Bis ein neues Medikament für den Markt zugelassen wird, dauert es in der Regel Jahre. Zahllose klinische Studien müssen durchgeführt werden, die eine Menge an Daten produzieren. Daten, die auch verknüpft und ggf. mit anderen Studien abgeglichen werden müssen, um verwertbare Ergebnisse zu bekommen. So eine Vernetzung zwischen verschiedenen Einrichtungen ist, auch aufgrund strenger Datenschutzregelungen, aber nicht ganz einfach.

Das Münchener Start-up Climedo bietet bietet Forschern mit seiner Software nun die Möglichkeit, die in ihren Studien erhobenen Daten standardisiert abzuspeichern. Das soll Ärzten in Zukunft die administrative Arbeit erleichtern, klinische Studien verkürzen und den Medizinern mehr Zeit für ihre Patienten verschaffen.

Climedo-Mitbegründerin Veronika Schweighart im Interview mit Innovation Origins:

Die Climedo-Gründer: (von links) Sacha Ritz, Veronika Schweighart, Dragan Mileski © Climedo

Wer steht hinter Climedo? Wer sind die Gründer?

Hinter Climedo stehen drei Gründer: Sascha Ritz (CEO), Dragan Mileski (CTO) und ich, Veronika Schweighart (COO).

Wie kamen Sie auf die Idee zur Gründung des Start-ups?

Kennengelernt haben wir uns am CDTM (Center for Digital Technology and Management) in München, wo wir an verschiedenen Projekten zusammengearbeitet haben. Wir hatten alle bereits zuvor Startups gegründet und leider hatten wir im engen Familienumfeld auch negative Erfahrungen mit ineffizienten Behandlungen gemacht, die teilweise schwerwiegende Folgen hatten. Unsere Motivation war es deshalb, das Gesundheitssystem grundlegend zu verbessern und den Patienten mehr in den Vordergrund zu rücken. Durch intensiven Austausch mit Ärzten haben wir erkannt, dass bei klinischen Studien ein enormes Potenzial liegt.

Was macht Climedo im Vergleich zu anderen Unternehmen besonders?

Bei uns steht das Thema „Empathie“ seit Tag eins klar im Vordergrund. Wir wollen etwas Gutes tun, indem wir die Medizinbranche revolutionieren und Ärzte und Patienten stärker in den Fokus rücken. Von unseren Lösungen sollen nicht nur unsere unmittelbaren Kunden profitieren, sondern auch die “Endnutzer” – die Ärzte und Patienten. Denn wenn Ärzte weniger Zeit in die administrative und technische Handhabung einer klinischen Studie stecken müssen, können sie sich viel besser um ihre Patienten kümmern und ihnen mehr Empathie entgegenbringen. Studien belegen, dass wenn sich Patienten gut aufgehoben fühlen und man sich Zeit für sie nimmt, dies eine extrem positive Auswirkung auf das Heilungsresultat hat. Wer sich verstanden fühlt, spricht auf Therapien besser an.

Was war die größte Hürde, die Sie überwinden mussten?

Es wurde anfangs oft hinterfragt, dass keines unserer Gründungsmitglieder einen medizinischen Hintergrund hat. Doch wir konnten, weil wir von außen kommen, unvoreingenommen das Thema und den Markt angehen. Wir maßen uns nicht an, etwas „besser zu wissen“, sondern erfragen uns von vielen verschiedenen Experten das Fachwissen. Es ist daher extrem wichtig, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen. Wir haben gemerkt, dass Mediziner und andere Branchenexperten uns als „Digital Natives“ durchaus mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen, da sie – wie wir – erkannt haben, dass man Synergien am besten über diverse Hintergründe schaffen kann. Das gilt übrigens auch für die Zusammensetzung des (Gründer-)Teams.

Gab es einen Moment, an dem Sie aufgeben wollten?

Nein, tatsächlich war aufgeben für mich/uns noch nie eine Option. Die kleinen und großen Hürden, die uns regelmäßig begegnen, sind für uns Herausforderungen, die wir gerne meistern und an denen wir stets wachsen und dazulernen. Wenn es so einfach wäre, würde es ja jeder machen.

Und umgekehrt: Was war für Sie in Bezug auf die Gründung der beste Moment? Was hat Sie besonders stolz gemacht?

Es gibt sehr viele einzelne Momente, die herausstechen und sicher unvergesslich bleiben – der gemeinsame Notartermin, die einjährige Geburtstagsfeier, unsere regelmäßigen Team-Offsites, usw. Was wir alle aber besonders erfüllend finden, ist das regelmäßig begeisterte Feedback unserer Kunden und Nutzer und der messbare Impact von Climedo: Einer unserer Kunden konnte im Rahmen einer multizentrischen Forschungsstudie dank Climedo 50% der Dokumentationszeit gegenüber herkömmlichen Systemen einsparen.

Worauf dürfen wir uns in den nächsten Jahren freuen, sprich: Was können wir in den kommenden Jahren von Ihnen erwarten?

Die Medizinbranche wird sich in den kommenden Jahren weiterhin verstärkt digitalisieren, gleichzeitig werden Therapien viel personalisierter werden. Wir glauben und hoffen, dass sich Patienten mit Hilfe von Climedo selbstbestimmter um ihre Gesundheit kümmern können (Stichwort „Patient Empowerment“), um Krankheiten frühzeitig zu erkennen und möglichst verhindern zu können. Jedoch sind wir auch der Meinung, dass Ärzte weiterhin eine zentrale Rolle im Umgang mit Patienten haben werden, gerade wenn es um schwerwiegende oder seltene Krankheiten geht.

Was ist Ihre Vision für Climedo?

In absehbarer Zukunft werden digitale Systeme das Leben der Ärzte und Patienten zwar erleichtern, doch die menschliche Empathie wird nicht so schnell durch künstliche Intelligenz ersetzt werden. Unsere Vision ist es deshalb, dass sich Ärzte voll und ganz der Behandlung und Unterstützung ihrer Patienten widmen können und keine Zeit mehr in administrative oder technische Aufgaben investieren müssen, da diese „von selbst laufen“.

Wie finanziert sich Climedo?

Neben finanzieller Unterstützung von deutschen und europäischen Institutionen haben wir dieses Jahr unsere erste Seed-Finanzierungsrunde mit diversen Business Angels abgeschlossen. Daneben erzielen wir bereits seit Anfang letzten Jahres Umsätze.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie?

Wir haben derzeit 11 Mitarbeiter (darunter v.a. Festangestellte sowie ein paar Freelancer und Werkstudenten).

Stellen Sie neue Mitarbeiter ein?

Ja! Wir suchen ständig nach unternehmerischen Persönlichkeiten, die mit uns das Gesundheitswesen neu gestalten und ihre sinnvoll und nachhaltig investieren möchten. Unter https://www.climedo.de/karriere gibt es alle aktuellen Positionen.

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