Traditionelle Denim-Bleichverfahren belasten das Abwasser. Im Hub 1922 der Rudolf Group wurden die schädlichen Chemikalien Natrium-Hypochlorit und Kalium-Permanganat durch eine umweltfreundliche Lösung ersetzt.

Jeans sind eines der beliebtesten Kleidungsstücke – fast jeder trägt sie – und das bevorzugt in einer möglichst authentischen wie-getragen-Optik. Die herkömmlichen Denim- Bleichverfahren haben allerdings einen negativen Umwelteffekt. Roher Denim ist umweltfreundlicher – fühlt sich aber über mehrere Wäschen hinweg etwas steif an. Wenige Konsumenten bringen die Geduld und den Willen auf, die Abnutzung durch stetes Tragen herbeizuführen.

Chemie in kreativen Prozessen

„Die Einstellung der Konsumenten ist nicht zu ändern“, sagt der Biochemiker Alberto de Conti, „der Herstellungsprozess aber schon“. Er hat in der Vergangenheit bedeutende Innovationen für Levi Strauss zur Marktreife gebracht und etablierte bei Garmin Chemicals das erste in ein Chemie-Unternehmen integrierte Designstudio. Neu an seinem Ansatz ist die Anwendung von Chemie in kreativen Prozessen.

Aktuell leitet de Conti den 2018 gegründeten Hub 1922, eine interne Division der deutschen Rudolf Group. Hier entwickelt er gemeinsam mit Händlern und Herstellern disruptive Lösungen für Probleme in der Jeansproduktion auf Basis von umweltfreundlichen und zertifizierten Chemikalien. Bis 2020 soll das Ziel ZDHC (zero discharge of hazardous chemicals) erreicht sein.

Mit dem Hub 1922 expandiert die auf Textilveredlung und Bauchemie spezialisierte Rudolf Group in den Modemarkt und bringt ihre Kompetenz in funktionsunterstützenden Finishs ein. Wie etwa eine wasserabweisende Ausrüstung, die vor Regen und Schmutz schützt und dazu führt, dass Jeans weniger oft gewaschen werden müssen. Mit dem Hub 1922 tritt das Unternehmen aber auch in den Markt der Denim-Wäscherei an.

Abwasserrelevante Denim-Bleichverfahren

Das Problem an herkömmlichen Denim-Waschverfahren ist der enorme Wasser- und Energieverbrauch – sowie der Einsatz von Bimssteinen. Diese führen den gewünschten Abrieb herbei, werden aber im Waschprozess zu Schlamm, der zu entsorgen ist und die Umwelt verschmutzt. Für stärkere Gebraucht-Effekte werden zusätzlich Denim-Bleichverfahren eingesetzt. Traditionelle Methoden standen zuletzt wegen der verwendeten schädlichen Substanzen im Fokus. In der Regel wird für den großflächigen Bleichvorgang Natrium-Hypochlorit eingesetzt und für den lokalen Abrieb Kalium-Permanganat in Form von Spray. Abschließend erfolgt eine Neutralisierung mit Metabisulfit. Im Wesentlichen gehe es darum, das halogenhaltige Hypochlorid zu ersetzen. Aber auch das manganhaltige Kalium-Permanganat ist abwasserrelevant, erklärt Christine Körner aus dem Labor der Rudolf Group.

Zertifiziertes Verfahren

Mit HypNO stellt der Hub 1922 ein Denim-Bleichverfahren vor, welches ohne Bimssteine und schädliche Substanzen auskommt und den Richtlinien von GOTS, Bluesign und ZDHC (global organic textile standard) entspricht.

  • GOTS ist ein internationaler Standard, der die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern nach ökosozialen Kriterien definiert.
  • Bluesign hat die Minimierung von Belastung von Mensch und Umwelt zum Ziel.
  • ZDHC setzt sich für die gänzliche Entfernung von Schadstoffen aus der Produktion ein.

Im Waschverfahren konnten sowohl Dauer als auch Wasserverbrauch reduziert werden. Der Wasserverbrauch konnte um zwei Drittel auf dreihundert Liter gesenkt werden, die Waschdauer um ein Viertel auf etwa hundert Minuten. Zudem eliminiert HypNO die Bimssteine, welche die Umwelt in Form von zu entsorgendem Schlamm belasten würden.

 

HypNo – ein umweltfreundliches Denim-Bleichverfahren aus dem Hub 1922 der Rudolf Group (c) Hub1922/Rudolf Group

Weniger Chemikalien

Das Bleichverfahren aus dem Hub 1922 ist halogen- und schwermetallfrei. „Das bedeutet eine ökologisch günstigere Relevanz für das Abwasser“, erklärt Körner. Kalium-Permanganat und Natrium-Hypochlorit konnten durch umweltfreundlichere Lösungen ersetzt werden. Außerdem erfordert HypNO keine Neutralisierung mit Mitteln wie Natrium-Metabisulfit oder Peroxid – wodurch der Einsatz von Chemikalien signifikant reduziert werden konnte.

Die Lösung für den Bleichvorgang besteht wie im traditionellen Verfahren aus zwei Produkten: Einem Substitut für das Bleichen im Bad und einem für die Erzeugung lokaler Bleicheffekte. Letzterer erscheint in Sprayform. Für das Substitut der Badbleiche wurde die Lösung RUXORIT X-HYP + RUCORIT X NOCL angewendet, für das Substitut des Sprays die Lösung RUXORIT X-HYP + RUCORIT X-NOPP.

 

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