Bei einigen Produkten oder Prozessen kann die kleinste Temperaturschwankung tödlich sein. IVF-Labore zum Beispiel, hier kann eine Veränderung von nur 0,5 Grad die Lebensfähigkeit eines Embryos beeinflussen. Deshalb ist es wichtig, die Temperatur genau zu überwachen, damit die Forscher eingreifen können, wenn etwas nicht stimmt. Genau das macht BrightSentinel. Das amerikanische Startup, gegründet von zwei Australiern, bietet eine Lösung zur Temperaturüberwachung für Krankenhäuser und Labore an. Jenny Samfat und Robert Keith entwickeln und produzieren von ihrem Büro/Arbeitsplatz im Microlab in Eindhoven aus präzise kalibrierte Logger. Außerdem haben sie in ihrem hauseigenen Kalibrierlabor ein automatisiertes Verfahren zur Kalibrierung von Sensoren entwickelt.

Wie funktioniert das?

Jeder möchte genau wissen, wie es funktioniert, aber das ist unser kleines Geheimnis und wir verraten es nicht. Aber ich muss lachen, wenn die Leute sagen, dass es KI ist. Naja, es gibt da eine gewisse Logik. Aber vergiss nicht, dass Robert seit Jahren daran arbeitet.

Normalerweise dauert es mehrere Tage, um 250 Logger zu kalibrieren, aber Robert kann die gleiche Menge in 4 Stunden machen, sagt Jenny Samfat. Sie und Robert Keith gründeten das Unternehmen 2011, als sie sich noch in der Forschungsphase befanden.

Was unterscheidet Sie von anderen Unternehmen?

Logger müssen jedes Jahr neu kalibriert werden, und das muss von einem unabhängigen Labor oder einem Techniker, der den Kunden vor Ort besucht, durchgeführt werden. Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Wir machen das anders. Wenn die Kalibrierungsperiode eines Loggers ausläuft, schicken wir unseren Kunden neue, bereits kalibrierte Logger, um die Ausfallzeit zu minimieren. Darüber hinaus bieten wir einen Cloud-Service an, bei dem Forscher die gesammelten Daten überprüfen können, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Alle Daten werden an einer Stelle in der Cloud verwaltet, also Schluss mit handschriftlichen Listen und Tabellenkalkulationen. Sie wären, wie viele Labore, die voll mit den ausgefallensten Geräten sind, Messungen noch immer manuell aufzeichnen.

Worin liegt Ihre Motivation?

Als wir unseren heimischen Kühlschrank angeschaut haben, war die Temperatur zwischen dem oberen und dem unteren Regal, in dem man sein Gemüse aufbewahrt, um 5 Grad unterschiedlich. Und der Kühlschrank ist nicht einmal sehr groß. Zu Hause in Australien, wo wir einen Kühlschrank hatten, in dem die Temperatur perfekt war, hielt das Essen viel länger. Was bedeutet das also für Leute, die mit Blut oder Embryonen in einem Labor arbeiten?

Wenn ich dieses Beispiel erzähle, winden sich die Leute oft heraus. Wissen Sie, wie Impfstoffe transportiert werden? In Roberts Heimatstadt haben wir das untersucht und es war schlimm. Die Impfstoffe werden in grauenvollen Kühlschränken transportiert und wenn sie ausgeladen werden, bleibt die Tür offen. Das kann dazu führen, dass der Impfstoff verdirbt. Das gleiche gilt für IVF-Labore. Die Verordnung besagt, dass die Forscher einmal täglich die Temperatur messen müssen. Meistens kommt jemand herein und misst, sagen wir, um 9 Uhr und dann wieder um 9:10 Uhr. Der Forscher nimmt den Mittelwert und das war’s. Aber was passiert in all den anderen Stunden? Sie tun, was die Verordnung ihnen sagt, aber sie werden ihrer Verantwortung nicht gerecht. Sie arbeiten mit lebenden Zellen.

Es ist einfach frustrierend und wir wollen etwas dagegen tun. Wir wollen den Laboren die Mittel geben, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Denn wenn man die Temperatur richtig überwacht, kann man eine Entscheidung treffen.

Würden Sie jemals wieder für einen Chef arbeiten wollen?

Ich habe immer in einer Teamstruktur gearbeitet. Ich habe als Berater für große Energieprojekte gearbeitet und war an der Börse und im Deal-Room tätig. Vor allem der Deal-Room, wo die Leute schreien und winken, sieht von außen chaotisch aus, aber wir haben uns immer wieder zurecht gefunden. Man verlässt sich auf das Team. Denn wenn eine Person nachlässt, wirkt sich das auf das ganze Team aus. Und man muss sich den anderen unterstützen, aber wenn man ein Team ist, dann ist das in Ordnung. Natürlich hatte ich damals einen Chef über mir, aber es hat sich nie so angefühlt.

Es ist komisch, weil ich glaube, dass die Umstände ählich sind, wenn man ein Start-up leitet, es ist der gleiche Organismus. Ich sehe keinen großen Unterschied, allerdings musste ich damals nicht über das Geld nachdenken.

Ist das das Schwierigste an einem Start-up?

Ja, auf jeden Fall. Wir haben des Geschäftsmodell aufgesetzt und alles ist abgedeckt. Bis auf die Finanzierung. Wir sind bereit, die nächste Generation von Loggern auf den Markt zu bringen – Bluetooth und wasserdicht – und wir sind fast am Ziel. Das Einzige, was jetzt noch fehlt, ist die Finanzierung der ersten Serie. Aber es geht langsamer voran, als wir erwartet haben.

Wie kommt das?

Ich weiß es wirklich nicht. Aber vielleicht liegt es an der Kultur. Ich habe einen Herzinfarkt bekommen – keinen echten, aber es hat mich umgehauen, als ich las, dass nur vier Prozent der Start-ups mit einer weiblichen Mitgründerin in den Niederlanden finanziert werden. Hier arbeiten viele Frauen auf Teilzeitbasis.

Ist das in den USA und in Australien anders?

Ja, alle arbeiten. Als ich in den Niederlanden ankam, war ich überrascht, dass wir am Mittwochnachmittag keine Termine planen konnten. Später erfuhr ich, dass die Kinder an diesem Tag früh aus der Schule kommen. Hier ist es viel üblicher, dass Frauen die Kinder abholen müssen, während man die Kinder in den USA und Australien abwechselnd abholt.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Zuerst müssen wir die Finanzierung bekommen, aber wir sind zuversichtlich, dass wir sie bekommen werden. Die nächsten drei bis fünf Jahre wollen wir die intuitivste Lösung für Wissenschaftler sein. Unser Ziel ist es, ihnen viele verschiedene Optionen und Wahlmöglichkeiten zu geben, ohne den Ärger, den sie jetzt gewohnt sind. Wir verkaufen bereits weltweit und wollen unsere Sensoren auf mehr als nur die Temperatur erweitern. Denn es gibt viel mehr zu überwachen.

Sie interessieren sich für Start-ups? Lesen Sie hier alle Artikel aus unserer Serie.