Zu trocken, überdüngt oder alles im Lot? Falsche Pflege kann Pflanzen den Garaus machen. Diesen kann der Hobbygärtner vielleicht noch verschmerzen. In der Landwirtschaft richtet er schnell großen Schaden an. Und das mit verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt. Damit Privatpersonen wie auch Profis jederzeit die Möglichkeit haben, sich über den Gesundheitszustand ihrer Gewächse zu informieren, entwickelten die Gründer von Phytoprove, Daniel Weber sowie Thomas Berberich, einen handlichen Device, der schnell und unkompliziert den aktuellen Dünge- wie Wasserstatus von Pflanzen misst. Nun soll das Modell in Serie gehen. Denn die beiden Planzenphysiologen sind davon überzeugt, mit diesem praktischen Gerät einen nicht unerheblichen Beitrag zur Erfüllung der UN-Nachhaltigkeitsziele leisten.

Daniel Weber, Gründer und Geschäftsführer, sowie Thomas Berberich, Gründer und Laborleiter, von Phytoprove im Interview für unsere “Start-up of the day”-Serie.

Wie kamen Sie auf die Idee zur Gründung von Phytoprove?

Nach über 10 Jahren gemeinsamer Forschung zur Anpassung von Pflanzen an Extrembedingungen wie Hitze, Kälte, Trockenheit und Nährstoffmangel kam uns die Idee, basierend auf den Messmethoden im Labor, handliche Geräte zu entwickeln, die jedermann zur Beurteilung des Dünge- und Wasserstatus von Pflanzen benutzen kann. Die Anzeige erfolgt dabei über eine App auf dem Smartphone, das heute so gut wie jeder besitzt.

Wo sind die speziellen Einsatzbereiche Ihres Angebots?

Sowohl professionelle Gemüsebauer, Gärtner und Grünflächenämter als auch private Anwender wie Hobby- und Kleingärtner, Stichwort „Urban Gardening“, können unsere Geräte nutzen, um schnell und einfach den Gesundheits- und Versorgungszustand ihrer Pflanzen zu überprüfen.

Gibt es so etwas Ähnliches schon bzw. was ist an Ihrem Angebot das Besondere?

Ein solches Gerät existiert bislang noch nicht. Das Besondere an unserem System ist, dass es einfach zu handhaben ist, die Pflanzen nicht verletzt werden, eine Messung nur eine Sekunde dauert und zudem unabhängig von der Pflanzenart ist, die gemessen wird. Über den Preis wollen wir hier noch nicht reden, aber es wird für alle Interessierten erschwinglich sein.

Was war die größte Hürde, die Sie anfangs überwinden mussten?

Die größte Hürde ist und bleibt die Finanzierung am Anfang. Unserer Erfahrung nach gibt es kein echtes Risikokapital für Start-ups in der sehr frühen Phase in Deutschland. Sehr mühsam das Ganze.

Gab es einen Moment, an dem Sie aufgeben wollten?

Das ist noch nicht lange her, als wir nämlich erfahren mussten, dass es für uns eine Finanzierung gäbe, wenn wir Umsätze generieren und vorweisen können. Wie aber soll man Umsätze generieren, wenn man erstmal Geld benötigt, um aus einem Prototyp eine Serie herstellen zu lassen?

Und umgekehrt: Was war für Sie in Bezug auf die Gründung von Phytoprove der beste Moment, was hat Sie besonders stolz gemacht?

Ganz klar: Als wir mit unserem Geschäftsplan unter die ersten Fünf beim Science4Life Venture Cup kamen und dann am Ende den zweiten Platz belegen konnten. Die Zusammenarbeit mit dem Science4Life-Team, den Coaches und die Gespräche mit den anderen Gründerteams waren sehr wertvoll und motivierend für uns.

Worauf dürfen wir uns in den nächsten Jahren freuen, sprich: Was können wir in den kommenden Jahren von Ihnen erwarten?

Wir sehen im Bereich Precision Farming ein enormes Potential, darum arbeiten wir daran, Methode und Geräte weiterzuentwickeln, um sie in eine Messvorrichtung für Landmaschinen zu integrieren.

Was treibt Sie jeden Morgen an?

Wir haben beide viel Spaß an der Zusammenarbeit und der Weiterentwicklung unseres Unternehmens. Das alleine reicht als morgendlicher Antrieb!

Wie ist Ihre Vision: Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in 5 Jahren und was ist Ihr ultimatives Ziel?

In fünf Jahren wollen wir weltweit im Markt vertreten sein. Auch unser für das Precision Farming weiterentwickeltes Produkt soll erhältlich sein. Das bedeutet natürlich, dass wir bis dahin unser Team mit mindestens fünf Mitarbeitern oder Mitarbeiterinnen erweitert haben werden.

„Wir wollen mit unseren Ansätzen zur Frühdiagnose von Pflanzen nicht nur unsere Firma Phytoprove wachsen lassen, sondern auch einen erheblichen Beitrag zur Einhaltung der UN-Nachhaltigkeitsziele leisten. Präzises, bedarfsgerechtes Düngen und Wässern, das auf der Ermittlung des tatsächlichen Pflanzenzustands basiert, ermöglicht nicht nur den Anwendern ein ökonomischeres Wirtschaften, sondern trägt ganz konkret dazu bei, umweltschädliche und ressourcenverschwendende Überdüngung zu verhindern, Wasserressourcen zu schützen, Grundwasser und Bodenbiodiversität zu schonen und gerade angesichts der Herausforderungen des globalen Wandels die Landwirtschaft nachhaltiger und zukunftsfähiger zu gestalten.“

Hintergrund:

Die Gründer:

Daniel Weber ist Diplombiologe und Einzelhandelskaufmann. Er war fünf Jahre Geschäftsführer einer Textilhandelsgesellschaft (GmbH) sowie Handelsreisender. Als Mitarbeiter in Forschungsprojekten bringt er über zehn Jahre Erfahrung in der biophysikalischen Erfassung und Bewertung von Leistungsparametern und der Stressphysiologie von Pflanzen mit. Er führte parallel bis 2017 freiberuflich seine auf Auftragsforschung und Beratung spezialisierte Firma DW-Biomonitoring.

Thomas Berberich leitet seit 2010 das molekularbiologische Laborzentrum des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums (SBiK-F), ist promovierter Diplombiologe, hat sich im Fach Botanik habilitiert und forscht auf dem Gebiet der molekularen Pflanzenphysiologie. Er bringt seine internationale Erfahrung als Projektleiter ein und hat die wissenschaftliche Leitung im Unternehmen übernommen.

Gründungsjahr: 2019

Finanzierung: noch offen, zurzeit Prototypentwicklung aus Eigenmitteln

Anzahl Mitarbeiter: Zurzeit die beiden Gründer, ab Januar 2020 wird ein weiterer Mitarbeiter dazu stoßen.

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