In Deutschland gibt es rund 4.000 Unternehmen der metallverarbeitenden Industrie, die Laser- und Biegeteile herstellen. Dazu kommt eine immense Anzahl an Betrieben, die diese Blechteile verarbeiten. Langwierige Angebots- und Beschaffungsprozesse und lange Lieferzeiten stellen jedoch oft ein Problem dar. Hier kommt nun Laserhub ins Spiel, ein Start-up aus der Region Stuttgart, das diese Prozesse automatisiert und somit nicht nur schneller sondern auch günstiger gestaltet. Bei Laserhub können die Kunden ihre CAD-Dateien der benötigten Spezialteile auf der Plattform hochladen. Das Unternehmen sucht dann durch digitalisierte und automatisierte Prozesse Hersteller, die die passenden Maschinen und freien Kapazitäten haben, um die benötigten Teile herzustellen. Für den Kunden bleibt Laserhub aber der einzige Vertrags- und Ansprechpartner und übernimmt die Auslieferung, setzt den Preis fest und schreibt auch die Rechnung.

Christoph Rößner, Gründer und Geschäftsführer von Laserhub, im Interview mit Innovation Origins:

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© Laserhub

Wer steht hinter Laserhub? Wer sind die Gründer?

Die drei Gründer von Laserhub sind Adrian Raidt, Christoph Rößner und Jonas Schweizer. Das Gründerteam vereint Branchen Know-How mit Software- und Digitalisierungs-Expertise. So war Adrian Raidt 9 Jahre bei Trumpf beschäftigt, dem führenden Hersteller für Maschinen zur Blechbearbeitung. Christoph Rößner war in der Geschäftsleitung eines großen Zulieferers für den Maschinen- und Anlagenbau. Jonas Schweizer war Berater bei Diconium, einer Beratung für E-Commerce und Digitalisierung.

Wie kamen Sie auf die Idee zur Gründung des Start-ups?

Die ursprüngliche Idee zu Laserhub entstand während Adrian Raidts Tätigkeit bei Trumpf. In seinem Arbeitsalltag fiel im auf, dass in der Branche der Blechbearbeitung ein merkwürdiges Missverhältnis von Angebot und Nachfrage entstanden ist. Einerseits stehen bei vielen Anbietern hochleistungsfähige und recht kostenintensive Maschinen in den Hallen, die oft nicht ausgelastet sind. Andererseits klagen zahlreiche Kunden dieser Unternehmen über lange Lieferzeiten, aufwändige Bestellprozesse und stellenweise hohe Stückkosten. Nach einer fundierten Analyse der Situation sowie vielen Gesprächen mit Marktteilnehmern kam Adrian Raidt zu dem Schluss, dass das hohe Maß an manuellen bzw. analogen Prozessen dazu führt, dass es in der Branche zu solch einer Situation gekommen ist. Seine Idee war und ist es, durch konsequente Digitalisierung zukünftig Angebot und Nachfrage viel besser zu verzahnen, Prozesse dramatisch zu verschlanke und beschleunigen sowie die Nutzung aller vorhandenen Ressourcen zu optimieren.

Was macht Laserhub im Vergleich zu anderen Unternehmen besonders?

Nun, es ist natürlich unmöglich sich mit „allen“ anderen Unternehmen zu vergleichen. Wenn ich aber überlege, was maßgeblich entscheidend für unseren Erfolg ist, fallen mir konkret drei Punkte ein. So sind wir zwar einerseits ein Start-up, aber andererseits haben wir zuvor schon sehr viel Erfahrung in unseren jeweiligen Fachgebieten gesammelt – und gerade technisch versierte Ansprechpartner sowie Branchenexperten schätzen diese Expertise. Zum zweiten zeichnet unser gesamtes Team ein gewisser Mut zur Veränderung aus. Wir wissen, dass wir uns in einer konservativen Branche bewegen, die eher von kleinteiliger Modernisierung als von schnellem Wandel geprägt ist. Hier vertreten wir mit voller Überzeugung unseren Ansatz der konsequenten Digitalisierung und all dem, was diese mit sich bringt. Zum Dritten ist aber auch unsere Nähe zur Branche sicherlich ein wichtiger Vorteil. Wir haben Laserhub in der Region Stuttgart gegründet, die nicht unbedingt als Start-up-Hotspot bekannt ist. Allerdings schlägt hier das Herz der Automobilwirtschaft, deren Zulieferer und des Maschinenbaus. Die regionale Nähe zu diesen Industrien hat uns vor allem in der Startphase geholfen, durch persönliche Kontakte schnell zu lernen, was unsere Zielgruppen benötigen.

