe, aber auch Füchse, andere Säugetiere, Vögel und Insekten.

Sallein erklärt, dass in dem 10 Kilometer langen Sicherheitszaun um den Park Öffnungen angebracht wurden, die für Kleintiere groß genug, für Wölfe jedoch zu klein sind. „Weil es immer mehr von ihnen in Brandenburg gibt. Um die Schafe zu schützen, war das eine wichtige Maßnahme.“

Natura 2000

Entlang des Parks befindet sich auch das Natura 2000-Gebiet, das Weesower Luch, das laut Informationstafel wegen des mittig gelegenen Sumpfes besonders wichtig ist. Nach Sallleins Ansicht passen Solarparks und Naturschutzgebiete gut zusammen. Ein Vorteil ist zum Beispiel, dass weniger Dünger benötigt wird.

Rund um den Solarpark gibt es auch viele Windräder, aber das hat laut Sallein nichts mit dem Solarpark zu tun. „In Zukunft möchten wir Projekte mit kombinierter Solar- und Windenergie bauen. Das würde zweifellos zusätzliche Kostenvorteile bringen. Aber die Umsetzung in die Praxis ist wegen der unterschiedlichen Genehmigungsverfahren schwierig. Die durchschnittliche Bauzeit für einen Windpark beträgt beispielsweise sieben Jahre, während sie für Solarzellen zwei bis drei Jahre beträgt. Das macht Kombiprojekte fast unmöglich.“

Infotafel für Natura 2000, das Naturschutzgebiet
Das Natura 2000-Gebiet Weesower Luch grenzt direkt an den Solarpark Weesow-Willmersdorf. Foto Maurits Kuypers

Gottesgabe

Der Park Weesow-Willmersdorf kann genug Strom für 50.000 Haushalte erzeugen. Und laut Sallein wäre diese Zahl noch viel höher, wenn man die anderen Parks in der Gegend mit einbeziehen würde. In diesem Jahr hat die EnBW zwei weitere Großprojekte dieser Art in Ostbrandenburg in Betrieb genommen, beide mit einer Leistung von 150 MW. Einer der Windparks liegt in der Nähe des Dorfes mit dem schönen Namen Gottesgabe, der andere bei Alttrebin.

Zusammen verfügen die drei Parks über eine Leistung von fast 500 MW. Ende des vergangenen Jahres verfügte ganz Brandenburg über eine installierte Leistung von 4.000 MW. Die EnBW kommt deutschlandweit auf rund 800 MW, wobei neben Brandenburg auch Bayern über eine relativ große Menge an Solarstrom verfügt.

Aber das sollte viel mehr werden. Die EnBW will, wie andere deutsche Stromerzeuger auch, die Energiewende beschleunigen, und Solarparks sind eine relativ einfache Möglichkeit, dies zu tun. Ziel ist es, bis 2025 die Hälfte des gesamten Stroms aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. Die EnBW liegt jetzt bei knapp über 40 Prozent Für den Zeitraum 2021-2025 stehen dafür 4 Milliarden Euro zur Verfügung.

Landwirte wissen, welches Gebiet am besten geeignet ist

Ein Vorteil Ostbrandenburgs sei, so Sallein, dass es relativ viele Sandböden gebe, die nicht so fruchtbar seien. „Deshalb ist die Zusammenarbeit mit den Landwirten so wichtig. Sie wissen besser als jeder andere, welche Felder weniger fruchtbar sind und daher besser für Solarparks genutzt werden können.“

Doch mit Ackerland allein wird Deutschland das nicht schaffen, wissen Energieexperten. Um die Ziele der Regierung zu erreichen, muss alles zur gleichen Zeit geschehen. Es muss mehr Solarparks geben, mehr Solarpaneele auf den Dächern, mehr Offshore- und Onshore-Windkraftanlagen und ein stärkeres und effizienteres Stromnetz.

„Wir müssen schneller und digitaler werden“, resümierte EnBW-Vorstandsmitglied Georg Stamatelopoulos bei der Eröffnung des Parks Weesow-Willmersdorf im vergangenen Jahr. „Die Verfahren müssen schneller und die Rechtssicherheit für Investoren größer werden.“

Die Berliner Regierung hat sich das Ziel gesetzt, den Ökostromanteil bis 2030 auf 80 Prozent zu erhöhen. Laut Stamatelopoulos müssen dafür jedes Jahr mindestens 10.000 MW an Solarzellen hinzukommen. Dabei spielt es keine Rolle, ob dies auf dem Boden oder auf Dächern geschieht. In Deutschland werden derzeit etwa 5.000 MW pro Jahr zusätzlich installiert. Es gibt also noch viel zu tun. Sallein: „Deshalb arbeiten wir an weiteren Projekten wie Weesow-Willmersdorf.“

EnBW seit 2012 im Wandel

Die EnBW (Energie Baden-Württemberg) ist einer der größten Energieversorger in Deutschland mit Sitz in Karlsruhe. Das Unternehmen befindet sich seit 2012 in einer Übergangsphase. Das hat viel mit dem Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland zu tun. Ziel war es, den Anteil der erneuerbaren Energien im Portfolio bis 2020 von 12 Prozent auf 40 Prozent zu erhöhen. Offshore-Windparks sind für die EnBW in Sachen Ökostrom noch etwas wichtiger als Solarenergie und Windräder an Land.

Der Umsatz mit erneuerbaren Energien steigt rapide an. Im ersten Quartal dieses Jahres lag der Umsatz mit 821 Millionen Euro um fast 120 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Der Nettogewinn stieg um 41 Prozent auf 292 Millionen Euro. Dies alles bei einem Gesamtumsatz von 13,7 Milliarden Euro im ersten Quartal und einem Nettogewinn von 1,2 Milliarden Euro.

eine Karte des Gebietes um den Weesower Luch
Karte des Solarparks. Unten rechts liegt Werneuchen. Bild EnBW

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