Das schwedische Start-up-Unternehmen Einride bezeichnet sich selbst als intelligentes Verkehrsunternehmen. Ihre autonomen Lkw machen den Gütertransport intelligenter, emissionsfreier, sicherer, kostengünstiger und letztlich nachhaltiger. Diese selbstfahrenden Fahrzeuge sind vollelektrisch und werden über eine intelligente Routing-Software koordiniert, die Kundendaten mit Verkehrsdaten und anderen Funktionalitäten integriert, um Lieferzeit, Akkulaufzeit und Energieverbrauch zu optimieren. Das macht den Weg von A nach B so effizient wie möglich.

Derzeit verfügt das Start-up über zwei selbstfahrende Lkw, den T/Pod und den T/Log. Der erste ist ihr erster autonomer LKW, der auf den Tansport einer Vielzahl von Gütern ausgerichtet ist, während der zweite speziell für den Transport von Baumstämmen angepasst wurde. Er hat kein Führerhaus, kann aber bei Bedarf von einem Menschen ferngesteuert werden. Kein Führerhaus – und kein Fahrer – bedeutet ein kleineres Fahrzeug, erhöhte Ladekapazität, mehr Flexibilität, mehr Sicherheit, niedrigere Betriebskosten und optimierter Energieverbrauch, so dass der T-Log ausschließlich mit Batterien betrieben werden kann.

Um mehr über die Motivation und die Ziele dieses Start-ups zu erfahren, sprach Innovation Origins mit Gründer und CEO Robert Falck.

CEO and Founder Robert Falck. ®Einride

Wie ist die Idee für das Start-up entstanden?

Ich habe für einen der großen OEMs gearbeitet, die dieselbetriebene Lastkraftwagen produzieren, die für einen wesentlichen Teil der globalen CO2-Emissionen verantwortlich sind. Ich fühlte mich in dieser Rolle zunehmend unwohl, weil mir im Laufe der Zeit klar wurde, dass es eine Alternative zu dieselbetriebenen Lkw gibt. Kurz gesagt, durch die sich schnell entwickelnde selbstfahrende Technologie gibt es eine Möglichkeit zur Verlagerung auf batteriebetriebene, vollelektrische Verkehrsmittel. Gleichzeitig wusste ich, dass die Branche so ziemlich an ihren alten Zöpfen festhält. Es ist nicht so, dass sie esnicht gut meinen, aber sie stecken in einem Geschäftsmodell fest. Ich erkannte, dass Veränderung – wenn sie überhaupt stattfinden sollte – revolutionär sein musste. Sie musste von außen kommen. Also kündigte ich und gründete Einride.

Wie funktionieren die autonomen Fahrzeuge von Einride?

Im Grunde läuft es darauf hinaus: Entfernt Sie das Fahrerhaus und den Fahrer, und ihr löst viele Probleme bezüglich Elektrifizierung und Batterien. Ihr bekommt ein kleineres, leichteres und viel flexibleres Fahrzeug. Ladezeiten werden weniger zum Problem etc.

Dies geschieht durch die Kombination von Automatisierungstechnik und Fernsteuerung. Man nimmt die Menschen nicht vollständig aus der Gleichung heraus, aber man reduziert die Anzahl der beteiligten Menschen, indem man Fahrer durch Bediener ersetzt, aus der Ferne bis zu 10 Fahrzeuge gleichzeitig fernbedienen und steuern können. Es ist ein bisschen wie Platooning, aber viel flexibler. Am Ende steht eine nachhaltige und sehr kosteneffiziente Lösung, die es den Käufern der Transporter ermöglicht, Geld zu sparen und gleichzeitig ihren CO2-Fußabdruck sehr deutlich zu reduzieren.

Was unterscheidet Einride von anderen ähnlichen Start-ups?

Nun, wir sehen, dass wir uns von anderen Unternehmen im auf dem Gebiet autonomer Fahrzeuge in erster Linie dadurch abheben, wie wir den Transportverkehr nachhaltiger gestalten. Es ist durchaus möglich, einen herkömmlichen Diesel-LKW mit Selbstfahrtechnik und Fernbedienung perfekt nachzurüsten. Es gibt Unternehmen, die nach einer solchen Lösung suchen. Und du wirst daraus einen ziemlich guten Geschäftsfall machen. Aber du trägst nichts dazu bei, um den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Tatsächlich wirst du wahrscheinlich die Emissionen erhöhen, weil du den Transport billiger machst. Selbstfahrende Technik ohne Elektrifizierung könnte sich als Fluch für die Umwelt erweisen.

®Einride

Was war das größte Hindernis, das Du während des gesamten Prozesses überwinden musstest? Hast du jemals daran gedacht, aufzugeben?

Als wir Einride gründeten, waren viele Menschen skeptisch. Ich kann es ihnen aber nicht verübeln. Wir waren ein neu gegründetes schwedisches Unternehmen mit großen Ambitionen, das die traditionelle Automobilindustrie mit radikal neuen Ideen herausforderte. Damals wurden selbstfahrende Autos von vielen noch als Science Fiction angesehen und auch Elektrifizierung war nicht das naheliegende zukünftige Verkehrsmittel, das es heute ist. Man dachte, Batterien wären leistungsfähig genug für kleine Personenkraftwagen, aber nicht für Lastwagen. Ein leitender Ingenieur bei Scania sagte, dass Elektro-Lkws „perfekt für den Transport von Chips“ seien. So war es manchmal ein Kampf, Investoren und Partner zu überzeugen und so weiter. Und ja, zu einem frühen Zeitpunkt hätte ich beinahe aufgegeben. Aber ich hatte das Glück, extrem talentierte Leute im Team zu haben, die immer weiter an das Projekt glaubten. Und so kämpften wir weiter. Und bald darauf zahlte sich das aus.

T/Log ®Einride

Was war dein erfreulichster Moment?

Ich denke, der erfreulichste Moment war, als uns die schwedische Verkehrsbehörde Anfang des Jahres die Erlaubnis erteilte, ein Pilotprojekt für DB Schenker auf eine öffentliche Straße in Mittelschweden auszuweiten. Wir waren im Grunde das erste Unternehmen weltweit, das – auf kommerzieller Basis – einen vollelektrischen, autonomen LKW auf einer öffentlichen Straße einsatzbereit hatte. Seitdem sind die Skeptiker viel ruhiger geworden.

Wie sieht die Zukunft für Einride aus?

Wir haben inzwischen mehrere sehr große amerikanische Unternehmen als Kunden, so dass wir im nächsten Jahr in den USA Fuß fassen und dort einige Pilotprojekte betreiben werden. Auch die Aktivitäten in Schweden werden ausgebaut. Und wir werden mit der Industrialisierung der Produktion unserer Fahrzeuge beginnen. Darüber hinaus werden wir in Zukunft Hunderte von Fahrzeugen sowohl in den USA als auch in Europa im Einsatz haben. Wir werden zusammen mit unseren Partnern ein komplettes System aufgebaut haben – mit 5G-Konnektivität, Ladeinfrastruktur und so weiter – um den Betrieb zu unterstützen. Das wird die Zukunft des Transports sein, perfekt skalierbar. Und wir werden bereits eine Abdruck in den Emissionskurven hinterlassen haben.

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