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Was war die größte Hürde, die Sie überwinden mussten?

Um hier ein Bild aus dem Sport zu bemühen: Wir haben es hier weniger mit Hochsprung zu tun, bei dem man einmal über 2,40 Meter springen muss, um aufs Podest zu kommen, sondern eher mit einem 400 Meter Hürdenlauf. Diese Hürden sind beispielsweise die Suche nach Investoren und die regelmäßige Abstimmung mit diesen, die weitverbreitete Skepsis gegenüber der Digitalisierung in vielen konservativen Branchen, die Suche nach geeignete Mitarbeitern, die permanenten Innovationen im Bereich der IT und Software, die Planung der Internationalisierung, das Entwickeln von Strukturen in einem wachsenden Team und noch vieles mehr.

Gab es einen Moment, an dem Sie aufgeben wollten?

Nein, an diesem Punkt waren wir wirklich nie. Wir hatten das große Glück, dass wir praktisch vom ersten Tag an das Feedback vom Markt bekamen, mit unserer Idee auf dem richtigen Weg zu sein. Sicherlich haben wir im Rückblick nicht immer ideal entschieden, sind eventuell einige Mal falsch abgebogen und hätten schneller zu Ergebnissen kommen können, aber der grundlegende Kurs war und ist definitiv richtig. Ich habe deshalb das Unternehmen und die dahinterstehenden Geschäftsidee nie so weit infrage gestellt, dass Aufgeben eine Option gewesen wäre.

Und umgekehrt: Was war für Sie in Bezug auf die Gründung der beste Moment? Was hat Sie besonders stolz gemacht?

Wir hatten schon mehrere Meilensteine, die wirklich „gute“ Momente waren, auf die ich stolz bin. Dazu gehört die hohe Rate an Wiederbestellern, die zeigt, dass wir für unsere Kunden ein tolles Produkt bereitstellen, welches Probleme löst und für Begeisterung sorgt. In diesem Zusammenhang ist von Seite unserer Investoren auch häufiger der Ausspruch gefallen „When a marketplace looks like a subscription modell“.

Einladungen zu Fachveranstaltungen zeigen uns, dass wir in der Branche ein gewisses Standing erreicht haben. Die zunehmend häufige Erwähnung in der Fach- und Wirtschaftspresse macht mich ebenso stolz wie erste Nominierungen für namhafte Auszeichnungen. Auch der jüngste Abschluss einer wichtigen Finanzierungsrunde sowie der Umzug in deutlich größere Geschäftsräume und der erste Schritt in einen ausländischen Markt sind weitere Highlights.

Worauf dürfen wir uns in den nächsten Jahren freuen, sprich: Was können wir in den kommenden Jahren von Ihnen erwarten?

Auch wenn wir grundsätzlich immer unseren eigenen Laserhub-Weg gehen wollen, so entsprechen unsere Pläne für die kommenden Jahre den klassischen Zielen vieler erfolgreicher Plattform-Unternehmen. Das bedeutet, die kontinuierliche Erweiterung der Services, die wir unseren Partnern anbieten, schnelles Wachstum des gesamten Ökosystems dank digitaler Skalierbarkeit sowie die schrittweise Internationalisierung des Unternehmens. Wenn wir uns den europäischen Gesamtmarkt anschauen, den wir mittelfristig adressieren wollen, dann sprechen wir von einem Volumen von knapp 80 Mrd. Euro pro Jahr – da haben wir noch etwas „Luft“.

Was ist Ihre Vision für Laserhub?

Die Blechbearbeitung ist eine unglaublich vielfältige Branche und unser Ziel ist es, diese gesamte Vielfalt über unsere digitale Plattform zugänglich zu machen. Entsprechend reduzieren wir den Aufwand und die Kosten für alle Beteiligten, beschleunigen Abläufe und Erhöhen die Effizienz einer gesamten Industrie.

Hintergrund:

Gründer: Adrian Raidt, Christoph Rößner und Jonas Schweizer
Gründungsjahr: 2017
Finanzierung: zunächst aus eigenen Mitteln, seit einiger Zeit sind auch verschiedene Investoren wi Project A Ventures und Point Nine Capital an Bord.
Anzahl Mitarbeiter: 20 Personen. „Mit unserem Umzug in die Stuttgarter Innenstadt haben wir in Kürze wesentlich mehr Fläche und wollen diese auch nutzen. Dies bedeutet: Die Suche nach Talenten ist für uns eine der ganz zentralen Aufgaben.“

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