Collaborative Telepresence © AT&T

https://avatar.xprize.org/prizes/avatarDas Weltwirtschaftsforum (WEF) bat eine Gruppe internationaler Technologieexperten, die diesjährigen Top 10 der aufstrebenden Technologien zu ermitteln. Nachdem die Gruppe bei weiteren Experten auf der ganzen Welt Nominierungen eingeholt hatte, bewertete sie Dutzende von Vorschlägen gemäß einer Reihe von Kriterien. Haben die vorgeschlagenen Technologien das Potenzial, den Gesellschaften und Volkswirtschaften einen großen Nutzen zu bringen? Könnten sie die etablierten Vorgehensweisen ändern? Werden sie in den nächsten Jahren voraussichtlich erhebliche Fortschritte machen? „Technologien, die heute entstehen, werden die Welt morgen bald und weit in die Zukunft gestalten – mit Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt”, sagte Mariette DiChristina, Chefredakteurin von Scientific American und Vorsitzende des Emerging Technologies Steering Committee. Auf der Suche nach den Ursprüngen der Innovation wird IO die Top-10 der aufkommenden Technologien des WEF in einer 10-teiligen Serie präsentieren. Heute Teil 6: Kollaborative Telepräsenz.

Nach der Veröffentlichung von Teil 10 finden Sie die gesamte Serie hier.

Stellen Sie sich eine Welt ohne Smartphones vor; keine E-Mail, kein Skype oder Google Hangouts, keine WhatsApp oder gar SMS. Wie würden wir mit jemand kommunizieren,der weit weg ist? Einen Brief schicken? Stellen Sie sich nun vor, wie eine Gruppe von Menschen in verschiedenen Teilen der Welt reibungslos interagiert, als säßen sie beienander, bis hin zur Fähigkeit, die Berührung des anderen zu spüren. Die Elemente, die eine solche „kollaborative Telepräsenz“ ermöglichen, können die Art und Weise verändern, wie wir zusammenarbeiten und spielen, so dass der physische Standort wirklich irrelevant wird. So wie die heutigen Kommunikationsmittel die Probleme der Vergangenheit gelöst haben.
Ärzte werden in der Lage sein, aus der Ferne mit Patienten zu arbeiten.

So wie viele Multiplayer-Spiele die Art und Weise, wie Menschen im Internet interagieren, radikal verändert haben, könnte die kollaborative Telepräsenz die Art und Weise verändern, wie Menschen im Geschäftsleben und darüber hinaus virtuell zusammenarbeiten. „So können beispielsweise Ärzte mit Patienten aus der Ferne so arbeiten, als ob sie sich im selben Raum befinden. Und Freunde und Familie können gemeinsame Erlebnisse genießen, wie z.B. zusammen in einem gemütlichen Raum zu sein oder eine Tour durch eine neue Stadt machen, auch wenn sie nicht am selben Ort sind.“

Fortschritte in verschiedenen Bereichen hätten diese Perspektive möglich gemacht, so das WEF. Augmented Reality (wie z.B. bei Dutch Rose Media) und Virtual Reality-Technologien werden geeignet und erschwinglich genug sein, um im großen Stil eingesetzt zu werden. Telekommunikationsunternehmen bauen 5G-Netzwerke schnell genug aus, um Datenmassen von modernen Sensor-Arrays ohne Verzögerungen zu verarbeiten. Innovatoren aus der ganzen Welt perfektionieren derzeit Technologien, die es Menschen ermöglichen, physisch auf die Ferne zu kommunizieren, einschließlich haptischer Sensoren, die es ihnen ermöglichen zu spüren, was ihre Roboter-Avatare berühren. Tatsächlich ist die zeitliche Verzögerung für das vollständige sensorische Eintauchen für kollaborative Telepräsenz deutlich kürzer als bei Videoanrufen. 5G-Netzwerke werden ebenfalls irgendwann überlastet sein, aber dieses Problem kann auch mit prädiktiven KI-Algorithmen gelöst werden, die die Wahrnehmung von Zeitlücken durch den Benutzer beseitigen können.

Dramatische Veränderungen

Obwohl die kollaborative Telepräsenz immer noch im Entstehen begriffen ist, sind laut WEF alle Faktoren vorhanden, um sie innerhalb von drei bis fünf Jahren Realität werden zu lassen. So investieren Microsoft und andere Unternehmen bereits in Technologien, die bis 2025 die Grundlage für eine Milliardenindustrie bilden sollen. Und nicht umsonst hat die XPRIZE Foundation den 10 Millionen Dollar teuren ANA Avatar XPRIZE Wettbewerb (co-gesponsert von All Nippon Airways) ins Leben gerufen, um Technologien zu entwickeln, die „das Gefühl, die Aktionen und die Präsenz von Menschen in Echtzeit an einen entfernten Ort transportieren und zu einer vernetzten Welt führen”. Das WEF Emerging Technologies Steering Committee kommt zu dem Schluss: „Da sich die Komponenten gegenseitig verstärken, erwarten wir, dass die Veränderungen im Alltag und in der Arbeit so dramatisch ausfallen werden wie durch die Verbreitung von Smartphones vor einigen Jahren.“

(Der größte Teil dieses Artikels stammt aus dem Bericht Top 10 Emerging Technologies 2019).

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Über den Autor

Author profile picture Petra Wiesmayer ist seit mehr als 25 Jahren als Journalistin und Autorin tätig. Sie hat bis heute hunderte Interviews mit Prominenten aus Entertainment, Sport und Politik geführt und zahllose Artikel über Entertainment und Motorsport für internationale Medien recherchiert und verfasst. Als großer Science-Fiction-Fan ist sie fasziniert von Technologien, die die Zukunft der Menschheit mitbestimmen könnten und liest und schreibt gerne darüber.